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Tag: 26. April 2018

Ich vermisse dich jetzt schon.

Ich vermisse dich jetzt schon.

jetzt kann ich es. mit schmerz weinen.

es ist kurz vor fünf, eigentlich bin ich jetzt aufgestanden, um mich für die arbeit fertig zu machen, stattdessen sitze ich nun wieder hier im wohnzimmer und schreibe erstmal tagebuch.

ich vermisse mein altes leben. das leben, das ich mir vorgestern mit meinem geständnis kaputt gemacht habe. ich vermisse es, dass ich genau jetzt um diese uhrzeit mich erstmal geschhminkt hätte, damit ich auch pünktlich in meinem arbeitsrhythmus noch vor 7.27 da wäre, der uhrzeit, ab der er normalerweise irgendwann eintrudelt. ich vermisse es, dass ich irgendwann so kurz nach halb acht mir dann erstmal was zu trinken hole und bei ihm am büro vorbeilaufe. wenn er mit seinen blauen augen über den bildschirm guckt, sofort warmherzig lächelt, wenn ich vorbeilaufe und er erstmal ruft: „fenza! wie gehts, alles klar?“ – dann schlendere ich mit meiner leeren wasserflasche in sein büro und wir reden erstmal über unseren feierabend gestern und was wir noch so gemacht haben. ich vermisse es, mich auf die frühstückspause zu freuen. auf die mittagspause. ich vermisse es, sein outlook durchzugucken, wann er mal wieder zeit hat für ein bisschen quatschen.

gott, ich hab erst einen tag hinter mir und er fehlt mir so sehr.

gestern war ja noch die besprechung. irgendwann nach dem gestrigen tagebucheintrag erinnerte mich dann mein outlook. meine mir selbst gestellte notiz sprach: „holly fragen: was soll ich für die besprechung vorbereiten?“ na toll. ich schaute in die einladung zur besprechung. keinerlei infos. keine ahnung, was da besprochen wird. den termin hat er mir weitergeleitet, eigentlich wäre ich da gar nicht eingeladen gewesen, darum auch keine infos. keine ahnung, ob ich da auch irgendwas liefern oder verstehen muss. deshalb ja „holly fragen“. ich überlegte, was ich tun sollte. ach scheiß drauf, ich sperrte meinen rechner, stand auf und lief zu ihm.

ich lehnte mich wie in vergangenen tagen an den türrahmen seines büros. er sah auf und begann sofort zu strahlen, man hat richtig gesehen, wie er sich gefreut hat. „fenza, hi, wie geht’s dir?“, lächelte er, locker, fröhlich. ich konnte nicht grinsen. früher war sein lächeln so ein schalter, der bei mir einfach umgeschaltet wurde, ohne es kontrollieren zu können und ich musste sofort auch lächeln. er musste mich nur ansehen, anlächeln, mit mir reden, egal, irgendwas, und ich verlor jegliche kontrolle über mein gesicht. wenn er mich jetzt anlächelt, ist mein gesicht tot. der schalter wurde umprogrammiert. wo früher nicht lächeln nicht möglich war, ist jetzt das gegenteil der fall. nicht, weil ich sauer oder wütend bin. die gesichtszüge sind einfach auf neutral, auf traurig festgenagelt. das gesicht zu einem lächeln zu formen fühlt sich an, als würden tausend kilo auf den muskeln liegen.

ich zuckte teilnahmslos mit den schultern und schaute dabei weg. kein augenkontakt, wenn ich irgendwas von mir preisgeben muss. irgendwas wie,.. wie es mir ginge. er lächelte und meinte: „jetzt komm..“, es hatte etwas von: „so schlimm ist das alles doch nicht.“ ich glaube auch, dass er so denkt. also nicht, dass er meine gefühle, bzw. mein leiden dadurch jetzt, nicht ernst nimmt, sondern ich glaube, er will mir halt das gefühl vermitteln, dass ich mich trotzdem noch so verhalten „darf“ wie früher. dass es ihn nicht stört. genauso teilnahmslos wie zuvor mit totem gesichtsausdruck fragte ich: „muss ich für die besprechung nachher irgendwas vorbereiten? kann ich mich da irgendwo einlesen?“ – ich blieb weiterhin am türrahmen stehen. distanziert. wie ganz früher, als ich mich noch nicht traute, zu ihm ins büro zu gehen. ich wollte ihm ja nicht auf die pelle rücken.

er schaute sofort verwundert, kümmerte sich sofort um die unterlagen und meinte: „ja, es geht um xyz. soll ich dir das schicken? ich schicke dir eine mail mit der seitenmarkierung, worum es geht.“ – ich weiß, wo xyz im system liegt. jeder weiß das. ich wusste nur nicht, dass es um xyz gehen wird. – „ja, ich schicke es dir sofort“, er kümmerte sich. er beeilte sich. er gab sich mühe. – „du kannst dann auch noch den dazugehörigen auftrag lesen, die nummer schreibe ich in der email.“ er kümmerte sich. – „ok.“ ich lief weg. er lächelte, als ich ging. ich konnte nicht lächeln.

zwei minuten später die email.

hi fenza, hier ist das xyz, es geht um seite sieben. die dazugehörige nummer zum auftrag ist 123456. viele grüße, holger.

 

ich las die sachen durch. die besprechung war für 15.00 angesetzt. kurz vor 15.00 lief ich los. ich sah ihn von weitem im großraumbüro stehen, nicht bei sich am platz. er sprach mit einem kollegen und war bereits dabei sich zu verabschieden. ich drehte mich sofort um und ging zum besprechungsraum, alleine. eine minute später, nachdem ich mich setzte, kam er nach. noch nie bin ich alleine zu einer besprechung gegangen, wenn er mit dabei saß. normalerweise schneite ich grinsend in sein büro und sagte: „na hopp hopp“, während er noch geschäftig an seinem laptop was zu ende klickte, mit seinem dunkelblauen stabilo im mund. ich erinnere mich dran, wie er dann immer aufstand, noch kurz in den laptop schaute und dann sofort sein gesicht zu mir schwenkte und mich breit angrinste. er grinst mich immer an, wenn ich irgendwo bin. immer.

während der besprechung saß er neben mir. ich saß am tischende, er stirnseitig am kopf des tisches. die meiste zeit sprach er. früher habe ich das zum anlass genommen, ihn ständig anzugucken. dieses mal wagte ich zwei, drei blicke. meistens habe ich auf den tisch geschaut, während er sprach. als die besprechung pünktlich um vier zu ende war, bin ich als erste rausgestürmt. ich saß zum glück auch der tür am nahesten. ich sah in der reflektion der glasfront gegenüber des besprechungssaals, dass holly der zweite war, der nach mir den raum verließ. ich lief den gang entlang. normalerweise hätte ich auf ihn gewartet und wäre zusammen mit ihm zurückgeschlendert. diesmal zog ich das tempo an und lief weg. ich bin wahrlich vor ihm geflüchtet, so schnell ich konnte. eine glastür vor mir reflektierte ihn etwas weiter hinter mir.

in meinem büro angekommen, setzte ich mich sofort an meinen rechner und versteckte mich hinter meinem bildschirm. ich begann die telefonnummer der masterstudentin im telefonbuch rauszusuchen, denn mit ihr wollte ich nach der arbeit shoppen gehen. quasi als ausgleich für den nicht stattfindenden abend am donnerstag. der abend, an dem ich es ihm eigentlich sagen wollte.

auf einmal hörte ich seine stimme im gang. es war 16.08 und ich wusste, dass er um 16.00 eigentlich, wie jeden mittwoch, seine besprechung mit der geschäftsleitung hat. ganz wichtige runde. outlook bestätigte meine vermutung. ich erinnerte mich auch, wie er in der besprechung sagte, er habe im anschluss sofort einen folgetermin und wir müssten pünktlich aufhören.
die stimme kam näher. ich merkte im augenwinkel, dass er plötzlich angelehnt am türrahmen zu meinem büro stand. ich schaute nicht auf, sondern klickte weiter eifrig und geschäftig im telefonbuch.

„na fenza, wie fandest du es?“, er lächelte. hä, wie fand ich was? .. – „was? die besprechung?“, mein blick war wieder tot. der schalter ist umgelegt. er lächelte weiter: „ja, die besprechung gerade. hat man das in deiner alten firma auch so gemacht?“ klar, es war ein neuer prozess, aber .. die frage war überflüssig. es war einfach nur eine besprechung, wir haben die punkte anhand einer liste abgehakt und das wars. er versuchte händeringend kontakt aufzubauen. mit mir ins gespräch zu kommen. – „nee, da hat man einfach nur beim kaffeeautomaten einen fresszettel, meistens eine serviette, genommen und da irgendwas drauf gekritzelt. es wurde dann zwar so strukturiert wie hier eingeleitet, aber das war nach meiner zeit.“ mein miene war neutral. ich versuchte locker zu sein, da die anderen kollegen ja auch mit im büro saßen, aber gegen den umgelegten schalter konnte ich früher schon genauso wenig tun wie jetzt. – wieder voller elan, voller freude präsentierte er mir dann ein weiteres thema: „ich hab übrigens der geschäftsleitung nun unsere pläne für die projektierung vorgestellt und sie haben es heute abgesegnet. jetzt kanns losgehen!“, er grinste mich begeistert an, während mein gesichtsausdruck weiterhin leblos blieb. – „schön, dann hab ich ja nun auch endlich eine daseinsberechtigung hier.“ – er schmunzelte über meine bemerkung, lächelte mich mit seinem warmherzigen blick an und sprach: „ach fenza, die hattest du doch schon immer.“ – lächelnd wünschte er uns einen schönen abend und ging mit viel verspätung in seine besprechung mit der geschäftsleitung.

gott. ich kann nur heulen. nur heulen. und nicht mal das kann ich wirklich, weil ich hier, daheim, nicht heulen will. ich will tobi nicht zeigen, wie weh es mir tut, auch, wenn er sich das denken kann.

 

als ich gerade noch im bett lag und meine kommentare durchgelesen habe, fiel mir bei akzo auf, wie viele likes dieser kommentar hat. ich fragte mich, wer alles genauso denkt. ich wunderte mich darüber, dass überhaupt jemand so denkt. Ich glaube, dass er ähnlich für dich fühlt, aber sich durch seine Ehe eben nicht frei fühlt. ich musste daran denken, wie ich damals mit meinem roten wintermantel, am letzten tag vor meinem usa urlaub, bei ihm im büro stand. wie ich meinte: „is mir jetzt egal, wie blöd das kommt, aber .. ich vermisse dich jetzt schon.“ .. ich erinnere mich dran, wie sich die freude in seinem gesicht ausbreitete, wie er ohne diese freudensmiene zu verziehen aus reinster ehrlichkeit sagte: „ich dich auch.“

gott, ein tag erst. und ich vermisse dich jetzt schon.

fenza.

 

 

danke für eure messages, egal, ob von regelmäßigen schreiberlingen oder leute, die sich sonst nie äußern – die bedeuten mir echt viel. (ihr wisst, wie messagegeil ich bin XD) ich versuche auf jeden fall im eintrag heute nachmittag nochmal näher auf alle einzugehen. grüß euch ganz lieb!

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