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Monat: Januar 2023

Unrealistisch.

Unrealistisch.

seit der backstreet boys tour bin ich ganz weit weg vom tod meines vaters. ich hab für die tour und auch für das schwarze loch alles ausgeblendet, ich wollte einfach mal nach der ganzen scheiße was genießen, party machen, mein leben leben. und irgendwie habe ich mir durch diese zeit angewöhnt, es irgendwie „verlernt“, an meinen vater zu denken und zu .. trauern. seitdem ist es für mich eher so total … „ja, jetzt isser halt tot *schulter zuck*“, was ich selber irgendwie schockierend finde, wie gut ich das abspalten konnte.

ich hätte ja jetzt gerne geschrieben: „aber manchmal kommt so ein kleiner moment, da realisiert man, dass das jetzt wirklich alles passiert ist und dass er wirklich tot ist“, aber nee. der kommt nicht manchmal. der kommt irgendwie gar nicht. wenn überhaupt, dann kommt ein kleiner, zarter lufthauch dessen, gerade mal so wenig, um vielleicht grad mal ein schatten eines „manchmals“ zu sein.

was ich erst jetzt irgendwie richtig nachvollziehen kann, ist, dass man irgendwann nicht mehr glaubt, dass derjenige tot ist. also man weiß es zwar, aber .. es fühlt sich gar nicht so an. es fühlt sich einfach so an, als wäre derjenige eben grad weg. mal hart gesagt, wenn ich daheim bin oder auf arbeit oder so, bekomme ich im alltäglichen leben ja gar nicht mit, ob mein vater jetzt im altersheim oder auf dem friedhof liegt. für mich fühlt sich mein leben ja genauso an wie vorher. und deshalb vergisst man auch irgendwie, dass das alles passiert ist. ich hab das früher nie verstanden, wenn angehörige sowas gesagt haben, weil ich mir immer dachte: „ja, ihr habt doch gesehen, dass er tot ist!?“, vorausgesetzt man hatte die chance dazu. aber der mensch ist echt ein super dummes, vergessliches wesen. man realisiert es nur so lange, wie man vor dem toten körper sitzt und die kalte hand anfasst. und wenn das alles verschwunden ist, wenn die leiche eingeäschert, vergraben, weg ist, dann .. fühlt sichs wieder so an, als wäre derjenige einfach in einem anderen zimmer, auf arbeit, im urlaub, gerade nicht da.

das einzige, was mir das so ein bisschen … so EIN BISSCHEN wieder ins bewusstsein holt, ist, wenn ich daran denke, dass ich jetzt 37 bin und mein vater tot ist. wenn ich daran denke, was ich (hoffentlich) noch alles vor mir habe. mein 40. geburtstag, mein 50. geburtstag usw., so viele sachen, wie ich vielleicht mal in rente bin oder doch mal noch heirate oder wie meine mutter stirbt, wie meine nichten erwachsen geworden sind, wenn ich vielleicht selber mal im altersheim liege und mir denke: „nun ist er schon so viele jahre lang tot.“ das ist das einzige, was es so ein bisschen realistisch werden lässt.

morgen hätte er geburtstag gehabt und selbst das holt es mir nicht ins gedächtnis zurück. ich glaube auch, weil ich gefühlt so ziemlich gar nichts mehr von meinem vater habe. ich habe ein video auf dem handy, das kurz vor seinem tod aufgenommen wurde, und … wenn ich es hochrechne, dann vielleicht so… 30 bilder. alles ist irgendwo .. verstreut, verloren, kaputt, weggeschmissen, bei umzügen, ausrastern von meiner mutter, sonst irgendwas. in chaotischen familien hat man vieles nicht. da gibts nicht solche sachen wie ein… buch zur geburt mit der ersten haarsträhne oder sprüchen wie: „mein kleiner schatz, du bist um soundsoviel uhr geboren und dein erstes wort war dies und das.“ sowas hab ich nicht. in meiner familie fliegt das erste babyfoto irgendwo zwischen der bedienungsanleitung einer waschmaschine, die man seit 1995 schon nicht mehr hat, und der letzten gasrechnung in einem schuhkarton rum, wo auch schon der deckel fehlt.

hmmm.

suzaku

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