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Monat: Mai 2018

Strohhalm.

Strohhalm.

tobi ist gerade nicht da, der ist drohnenfliegen gegangen, deshalb nutze ich die gelegenheit und schreibe tagebuch. eigentlich gibt es nicht groß was zu erzählen, aber joa.. nach sechzehn jahren tagebuch hat man so ein inneres… pflichtgefühl, dass man sich alle paar tage mal bei seinen lesern melden „muss“.

 

die (arbeits)woche war.. joa. komisch. muss ehrlich sagen, die ganze woche über, als bis einschließlich donnerstag hatte ich echt das gefühl, dass er mich wirklich meidet. also noch mehr. schaute mich nie an und immer, wenn ich dann – wie verabredet – kam, um ihn zur mittagspause abzuholen, grinste er mich nie wieder so wie früher an, sondern schaute eher.. überrascht, neutral und entschuldigte sich damit, dass er noch etwas fertig machen müsste und somit nachkäme. ich meine… klar, das kam früher auch vor. aber die ganze woche musste er jeden tag plötzlich etwas fertig machen. naja.

ich gebe zu, es brodelte schon so sehr in mir, dass ich mir dachte, wenn das so länger weitergehen würde, würde ich irgendwann hingehen und sagen: „also du, wenn du keinen bock drauf hast, mit mir zeit zu verbringen, dann kannst es auch sagen.“ wenn er plötzlich festgestellt hat, dass sich nun doch nicht nichts ändert, dann wäre es auch okay. besser als diese .. mittagspausen-almosen. die höflichkeitsfreundlichkeit, wie ich es damals bei nicky nannte, der sich alle paar wochen nach der „trennung“ meldete, nur, um irgendeinen wischiwaschi-scheiß mit mir zu reden, obwohl er gar keinen bock mehr drauf hatte. aber wollte ja höflich bleiben. man kann ja freunde bleiben. joa. erinnert mich an: „ich will dich aber auch nicht als freund verlieren, bedenke das bitte auch.“ zitat von vor ein paar wochen. vier wochen, genauer gesagt.

doch schon am freitag wars .. wieder wie vorher. ganz anders. grinste wieder wie früher, war wieder herzig wie früher. vielleicht nicht ganz genau wie früher, aber .. ja.. zu 90%. keine ahnung.

 

gestern haben tobi und ich gegrillt. eingeladen waren zum einen tobis arbeitskollege und eigentlich mittlerweile unser guter kumpel johnny und dann fragte ich noch die masterstudentin, ob sie auch lust hätte. dazu muss ich sagen, dass die masterstudentin ja schon eher nach kontakt sucht und immer bei allem dabei ist, weil sie hier in der gegend ja niemanden kennt – aber sie muss auch sehr mit sich kämpfen, da sie sehr unsicher und schüchtern ist. also.. ich meine das nicht böse, aber sie ist eher so ein scheues mauerblümchen, das ich mehr oder weniger unter meine fittiche nehme. deshalb hab ich auch mehr oder weniger am meisten vertrauen zu ihr, so verglichen zu den anderen kollegen. wir haben uns ja auch schon über diverse psychoprobleme unterhalten, und joa, da ich ja vor vier wochen, als ich meinem chef sagte, was ich empfinde, einen tag später mit ihr shoppen und essen war, hat sie als einzige genau mitgekriegt, was so zwischen meinem chef und mir war. habe ihr dann auch alles erzählt, was ich sagte und wie er reagierte und blah. sie fragte auch gestern noch nach, wie es seither denn so laufen würde und auch, weil wir uns ja ausgesprochen hatten und es seither noch keine gelegenheit gab, ihr unter vier augen zu sagen, wie das so war. holte ich gestern nach.

auch wenn ich weiß, dass es nicht stimmt, weil ich meine antennen für viel feinfühliger halte, war es trotzdem irgendwie.. „schön“, das zu hören, was sie äußerte, als ich ihr von seiner distanz diese woche erzählte. ich sagte, dass ich fand, dass die distanz für mich nicht wie allgemeine schlechte laune rüberkam, sondern direkt kanalisiert in meine richtung und sie vermutete: „naja, nachdem er dir ja sagte, dass es anders zwischen euch wäre, wäre er nicht verheiratet, geht er vielleicht nicht wegen dir auf distanz, sondern wegen sich selber? vielleicht will er nur nicht, dass andere merken, dass er auch was für dich empfindet, denn nach seiner aussage, tut er das ja irgendwie…“ der letzte strohhalm, an den ich mich klammere. solche aussagen. auch wenn ich weiß, dass es beknackt ist, ich hab ja die klare aussage schon vor vier wochen direkt von ihm selber bekommen. da brauch ich keine .. vagen vermutungen von anderen, die ja nicht er sind.

ich weiß selber, dass es alles dumm ist. auch sich ständig noch mit diesem thema zu beschäftigen, nachdem es eigentlich vom tisch sein sollte. isses aber nicht. irgendwie fürchte ich, wird es das noch ewigkeiten nicht sein.

 

diese woche hat es total weh getan. keine ahnung. vorgestern auch. er hat jetzt eine woche urlaub und fährt mit seiner frau an den gardasee. vorgestern, nachmittags, da wollte ich nochmal zu ihm hingehen und ihm einen schönen urlaub wünschen. er war nicht im büro. habe dann von weitem gesehen, dass er gerade zum kaffeeautomaten läuft. super. der wasserspender steht ja direkt daneben, mein vorwand, den ich immer nutze. ich lief also mit meiner wasserflasche ihm hinterher und als wir uns am kaffeeautomaten begegnet sind, haben wir uns noch kurz unterhalten, auch auf den weg zurück zu seinem büro. er erzählte von dem parkrempler, er hatte ja sein auto zur werkstatt gebracht und sollte es noch am freitag abholen können, allerdings riefen die von der werkstatt einfach nicht an. ich wollte mich dann von ihm verabschieden und sagte: „nun ja, ich wünsch dir noch einen schönen urlaub…“ – er sprach von der werkstatt, dass er da jetzt anrufen würde, mir kam es so vor, also vom kontext her, als würde er sich .. gar nicht verabschieden. also .. von wegen, man sehe sich ja später noch. naja. ich war mir aber sicher, dass ich ihn nicht mehr sehen würde, weil ich eine halbe stunde später gehen wollte. – „erhol dich gut“, er grinste. er stand ja direkt mir gegenüber, mit seinem kaffee-pappbecher in der hand, und schaute zu mir hinunter. er ist ja viel größer als ich. ich mag das, wenn er zu mir runterschaut und mich so anlächelt. er bedankte sich und .. sagte irgendeine floskel, weiß auch nicht mehr was. flapsig, wie ich bin, meinte ich noch, mit leichter… besorgter-mutter-miene, aber trotzdem locker und grinsend – flapsig eben: „und aufpassen, gell?“ .. ein breites grinsen breitete sich in seinem gesicht aus und er sprach ein wohlwissendes: „jaaaa“ – ich glaube, die situation hatte etwas .. leicht lustiges, dass ich – 25 zentimeter kleiner, 16 jahre jünger, weiblich – ihm sagen würde, er soll auf sich aufpassen.

ich dachte daran, wie anders es noch war, als ich mich von ihm verabschiedete, als ich nach vegas flog. er stand vor mir, er war .. sichtlich selber irgendwie… naja, nicht nervös? .. aber irgendwie.. leicht aufgekratzt innerlich. er haderte ja mit sich und meinte dann irgendwann ruckartig: „ach jetzt komm her“ und drückte mich plötzlich an sich. so, als wolle er mich schon die ganze zeit umarmen, sich aber nicht traute. muss aber auch sagen, damals waren wir noch um einiges… „unvertrauter“. das war ja noch zu der zeit, als wir nicht mal regelmäßig mittagessen gegangen sind und ich mich gar nicht traute ihn danach zu fragen. das war ja noch.. vor souvlaki.

 

keine ahnung. es tut nach wie vor weh. kanns nicht anders sagen. diese woche tat es besonders weh. um ehrlich zu sein, am meisten, als der kontakt wieder gut war. als er nicht mehr auf distanz ging. die distanz war zwar irgendwie kacke, aber.. brachte mich ein stückchen voran. konnte ihn abwerten. konnte ich nicht nur, sondern tat ich, weil ich sein verhalten lächerlich fand. aber offensichtlich war das wohl doch nicht mir geschuldet, sondern allgemeine schlechte laune. oder .. keine ahnung.. oder es war irgendwas. also dass ihn zum nachdenken brachte. was weiß ich.

ich sehe mich schon auf der messe im suff ihn darauf ansprechend. bin mir so sicher, dass ich irgendwas sagen werde. irgendwas von wegen… „is eigentlich alles klar zwischen uns?“ – bin ich nüchtern und bin ich auf arbeit und sind lauter leute um mich herum, fällt es mir nicht schwer den drang ihn darauf anzusprechen zu unterdrücken, aber so? .. ich weiß nicht.

 

ach blöd alles. tut mir auch leid, dass ich seit monaten kein anderes thema habe. aber irgendwie.. naja. kein platz für anderes.

 

fenza.

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