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Tag: 19. Juli 2022

Kaffee, Tagebuch, schlafen.

Kaffee, Tagebuch, schlafen.

kaffee. das ist das einzige, was ich zu mir nehmen kann. mag. ich merke öfter am tag, wie mein bauch leer ist und der magen knurrt, aber beim gedanken an essen oder gar trinken kommt mirs kalte kotzen. kaffee mit meiner milamilch, zu allem anderen muss ich mich zwingen. sogar der sushimann scheint mir nicht mehr so attraktiv wie vor ein paar tagen noch.

je mehr zeit vergeht, desto mehr verschlucken sich die tränen. gestern habe ich nur einmal geweint und das auch nur, weil ich mich dazu gezwungen habe. in der annahme, mir gehts dann besser. tuts nicht. wenn ich weinen will, dann muss ich mich schon richtig anstrengen und mich reinsteigern, und dann ist es auch nicht so, dass es einfach fließt, die tränen und der schmerz, nein, dann muss ich jeden tropfen schon gewaltsam rauspressen. also sitze ich einfach nur da mit meinem resting bitch face.

ich bin auf arbeit. gerade habe ich so ein loch, in dem ich nichts machen kann. ich habe nur wenig arbeit bekommen, damit ich nicht gleich wieder zusammenklappe. habe fünf projekte, was erstmal nach viel klingt, aber die meisten ruhen bzw. da muss nur ein kleines dokument ausgefüllt werden.

der nasenbohrer ist der einzige, der mich darauf angesprochen hat. mit dem affen habe ich ja schon auf whatsapp geschrieben, der hatte bereits letzte woche gefragt, ob man denn wissen dürfe, warum ich neulich so schnell von der arbeit gegangen bin. das ist eigentlich der einzige, der relativ „normal“ mit mir umgeht. alles andere würde ihn auch überfordern, weil er von der, ich sag mal „reife“ her nicht der aller…. reifste ist? .. keine ahnung, ihr wisst, was ich meine. tut aber gut, so einen buddy zu haben.

ich bin heute morgen reingelaufen und hab mich gewundert, wie es wohl sein würde, aber eigentlich ging mir alles am arsch vorbei. meine neue realität, das lmaa-level hat eine neue stufe erreicht. als ich meine tasche abgestellt hatte, sah ich auf meinem rollcontainer die taschentücher, die ich letzte woche, bevor ich gegangen bin, vollgerotzt hatte, nachdem ich die tränen unterdrückte. hatte ich längst vergessen. affe und mein gruppenleiter waren schon da, und ein paar zeichner hinter der trennwand, die aufgrund dieser nicht „zählen“. ein anderer kollege, der schräg hinter mir sitzt, kam fünf minuten nach mir. hat mir einen guten morgen gewünscht und mehr nicht. seither sitzt er einfach nur da und arbeitet und tut krampfhaft so, als wäre nix (obwohl der mich normalerweise auch viele sachen fragt). was aber auch okay ist. ein bisschen später kam nasenbohrer und hat mich beim begrüßen angelächelt. ich hatte kopfhörer auf und habe musik gehört. nach ein paar minuten hat er ein handzeichen gemacht, ob ich telefonieren würde, ich legte die kopfhörer ab, er kam mit seinem stuhl rübergerollt, hob mir die hand hin und hat sein beileid ausgesprochen. ich hab müde gelächelt, was viel mehr einfach nur die mundwinkel nach oben ziehen als ein lächeln war, und hab genickt. zu einem „danke“ konnte ich mich nicht aufraffen, weil ich nicht weiß, in welchem ton ich es sagen soll. traurig. neutral. lächelnd. keine ahnung. er hat gefragt, ob es nun überraschend kam oder absehbar war. ich habe ihm kurz den krankheitsverlauf der letzten sechs monate geschildert, ich habe gemerkt, wie der affe neugierig guckte. ich habe dann nach einer weile – die dauer der konversation über meinen vater, die ich für ausreichend hielt, um den anstand zu wahren – das thema umgeschwenkt auf: „und du bist auch wieder da?“ er war ja wegen einem depressionsrückfall die letzten wochen krank geschrieben. er bot an, dass er mir die geschichte über seine abwesenheit außerhalb des büros erzählt, da „hier nicht alle mithören müssen“, so sagte er, also sind wir rausgegangen und wir haben uns über seine verfassung die letzte zeit unterhalten. „wenn du jemanden zum reden brauchst, kannst du jederzeit zu mir kommen, so ein bisschen kennst du mich ja jetzt auch“, hat er zwei-, dreimal gesagt. mehr als ein „das ist lieb“ kam wieder nicht. am liebsten hätte ich gesagt: „mach ich eh nicht, weil ich mit niemandem rede“, aber .. sowas sagt man ja nicht.

ganz ehrlich? ich hätte nie gedacht, dass ich mal so reagiere. schon wieder so ein „hätte ich nie gedacht“-satz, bringe ich ja öfter im tb. die ersten tage wars schrecklich, jetzt bin ich wie versteinert, wobei das auch der falsche begriff ist. ich fühle mich nicht mal in schock oder .. keine ahnung, es fühlt sich auch nicht wie aktive verdrängung oder leere an, sondern.. ich bin einfach … da. ich sitze jetzt halt hier, so isses halt. ich merke aber, wie sich die trauer andere wege sucht. ich habe immer wieder so phasen, in denen ich so müde bin, dass ich es fast nicht schaffe auch nur den arm zu heben. generell die arme sind das schlimmste, die fühlen sich an wie tausend tonnen. ich lag die tage öfter mal auf der couch und es hat sich fast angefühlt wie fieber oder so, also ich habe nicht geschwitzt, aber ich habe mich genauso krank und am arsch gefühlt.

ich habe mir notizen gemacht für tagebucheinträge. immer mal wieder fiel mir etwas ein, das ich noch erwähnen wollte. aber das meiste ist irgendetwas emotionales. sollte ich vielleicht schreiben, wenn ich emotional bin. mal sehen, wann das wieder ist. nur zwei sachen könnte ich erwähnen, die ich auch mit harter miene sagen kann. wobei ich zumindest bei dem einen auch nicht weiß, wieso ich das erwähnen wollte, aber .. ich hab den lead übernommen. bei der ganzen organisation um bestattung, zimmerauflösung, behördengänge etc., da hab ich den lead übernommen. ich trage meinem bruder und meiner mutter auf, was genau sie wann zu erledigen haben.

letzte woche am freitag haben wir den baum für die bestattung ausgesucht. ist auch so eine notiz, über die ich noch schreiben wollte. hinterher saßen mein bruder, meine mutter und ich noch zusammen am haupteingang des waldfriedhofs und waren emotional zerbröselt. ich nahm mein handy raus und meinte sachlich: „ich hab noch ein paar organisatorische dinge, die wir besprechen sollten“, und fing an nüchtern sachen anzusprechen, die geklärt werden mussten. ich glaube, das war der erste auftritt meiner harten miene, die jetzt überhand genommen hat. ich empfand meinen bruder eigentlich nie als sonderlich… sanft oder schwach. nicht so hart wie ich, ja ok, aber .. hm, nicht zerbrechlich. liegt aber vermutlich da dran, dass ich mir nie gedanken darüber gemacht habe. jetzt muss ich aber sagen, fällt mir erst auf, dass er wirklich sanfter ist als ich. also ich wurde immer als derjenige betitelt, der quasi einen arsch in der hose hat und einfach „friss oder stirb“-mäßig die scheiße durchzieht, wenns eine scheiße zum durchziehen gab. aber halt weil ich härter bin als der durchschnitt, nicht weil mein bruder sanfter wäre. und ich muss sagen, der moment, bevor mein bruder und ich das zimmer meines vaters betraten, nachdem er verstorben war, und mein bruder zögerte, sich zu mir drehte und sagte: „ich will das echt nicht“, das ist so .. repräsentativ für genau das, was ich meine. „dein vater hat immer gesagt, es wäre schöner gewesen, wärst du ein junge geworden und dein bruder ein mädchen“, meinte meine mutter am wochenende. – „wieso das denn?“ – „würde viel mehr passen, du bist so knallhart und dein bruder ist der sanfte typ.“ hm.

muss aber sagen, die deckelung meiner gefühle finde ich gar nicht so schlecht und genieße ich auch. sofern man da überhaupt irgendwie von „genuss“ sprechen kann. ich weiß, dass das mit voller wucht irgendwann zurück kommen kann und wird, aber dann ist das halt so.

jetzt weiß ich nicht, was ich sonst noch erzählen soll.

 

—-

 

15:53. nachmittags auf der couch. ich habe um halb drei feierabend gemacht. ich wollte früher gehen, habe aber noch eine skizze erstellt für morgen, damit einer der verkäufer mit dem kunden über das projekt diskutieren kann.

kaffee, tagebuch, schlafen. das sind die einzigen dinge, zu denen ich mich aufraffen kann. kaffee, tagebuch, schlafen, kaffee, tagebuch, schlafen.

ich bin nach hause gekommen und das paket, das ich am wochenende bestellt habe, ist angekommen. ein schwarze tüte von only. das kleid für die bestattung. ich sage lieber „beerdigung“, auch wenn es keine ist. beerdigung wäre ja klassisch mit sarg. allerdings finde ich den begriff „bestattung“ so .. verharmlosend, keine ahnung. ich empfinde, als wäre das der „schon-begriff“, weil man sich das echte wort nicht zu sagen traut. das ist wie „er ist gegangen“ oder „er ist eingeschlafen“. nein. er ist gestorben. tot. nicht gegangen oder eingeschlafen. das erinnert mich an ein interview, das ich vor einer weile mal gesehen habe, mit leeroy auf youtube. da trafen pädophiler und missbrauchsopfer aufeinander. letztere sagte: „das heißt nicht ‚kinder missbrauchen‘, nein, kleine kinder werden ‚gefickt‘.“

das kleid ist schön. ich finde, es ist ein typisches beerdigungskleid. findet tobi auch. ich werde in chucks gehen. als ob das meinen vater interessiert hätte, was ich für schuhe trage. und als ob mich interessieren würde, was andere über meine schuhe denken. sollten sie überhaupt was denken. ich würde in dem zusammenhang auch so gerne über meine ‚tante‘ schreiben, aber ich habe so viel abscheu dieser person gegenüber, jetzt noch mehr, nachdem meine mutter und ich so viel geredet und wir beide so viele sachen gehört haben, die wir nicht voneinander wussten. aber ich möchte diesem ganzen hier keinen raum dafür geben. das ist – und ich komme schon wieder auf missbrauch zurück – wie wenn man nur über den sexualstraftäter spricht, anstatt über das opfer, auch wenn der vergleich natürlich übelst krass ist. aber ich kann mittlerweile verstehen, warum viele so denken. konnt ich früher nich so.

ich hatte kurz überlegt, nicht wirklich in erwägung gezogen, aber überlegt, mein schwarzes kleid anzuziehen, das ich vor vielen jahren gekauft und im schrank hängen habe. es ist ein etwas festlicheres kleid. ich hatte das zum 30. geburtstag meines bruders an. mir kam dann in den sinn, dass mein vater das hemd, mit dem er nun verbrannt wurde, an genau dem gleichen tag trug. er das hemd, ich das kleid.

ich wünschte, ich könnte diese einträge emotionaler schreiben. und ich merke auch, dass ich … nicht ganz machtlos bin, was meine gefühle angeht. vorher das beerdigungskleid anprobiert. habe geweint bei dem gedanken, dass ich das kleid für die beerdigung meines vaters gekauft habe. ich merke jedoch, dass ich macht über meine emotionen habe. wie eine schublade, ich kann selbst entscheiden, ob ich sie aufmache oder nicht. und ich muss sagen, es fällt mir weder besonders schwer sie zu öffnen, noch sie zu schließen. aber sie geschlossen zu halten, das fühlt sich angenehmer an. ich merke, dass mir das resting bitch face ziemlich gut zusagt. also nicht, dass es sich gut anfühlt, es fühlt sich überhaupt gar nichts gut an. aber ich merke, dass … meine fresse einfach runterzuziehen oder böse zu gucken einfach irgendwie.. passt. es ist wie so eine form oder ein kleidungsstück, ein straffes kleid oder eine corsage, die gerade wie angegossen passt. natürlich würde eine jogginghose genauso passen und vielleicht bequemer sein, aber die corsage.. gibt halt. ich glaube, das beschreibt es perfekt. das resting bitch face gibt mir halt. genauso wie es auch irgendwo das essen tut, oder viel mehr das nicht-essen. das war damals .. ähnlich. da war zwar die emotionale komponente eine andere, aber damals, als das mit dem hungern weiter fortschritt und man deutlich das unangenehme magengrummeln spürte, hätte man auch einfach.. abbrechen und was essen können, aber.. das nicht-essen fühlt sich einfach nach etwas an, das struktur und halt gibt.

 

die meiste zeit vergesse ich irgendwie, warum ich eigentlich traurig bin. also nicht vergessen, aber es ist einem nicht so richtig bewusst. oder doch? .. keine ahnung. aber man merkt einfach, dass etwas anders ist, dass etwas schwerer und schlimmer ist, aber es ist nicht so, dass ich permanent jede wache sekunde an irgendeine erinnerung mit meinem vater denke. und selbst, wenn ich daran denke, ist es auch nicht so, dass mir dann die tränen kommen, nein, ich denke dann halt einfach dran und fertig. es berührt mich oft gar nicht, weil .. der schalter wie ausgeknipst ist. und da wären wir wieder bei der macht. ich kann den schalter schon umlegen, aber … ihn ausgeknipst zu lassen fühlt sich einfach… passender an. ich weiß nüchtern betrachtet, dass das alles.. nicht so gute tendenzen sind, dieses emotionen wegknipsen und nichts zu essen, aber hey. mein vater ist letzte woche gestorben und ich habe ihn noch nicht mal beerdigt. vielleicht darf ich mir noch ein bisschen ungesunde scheiße gönnen. yolo. höhö.

 

mal auf die notizen gucken. vielleicht ist noch was spannendes dabei, über das ich schreiben kann.

„lieblingsoberteile“ habe ich aufgeschrieben. als ich letzte woche bei meinem vater war, als er noch lebendig war, da trug ich eins meiner lieblingsoberteile. das schwarz-rosa-gestreifte stretchding. das hatte ich auch damals im hotel in warschau an, als ich so versteinert war, als kevin des weges entlangkam. am nächsten tag, als ich meinen vater dann tot gesehen habe, da trug ich diese schwarz-weiße tunika aus bangkok. gehört auch zu meinen lieblingen. beide habe ich am wochenende gewaschen. sind beides sachen, die ich nicht bügeln muss. ich holte die oberteile noch feucht aus der waschmaschine, um sie aufzuhängen. als ich danach griff und beides in einer hand hielt, fiel mir auf, dass ich nun das letzte weggewaschen hatte, was noch „übrig“ war. mit dem hab ich zuletzt meinen vater berührt. bestimmt war noch etwas von ihm auf meinen shirts. nachdem sie am abend getrocknet am wäscheständer hingen und ich sie abmachen wollte, um sie für den nächsten tag bereitzulegen, um sie anzuziehen (wie gesagt, ein paar der wenigen teile, die ich nicht bügeln muss), schreckte ich irgendwie zurück. ich mag das nicht tragen. und ich habe mich gefragt, ob ich die beiden sachen je wieder anziehen möchte.

 

mein gesicht tut weh. es ist wie wenn man einen schönen abend mit freunden hat und so viel lachen muss, dass einem die wangen schmerzen, nur umgekehrt. dabei fühlt sich die fresse, die ich runterziehe, eigentlich gar nicht so an, als müsste ich mich dafür anstrengen.

wie war eigentlich der restliche arbeitstag vollends? – man hat deutlich gemerkt, dass der nasenbohrer alles versucht hat, sich um mich zu kümmern. er hat mich zum kaffee einladen wollen, hat mich zu so einem neuen automaten nähe der fertigungshalle geschleift. hat er noch nie gemacht. habe aber nichts getrunken. kaffee trinke ich nur mit pflanzenmilch, gibt nur laktose am automaten. und bei schwarz muss ich kotzen. war trotzdem eine liebe geste. hätte zuckrigen apfeltee trinken können. dachte sofort an die kalorien. macht. nicht nur über die emotionen, auch über das essen.

ein arbeitskollege, ein konstrukteur, den ich selten in echt sehe, weil er in einem anderen standort arbeitet, aber mit dem ich sehr viel zu tun habe und auch entsprechend eng bin mit, hat auch sein beileid ausgesprochen. das ist einer derer, weshalb ich damals doch den kuchen mitgebracht habe. seither schwärmt er für den derby pie, weiß aber nicht, dass es der derby pie ist. er nennt ihn immer nur „den leckeren whiskykuchen“. ich habe am morgen schon versucht ihn wegen eines projektes zu erreichen, aber verpasst. als er zurückrief, war ich gerade auf dem klo. ständig haben wir uns heute versäumt. gegen mittagspause dann doch erreicht. er rief mich, nachdem ich ihn mal wieder fünf minuten zuvor verpasst hatte, zurück. ich ging relativ locker, gefasst, hin und sagte: „bonjour!“, weil wir uns immer in unterschiedlichen sprachen begrüßen. ist so ein insider. er erwiderte mein „bonjour“, aber mit einem traurigen unterton und da war mir schon klar, dass er es wusste. eine kurze sekunde hielt ich inne, bis ich dann lockerflockig etwas zu meinem projekt sagen wollte. wir begannen gleichzeitig zu sprechen, ich ließ ihm den vortritt und fragte: „ja?“ – „zu allererst möchte ich mein tiefstes beileid aussprechen.“ man hörte deutlich die schwere in der stimme. verblüfft antwortete ich: „woher weißt du das denn schon wieder?“, ich glaube, es klang wie so ein typisches stammtisch-gealber. stockend meinte er: „ich hab gerade mit deinem kollegen telefoniert, der hat es mir erzählt. ich hoffe, das war okay… als du angerufen hast, hab ich witzelnd gesagt: ‚oh die suza ruft mich gerade an, da muss ich jetzt aber ganz schnell hingehen, die hab ich schon den ganzen tag verpasst.‘ dein kollege meinte, ich soll nett zu dir sein und ein bisschen rücksicht nehmen, weil..“ – ich kann mich nicht mehr daran erinnern, ob er überhaupt die begründung genannt hatte. ich weiß, dass er weder „tot“, noch „gestorben“ oder „vater“ gesagt hat. vielleicht sprach er auch einfach nur von „letzter woche“, ich weiß nicht mehr. ich hab ihn relativ schnell abgewürgt und von meinem projekt angefangen zu reden, was mir während des ganzen gesprächs dann irgendwie leid tat. es ist nicht, dass ich nicht ertragen würde, mit anderen darüber zu reden, es ist viel mehr, dass ich nicht weiß, ob die anderen es ertragen. und bevor ich ihnen etwas zumute, wechsle ich lieber das thema. nicht, weil ich es nicht aushalte, ihnen etwas zuzumuten, sondern weil ich nicht die notwendigkeit darin sehe, es zu tun. ich muss mit keinem darüber reden, es bringt mir nämlich nichts. trotzdem will ich aber gleichzeitig den anderen auch nicht vermitteln, dass … ich so zerbrochen bin oder dass sie mir weh getan hätten, indem sie mich darauf ansprechen. darum auch das schlechte gewissen während der unterhaltung über das gemeinsame projekt. ich habe ihm hinterher im teams geschrieben: „wollte dich übrigens nicht abwürgen vorhin wegen meinem papa. danke dir. <3“ – er schrieb: „schon okay, ich habe mich nicht abgewürgt gefühlt. ich rede immer gerne mit dir.“

das waren die einzigen menschen, die mich heute darauf angesprochen haben. der rest tat so, als wäre nichts. und wieder andere wussten es auch einfach nicht, nehme ich an. ich weiß nur, dass es meine gruppe und somit auch meine abteilung weiß, weil die sogar eine teams-besprechung über mich hatten. hat mir der affe erzählt. keine ahnung, wohin sie es noch hinvertratscht haben, aber die kollegen, mit denen ich sonst geschäftlich zu tun habe, arbeiten alle an jeweils unterschiedlichen standorten. über so viele kilometer hinweg wird es sich nicht erstreckt haben, denke ich. (außer bei dem einen, wie man merkt.)

 

meine tagebuchnotizen angeschaut. nichts davon kann ich tippen, wenn ich so .. gedeckelt bin wie jetzt. oder doch, vielleicht noch eines. als wir im altersheim waren und meine mutter auf anraten von tobis mutter kleidung für meinen vater raussuchte, mit der er verbrannt wird, suchte sie socken aus. irgendwelche schwarze socken waren es. der gedanke, dass diese socken jetzt schon nicht mehr existieren, hat mich innerlich gerade irgendwie komischerweise zum schmunzeln gebracht. meine mutter reichte alles meinem bruder, während sie im schrank weiterkramte. mein bruder lächelte verblüfft, wir – tobi, seine eltern, meine mutter und ich – schauten zu ihm auf, er hielt die socken hoch und meinte: „tuesday.“ auf den socken stand tuesday. am dienstag, seinem todestag.

 

mehr nicht.

suzaku

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