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Tag: 13. Januar 2021

Menschen kommen und gehen, und manchmal hinterlassen sie etwas.

Menschen kommen und gehen, und manchmal hinterlassen sie etwas.

es ist 14.44 und ich bin schon zuhause, sitze im wohnzimmer und es läuft „your song“ von moulin rouge.

der arbeitstag heute war eigentlich recht gechillt, die projekte, die ich zur zeit bearbeite, entpuppen sich zur abwechslung mal alle als etwas kleineres als zunächst angenommen. ich genieße es, solange es währt.

und da ich diese woche sowieso nicht auf überstunden gesetzt bin und nur meine reguläre arbeitszeit arbeiten darf, habe ich heute pünktlich um kurz nach zwei feierabend gemacht, ich bin noch schnell im anschluss zu unserem bäcker beim e-center gefahren und habe zwei brezeln und einen berliner für tobi mitgenommen. der marmorkuchen, der da stand, hat mich irgendwie angelacht und heute habe ich auch schon den ganzen tag hunger, also habe ich da auch ein stückchen mitgenommen und gerade die hälfte davon gegessen. ich habe fast ein schlechtes gewissen, aber für mich gibt es heute eh nur noch suppe, also passt das schon. die verkäuferinnen beim bäcker fanden meinen mundschutz schön und haben gefragt, wo ich den gekauft hätte. alle meine mundschutze habe ich selber genäht, sie wollten gleich wissen, ob der schöne glitzerstoff von einem alten kleid seien, das ich nicht mehr tragen würde. – „nee, den habe ich bei amazon bestellt. was soll man schon großartiges machen, wenn man nur zuhause hockt, da kann ich auch mundschutze nähen“, gelacht haben wir alle und uns gegenseitig einen schönen nachmittag gewünscht. um ehrlich zu sein, bin ich fast am überlegen, ob ich denen das nächste mal mundschutze mitbringe, ich hab noch so viele. schenken macht mehr spaß als beschenkt zu werden.

nur kleinigkeiten, aber trotzdem irgendwie erwähnenswert, für mich. ich lese gerade solche nichtigkeiten, irgendwann mal in ein paar jahren, wenn ich wieder über diese einträge blättere, sehr gerne.

als ich in der dritten klasse war, hatten wir eine neue mitschülerin. jenny. ich weiß nicht wieso, aber ich habe die vom ersten moment an irgendwie geliebt, es gibt so menschen, die mag man einfach ungemein. einfach so, obwohl man sie gar nicht kennt, die müssen auch gar nicht viel tun, man sieht sie und weiß, dass man sie liebt. sie war nur in der dritten klasse bei uns in der grundschule, danach ist sie mit ihrer familie ein paar orte weiter weggezogen und ich habe sie die ganze vierte klasse über vermisst und ihr ständig briefe geschrieben. in der fünften klasse, für die realschule, da waren wir wieder zusammen in einer klasse, da alle kinder sämtlicher ortschaften auf diese eine schule gingen.

ich musste gerade an sie denken, denn ihr lieblingsfilm war immer „moulin rouge“. irgendwie sehe ich noch ihr zimmer vor mir, ich war ein einziges mal bei ihr zum übernachten, in dem neuen haus, diese eine ortschaft weiter. das war was ganz besonderes, mit dem bus so weit wegfahren, alleine, und dann da übernachten. sie war es auch, mit der ich damals auf mein erstes backstreet boys konzert gegangen bin, jahre später. nach der dritten klasse, obwohl wir wieder klassenkameradinnen waren, war es nie wieder so, irgendwie hatten wir uns „auseinandergelebt“, und das war auch in ordnung. wir hatten dieses eine kurze „revival“, als wir in der siebten zusammen zu bsb gefahren sind. seit meiner krassen bsb-manie in den letzten zwei jahren… da habe ich nur ganz selten mal an sie gedacht, obwohl sie zum teil auch dazu beigetragen hatte, warum ich bsb fan wurde. ich habe damals alle artikel über die jungs aus der bravo für sie ausgeschnitten und mir dann auch alles über diese boygroup durchgelesen, das war so mein erstes ding, als ich anfing, mich für die gruppe zu interessieren. und später, da waren sie mal bei viva interaktiv, und ab da war es dann um mich geschehen.

ich muss schmunzeln, wenn ich mir heute vorstelle, wie sie reagieren würde, wenn ich ihr erzählen würde, dass .. kevin mich ‚kennt‘. weiß, wer ich bin, meinen namen kennt, mich grüßt, sich meine sachen anguckt, sich für mich interessiert. ich habe leider keinen kontakt mehr zu ihr, aber.. ich glaube, bis auf diesen netten moment, in dem ich ihr das erzählen würde, .. da gäbe es nichts, was uns mehr verbinden würde. aber das. das würde es.

das wiederum erinnert mich an marco, der, mit dem ich mal was hatte. aus einem insider heraus hat er mich als kind mal „geschirrtuch“ genannt und.. das hatte er komplett vergessen. als wir uns jahre später wieder begegnet sind, habe ich ihm das erzählt und er konnte sich auch dann nicht mehr dran erinnern. ich fand den gedanken lustig, dass.. eine sache, ein moment, eine begegnung menschen verbindet und… wenn diese sache, dieser moment, diese begegnung vergessen wird, von beiden, dann ist es, als hätte es nie stattgefunden. wenn es ihn nicht mehr gäbe, wenn es mich nicht mehr gäbe, dann ist es, als ob es uns und diesen moment nie gegeben hätte.

menschen kommen und gehen und manchmal hinterlassen sie etwas. und wenn es nur gedanken an moulin rouge oder an geschirrtuch-insider sind. aber trotzdem bringen einen all die kleinen momente zum lächeln. und das ist das einzige, was man mitnehmen kann.

früher.. da habe ich mich immer gefragt, warum das so ist. warum menschen nur wegbegleiter auf zeit sind, zumindest für mich. für mich war das bisher immer so. ich kenne fast keinen menschen, der mich schon mein leben lang begleitet und mit „begleitet“ meine ich.. jemanden, der irgendwie einen einfluss auf mich hat. ich glaube, da gibts echt gar keinen. ich kenne außerhalb meiner eltern und meinem bruder nur eine einzige person, die ich „schon immer“ kenne, aber .. selbst die hat keinen großen effekt auf mich.

ich war schon immer so und ich wusste das auch immer von mir selbst, aber menschen.. begeistern mich, verzaubern mich, beeinflussen mich und .. irgendwann nicht mehr. dann gibt es nichts mehr, was sie mir noch geben können und nichts mehr, was ich ihnen noch geben kann. ich habe mich immer gefragt, warum das ist, warum ich niemanden „halten“ kann, ich meine.. für zehn, zwanzig, dreißig jahre, warum .. dieser .. verschleiß? .. warum bleibt nie jemand länger? (und ja, auch bei tobi frage ich mich das regelmäßig, also.. wie lange er mich begleiten wird…)

aber „warum“ war schon immer die falsche frage. „wozu“ ist die richtige frage. wozu.

weil ich es so brauche. ich brauche menschen nicht für immer. ich brauche die erfahrung, ich brauche das wachsen und die weiterentwicklung und wenn mir der mensch nichts mehr bietet, an dem ich wachsen kann, ist er mir auch nicht mehr dienlich. und ich ihm auch nicht mehr. es klingt.. strategisch und .. gemein, egoistisch, ich hatte erst neulich drüber geschrieben. aber ich meine es nicht böse, denn.. das beruht auf gegenseitigkeit. menschen brauchen mich auch nicht für immer. zumindest ist das meine innere überzeugung, nicht aus irgendwelchen komplexen oder einem niedrigen selbstwertgefühl, ich sage das mit vollkommen ruhigem gewissen, zufrieden, glücklich, seelenruhig.

ich dachte immer, ich hätte vieles verstanden, hätte mich verstanden, habe ich aber nicht. und plötzlich ergibt alles irgendwie einen sinn.

ich weiß, dass diese aussage nun krass klingt, aber ich kann nur beschreiben, wie ich es empfinde und für mich fühlt es sich jetzt so an, als hätte ich .. den zweck meines lebens erfüllt. und alles, was jetzt noch kommt, ist nur bonus. den film habe ich zu ende gesehen und nun schaue ich noch den abspann an.

es fühlt sich so an, als hätte ich alles erledigt, was ich erledigen wollte, ich hätte alles rausgefunden, was ich rausfinden musste, ich habe die tränen geweint, die ich hatte weinen müssen und so viel gelacht, wie ich lachen sollte. alles, was ab jetzt kommt, ist bereicherung, die schön ist, aber dieses .. brennende gefühl von: „das muss ich noch gemacht haben, da muss ich noch gewesen sein, das kann es noch nicht gewesen sein!“, das ist .. weg. man mag meinen, dass, wenn man sein „ziel“ erreicht hat, die unzufriedenheit kommt, weil es da nichts mehr gibt, dem man hinterhereifern kann, aber.. das gegenteil ist der fall. ich fühle eine unendliche zufriedenheit, ein glücklichsein und eine unglaubliche ruhe wie noch niemals in meinem leben. ich empfinde alles, was jetzt noch kommt, als geschenk.

menschen kommen und gehen, und manchmal hinterlassen sie etwas.

und sein zweck war es, mir das zu hinterlassen. diese ruhe. dieses unendliche gefühl von heimat und angekommen sein. von zufriedenheit. und liebe.

keine liebe von jemand anderem, sondern einfach.. von einem selbst heraus.

mehr für heute nicht, tobi macht gleich feierabend. kochen muss ich zum glück ja nicht mehr. gibt dann einen gemütlichen fernsehabend, wie immer.

suzaku

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