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Tag: 5. August 2018

Cause things are gonna change so fast.

Cause things are gonna change so fast.

ich weiß nicht, wie es kam, aber in letzter zeit höre ich – wie ich bereits schrieb – wieder öfter dieses lied.

 

ich weiß, dass ich in den letzten einträgen hin und wieder darüber geschrieben habe, aber es fühlt sich trotzdem so an, als hätte ich nie darüber geredet.

eigentlich sollte mich dieses lied an 2004 erinnern, als ich mit kai zusammen war. ich habe das lied damals bei ihr (damals noch „ihr“ und nicht „ihm“) auf dem rechner gefunden, und mir sagte der name „tori amos“ etwas, zumal ich wusste, dass mina sie gerne hört. da ich zu dieser zeit, als kai auch noch beim backwerk jobbte, oft allein bei ihr im zimmer im mädchenwohnheim war, stellte ich mir immer aus ihrem ganzen musikrepertoire eine playlist zusammen, in der auch immer dieses lied gewesen ist.

auch nach der beziehung zu kai habe ich immer wieder dieses lied gehört, keine ahnung warum, aber mich erinnert es immer an mina, obwohl das nicht immer so war. früher dachte ich dabei immer an köln, an kai und der zeit, in der ich unbedingt nach köln ziehen wollte. wie ich immer in der kvb saß und tagtäglich die geschäftigen leute in der bahn sah, manche im anzug, manche mit schultasche, aber alle hatten sie eines gemeinsam: sie wohnten und lebten in köln und das war etwas, was ich auch wollte.

heute denke ich gar nicht mehr da dran.

wenn ich das lied heute höre, denke ich daran, wie ich damals mina das erste mal in bielefeld besucht habe. als mina sich zu ihrem sechzehnten geburtstag von ihren eltern gewünscht hatte, diesen mit mir feiern zu dürfen und die eltern mir damals das geld für das zugticket bezahlt haben. ich denke daran, wie ich in bielefeld mit dem zug einfuhr und sie dastand, mit ihrer mutter, und einen blumenlei in der hand hielt, welchen sie mir beim aussteigen sofort umlenkte. um mich herzlich willkommen zu heißen. es war so ein richtig heißer sommertag. wir lachten noch, dass – vorallem durch den blumenlei – sich das ganze anfühlte, als würden wir irgendwo auf hawaii in einem teuren hotelresort wohnen. ich weiß noch, wie ihr zimmer damals ausgesehen hat, gelbgoldene tapete mit ein wenig stuck an der decke.

ich muss daran denken, wie wir abends zusammen spazieren gingen, um diesen einen sportplatz, und wir hatten unsere erste, ich sag mal „intimere“ unterhaltung, und sowas hatte ich fast noch nie. ich hatte schon viele beste freundinnen, aber.. es war keine im klassischen sinne, sondern es war halt die beste aller freundinnen. keine beste freundin.

 

das mit dem blumenlei, das kam mir jetzt wieder mit dem schreiben. ich hatte das ganz vergessen. musste pausen vom schreiben machen. geweint.

 

ich hatte in meinem leben schon ein paar beste freundinnen, schrieb ich ja schon. immer, wenn es mit denen irgendwie auseinanderging, entgegnete ich am ende mit trotz und stolz, um nicht zu zeigen, ob und wie mich die zurückweisung traf. ich muss auch zugeben, bei den meisten hat es mich auch nicht groß getroffen und das bisschen, das es doch tat, habe ich gut verbergen können.

und auch üblich für meine verhaltungsweise, die ich mir 30 jahre lang angeeignet und perfektioniert habe, habe ich auch bei minas abfuhr zunächst so reagiert. zumindest nach dem ersten schock. als ich damals ihren brief per einschreiben bekam, in dem sie die freundschaft beendete, war das irgendwie verstörend. nicht nur der fakt an sich, sondern auch die art und weise – was jetzt aber nicht als … „öffentlich zerreißen“ rüberkommen soll, sondern nur einfach als .. fakt in meinem tagebuch, wie ich auch seit 2002 einfach nur tagebuch über das schreibe, was mich bewegt. ich wusste, dass unsere freundschaft anders war als früher, die letzten paar jahre, seit sie in den harz gezogen war, war die freundschaft nicht mehr dieselbe, aber niemals so, dass ich sie beendet hätte. so scharf mit einem cut. ich muss auch sagen, ich war mit mina über zehn jahre befreundet und ich habe sie noch sehr lange in meinem leben gesehen, deshalb dachte ich, dass zwei jahre schlechterer kontakt nicht zum ende führen könnte, sondern dass es einfach nur eine phase unserer noch sehr lang anhaltenden, gemeinsamen geschichte sei.

ich bekam den brief an einem samstagmorgen. wir hatten schon schuhe an und waren gerade dabei, zu tobis eltern zu fahren, als der postbote kam. tobis vater hatte an diesem tag geburtstag und tobi einen tag später. wir waren also gerade dabei zu einem ganzen wochenende voller familiengeburtstage mit verwandten zu fahren. der brief war… ja, verstörend. ich öffnete ihn zwischen tür und angel und schon, als ich die initialen als absender in ihrer handschrift sah, nicht den vollen namen, wusste ich irgendwie, was kam. keine ahnung wieso ich es nun doch wusste, wo ich doch unsere freundschaft als allgegenwärtig und immerwährend empfand. zuerst nur mit verachtung, schock und komik reagiert. das konnte doch nicht wahr sein.

die nächsten 36 stunden nur funktioniert. zur doppelten geburtstagsfeier gefahren, gelacht, wenn ein verwandter einen scherz gemacht hat, gegessen, wenn es etwas zu essen gab, geredet, wenn mich jemand zu einem gespräch aufforderte. ich stand vollkommen neben mir, als ich abends an der großen tafel saß mit all den menschen, dem gelächter und der feierlaune.

als wir am nächsten tag nach hause kamen – wir hatten ja bei tobis eltern übernachtet – ist es wie so ein riesen felsen von mir abgefallen und ich habe den ganzen nachmittag und abend nur geheult.

 

bei niemandem konnte ich zugeben, wie sehr er mir fehlt. niemandem. klar, in der anfangszeit, kurz nach dem schlussmachen, okay. aber niemals hätte ich zugegeben, jahre später, dass es eigentlich immer noch genauso weh tut wie am ersten tag. selbst, als ich tobi damals die wahrheit sagte, dass ich ihm sechs jahre lang hinterher getrauert habe, schrieb ich in meiner geständnis-email, dass ich drüber hinweg sei und ihn nun endlich loslassen kann, weil ich ihn nicht mehr brauche. von oben herab. ja, 30 jahre lang an meiner abfuhr-technik gefeilt.

aber jetzt, wo wir seit drei jahren kein wort miteinander geredet haben, schäme ich mich nicht, zuzugeben, dass sie mir fehlt, als wäre sie ein stück von mir selber. es fühlt sich für mich immer noch so an, als wäre sie meine seelenverwandte. sie war und ist meine erste große liebe.

witzig ist aber, dass .. ich sie selbst in dieser entscheidung, nichts mehr mit mir zu tun haben zu wollen, irgendwie verstehen kann. ich meine, in dieser empfindung, dass es nicht mehr das gleiche ist wie früher. selbst da ist sie mir seelenverwandt, oder zumindest mache ich mir das vor, denn sie sieht es ja nicht so. ich kann es verstehen, denn auch ich trauere hier unseren anfängen nach, die letzten jahre des schlechten kontakts sind irgendwie weggeblasen. – „ich weiß nicht, ob unsere gemeinsame vergangenheit reicht, um diese freundschaft aufrechtzuerhalten“, schrieb sie. nur hier hätten sich unsere meinungen unterschieden. ich hätte „ja“ gesagt, genauso wie ich es all die jahre, die sie im harz wohnte, immer mit „ja“ beantwortet hätte, während sie unsere geschichte mit einem „nein“ beendete. wie ich bereits sagte, ich habe sie als so durch und durch in meinem leben konstant empfunden, dass ich das nur als phase gesehen habe.

 

lustig. als ich tobi damals so vermisst habe, so richtig hardcore vermisst, als wäre ich nicht mehr ich selber, fühlte es sich für mich so an, als hätte es ihn gar nicht gegeben. als wäre das alles nur irgendwie eine einbildung gewesen. wenn ich an mina denke, fühlt es sich an, als wäre sie tot. das sage ich nicht mit einem hasserfüllten ton ala: „du bist für mich gestorben!“, sondern .. es fühlt sich an, als trauere ich um eine verstorbene. sie ist einfach weg, es fühlt sich an, als wäre sie gestorben und komme nie wieder zurück.

 

tja. so ist es. cause things are gonna change so fast.

 

hat ja wunderbar geklappt, sich auf heiler zu konzentrieren.

 

suzaku

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