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Tag: 25. April 2018

Zu viel.

Zu viel.

Mittagspause. Normalerweise würde ich jetzt oben sitzen, bei den anderen. Bei ihm.

Ich sitze in meinem büro. Als ich gerade meine thermobox mit meinem essen aufschraubte, kamen mir die tränen. Konnte mich aber noch zusammenreißen. Ich werde hier drin nicht heulen.

Ich kam heute etwas später zur arbeit, aber noch pünktlich vor ihm. Er hatte keine besprechungen bis zur frühstückspause. Ich saß da und wartete. Ich bin mir sicher, wenn er mit mir sprechen will, dann vor der frühstückspause, da redeten wir sonst auch immer.

Aus dem „fehlt“ hinter seinem namen im telefonbuch wurde ein „anwesend“. Nun sollte es beginnen. Ich wartete. Mir war heiß, ich schwitzte, fror aber zugleich. Ich wartete. Anderthalb stunden. Und es kam nichts.

Ich ging nicht in die frühstückspause. Nicht so. der erste kontakt wird kein Geplänkel vor anderen während einer pause. Ich habe mehr verdient als das.

Ich wusste, dass er nach der frühstückspause mit meinem Kollegen zur tochterfirma ein paar straßen weiter fahren würde. Ich befürchtete, was auch passierte.

Pünktlich nach der frühstückspause hörte ich schon im gang seine stimme.. gut gelaunt, bis über beide ohren grinsend, kam er ins büro und sagte: „guten morgen miteinander.“ Ich tat mir schwer aufzusehen. Noch bevor er überhaupt da war, als nur seine stimme zu hören war, sank ich in meinen bürostuhl ein. Machte mich so klein, so unauffällig wie möglich. Nicht vor scham. Ich musste mich zusammenhalten. Ich musste die scherben zusammenhalten, ehe sie alle auseinander- und auf den boden fallen.

Er grinste mich an. Bis über beide ohren. Ich murmelte traurig ein „morgen“ hinaus, ich schaffte es nicht, noch mehr zu sagen. Schon gar nicht mit guter miene. Er strahlte immer noch. Mehr als sonst. Er sah fast euphorisch aus. Merkwürdig.

„12 uhr mittagessen?“‚ er blickte mich an, immer noch diese euphorie. Ich konnte weder ab-, noch zusagen. Ich konnte gar nichts. Ich wusste, dass ich verletzt ausgesehen haben musste, leidend. Ich bekam kein wort raus und nickte schwach, traurig. Voller elan entgegnete er mir grinsend: „Ja komm, das machen wir! .. also bis später“, verabschiedete er sich in die Runde, nahm den Kollegen mit und weg war er.

Ich fühlte mich wie in einer kompletten parallelwelt. what the fuck, wo war ich gelandet?

Mir war von anfang an klar, dass ich nicht zu dieser mittagspause gehen würde. Ich schaffte es nicht mal, ordentlich zu- oder abzusagen, geschweige denn vierzig minuten ihm gegenüber zu sitzen und über Fußball, laufen und hässliche sexspielzeuge zu lachen. Niemals.

 

Kurz nach halb zwölf schrieb ich ihm im whatsapp.

 

Ich komme nicht zum mittag. Ich pack das nicht.

 

Klingt nach verletzt, ich weiß. Aber das ist keine Rolle, von der ich befürchte, da reinzurutschen. Ich tue das, was mir gut tut. In der kantine vor ihm loszuheulen täte mir nicht gut.

Fünfzehn minuten später kam der Kollege, mit dem er weg ging, wieder zurück. Er muss nun also auch zurück sein. Aufregung machte sich wieder breit. und dann blinkte es grün am handy. Whatsapp.

 

Sollen wir nochmals reden? Ich möchte auf keinen fall, dass etwas zwischen uns ist.

 

Nochmals? .. moment. Nochmals? .. das kann doch nicht sein ernst sein. wieder wurde ich damit erschlagen, wie wenig flach ich doch bin.

 

Weiß nicht. Ich möchte nicht vor dir weinen. Schon gar nicht hier drin.

 

Mir egal. Dann weiß er halt‚ wie es mir geht. Weiß er auch so.

 

Dann lass dir zeit.

 

Super. Super gespräch, echt. Ist ja ganz toll für ihn gelaufen.

Später noch gemeinsame besprechung mit ihm. Allerdings sind da genügend andere. Ich könnte ihm aus dem weg gehen und schon vorher zum Besprechungssaal laufen. Wäre dieses .. whatsapp GESPRÄCH nicht gewesen (das ist genauso ein gespräch gewesen, wie dass wir NOCHMALS darüber reden können..), er hätte mich sicher zwischen tür und Angel auf dem weg zur besprechung gefragt, ob nun alles wieder gut sei.

Gut wird vorerst nichts mehr. Mit dieser abspeisung wurde auch endgültig besiegelt, dass, wenn wir NOCHMALS darüber reden sollen (auch dieses „sollen“ schon wieder..), dann muss es von mir kommen. Von mir wird nichts mehr kommen. Zu viel kam von mir.

 

Fenza.

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