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Month: März 2023

Verschwende deine Zeit.

Verschwende deine Zeit.

heute morgen hat der affe während der arbeitszeit irgendwelche papiere überflogen, verträge. das war nichts, was mit der arbeit zu tun hat. ich weiß, dass er öfter irgendwelche verträge und erledigungen während der arbeitszeit macht, die mit seinen wohnungen zu tun haben. der affe hat vor ein paar jahren wohnungen gekauft, die er vermietet, als altersvorsorge. dazu muss ich sagen, dass der affe nach wie vor … hm, ich will das nicht so böse ausdrücken, aber so wie ich ihn einschätze, kriegt der wahnsinnig viel unterstützung von mama und papa, also der wirkt mir nach wie vor sehr unselbstständig, wenig entscheidungsfreudig und vielleicht auch etwas naiv. das ganze wird wahrscheinlich noch dadurch betont, dass er mit 30 immer noch daheim in seinem kinderzimmer wohnt.

 

mich triggert das. in zweierlei hinsicht. einmal the same old theme, dass ich es tief in mir drinnen immer noch „unfair“ finde, dass andere menschen mit so tollen eltern und einem super geebneten start ins leben begleitet werden, finanziell abgesichert, unterstützt in allerlei hinsichten. und ich hatte eltern, die rufen mich an, weil ihr pavillon auf die straße fliegt und ich soll mal bitte schnell 20 km hergefahren kommen, um das ding vom asphalt zu sammeln. oder die jahrelang einen total unsinnig gekauften hund in die tierpension geben, weil sie ja immer noch denken, sie würden irgendwann auswandern. oder einen auf der arbeit anrufen, weil sie irgendwo am arsch der welt (weit weg von dir) in einem impfzentrum stehen, alle impfunterlagen zuhause (auch weit weg von dir) vergessen und du jetzt irgendwie … das wunder herbeizaubern sollst. via telefon. und wehe du kannst das nicht.

und zum anderen triggert mich das, weil ich mir denke: „oh gott, oh gott, du hast nichts gekauft. du hast keine wohnung, die du vermietest, kein eigentumshaus, in dem du wohnst, du wirst irgendwann mal pfandflaschen sammeln und alle entscheidungen tief bereuen.“ und dann versuche ich halblebig mir schnell irgendwie wissen über immobilienkauf reinzuprügeln, das mich tief im innern null komma gar nicht interessiert und mich noch dazu total aufregt, weil ich keinen tollen papa oder eine tolle mama habe, die mir das in mundgerechte stücke aufm silbertablett servieren, wo ich nur noch mir das während meiner arbeitszeit durchlesen und meine unterschrift setzen muss. und zur not haften eh meine eltern.

und so hat also der affe heute morgen irgendwelche schlauen papiere durchgesehen, die mich mal wieder einmal mehr dazu gebracht haben, ganz schnell auf dem smartphone irgendeine tolle altersvorsorge während der arbeit zwischen tür und angel zu ergooglen.

 

dabei bin ich über ein buch gestolpert. die with zero von bill perkins. hab ich nie gelesen. hab auch gerade nur einen kleinen bericht darüber überflogen. im wesentlichen geht es darum, dass dieser typ in seinem buch aufzeigt, weshalb es „unsinnig“ ist, viel geld auf die seite zu legen und ständig zu sparen, vorallem, wenn man sich selber in seiner jugend deshalb „beschneiden“ muss.

dieser bericht, den ich da gelesen habe, .. der hat mich jetzt eigentlich nicht dazu inspiriert oder dazu gebracht, diesen eintrag zu schreiben. sondern viel mehr einfach nur die worte: „lebenszeit verschwenden.“ die wurden in dem zusammenhang genannt, dass nicht nur das geld, das man anspart, quasi auf eis gelegt ist (bis man es irgendwann mal im alter verbraucht), sondern dass jeder cent, der unnütz auf dem konto liegt, lebenszeit ist, die man verbracht (verschwendet?) hat, um das geld zu verdienen.

gut, ich teile jetzt nicht unbedingt zu hundert prozent die meinung dieses kleinen berichts (das buch selber kann ja auch nochmal eine andere meinung haben, ich habs ja nicht gelesen), also ich denke auch, dass man geld sinnvoll anlegen kann und das dann somit sich vermehrt und NICHT irgendwie unnütz ist oder wie auch immer. ich bin zwar selber extrem (höhö), aber extreme meinungen sind nie gut. (vorausgesetzt das buch hat eben diese extreme meinung, keine ahnung.) ich denke, alles kann vor- und nachteile haben.

 

aber in gewisser weise haben diese zwei worte – lebenszeit verschwenden – mich anders zum denken angeregt. oder sagen wir so, sie haben mich irgendwie .. zurück auf den pfad gebracht bzw. bringen mich dahin zurück. glaub ich? ..

in letzter zeit .. lasse ich alles so ein bisschen plätschern. keinen bock auf nix, keinen bock auf französisch lernen, keinen bock auf sport, keinen bock auf .. keine ahnung, irgendwie alles. ich lade auch gerade keine freunde ein, weil – oho – keinen bock. ich schreibe ja noch nicht mal irgendwie sinnvoll tagebuch – siehe mein letzter eintrag -, ich schreibe nur noch: „keinen deepen shit.“

und irgendwie kam mir gerade so die frage: werde ich mich an das hier erinnern? – werde ich mich mal an die stunde erinnern, in der ich gestern nachmittag auf instagram irgendwelche memes angeguckt habe? ganz ehrlich, ich kann mich noch nicht mal jetzt mehr dran erinnern. ich hatte gestern auch keinen großen bock irgendwas zu machen, also auch mit tobi nicht, und so kam es – wie oft – dass tobi in seinem büro saß, irgendetwas gezockt hat und ich am handy entweder im whatsapp irgendwelche gespräche mit irgendwelchen leuten über irgendwelche themen geführt habe oder meine zeit sinnlos von social media verschwendet habe oder …. keine ahnung, ich weiß noch nicht mal, was ich dann mache, da ich noch nicht mal so der hardcore social media junkie bin.

 

was ich auch sehr interessant fand, also irgendwie eine erfrischend neue sichtweise, war .. dass dieser bill perkins sagt, wenn man früher dinge erlebt, dann hat man auch länger etwas davon, weil man länger von diesen erinnerungen zehren kann. also als beispiel, wenn ich meine australienrundreise erst mit 60 mache, habe ich nicht so viel davon, wie wenn ich die mit 20 getätigt hätte, da ich ja bei letzterem 40 jahre mehr „erinnerungszeit“ habe. ich finde, das ist eine interessante ansicht und so habe ich es tatsächlich noch nie gesehen. das einzige, was mir in der hinsicht immer bewusst war, was vielleicht in die gleiche richtung geht, ist, dass, wenn ich etwas früher erlebe oder früher etwas mache, dann habe ich längere zeit, um mich in dieser richtung weiterzuentwickeln. wenn ich also meine erste gesangsstunde mit 14 genommen habe, habe ich noch längere zeit, mich dem hobby hinzugeben, als wenn ich das erst mit 74 tue. und vielleicht bringt mich die erste gesangsstunde auch zu anderen erkenntnissen und zu neuen sachen, wofür mit 74 gar keine zeit mehr wäre, weil ich erst nach zehn jahren gesangsunterricht und dann meiner ersten bühnenerfahrung feststelle: oh, ich will gar nicht sänger, sondern lichttechniker werden, weil mir diese bühnenshow so von der lichttechnik gefallen hat – ….keine ahnung, war das erste beispiel, was mir eingefallen ist.

 

was mir aber mal wieder bewusst geworden ist, ist, wie viel zeit ich im leben mit schrott verschwende. ich würde sagen, vor wenigen jahren war ich da noch .. produktiver, effizienter, wacher, reflektierter. hm. ich würde sogar fast sagen, bis vor ein paar monaten war ich da noch reflektierter. irgendwie hat sich diese trägheit ein bisschen seit dem tod meines vaters eingeschlichen, hab ich das gefühl. wie als ob der tod meines vaters die ultimative ausrede – immer noch – dafür ist, keinen bock zu haben. oder? .. keine ahnung. ich glaube, es ist derzeit wieder ein thema. die trauer ist nämlich seit ein paar wenigen wochen wieder zurück. aber da hab ich jetzt keine lust, drüber zu schreiben.

mir ist bewusst geworden, dass ich.. viel zu wenig zeit mit tobi verbringe. ich meine, ich verbringe viel zeit mit tobi.. jeden abend zusammen beim fernsehen, wenn wir am wochenende zusammen frühstücken und… ich glaube, das wars. abends beim fernsehen ist das aber mehr ein .. zusammen rumhocken und nur die zeit am wochenende, wenn wir zusammen frühstücken und uns unterhalten, das ist quasi echte zeit zusammen. genauso wenn wir freitags zum sushimann und samstag zu tobis lieblingsgasthof gehen. das ist echte zeit zusammen, die man miteinander verbringt, in der man redet und sich zuhört. nicht abends rumhocken und die tausendste folge king of queens gucken, während man memes aufm instagram durchklickt oder tobi in seinem tablet-game irgendwelches eisenerz erntet.

 

….und so ist man von immobilienkauf zu einem ganz anderen thema gesprungen. vielleicht kaufe ich auch das buch, scheint interessant zu sein. mal gucken.

 

hm. keine ahnung. ich möchte so kleinigkeiten in meinem leben wieder einbauen. zum beispiel sind tobi und ich damals, kurz bevor das mit unseren schrecklichen nachbarn losging, in der alten wohnung öfter spazieren gegangen. das könnte man mal wieder machen. das klingt voll doof, aber ich kann mich noch gut an so ein paar spaziergänge erinnern. oder auch, als wir ein einziges mal zu unserem sushimann letztes jahr gelaufen und nicht mit dem auto hingefahren sind. das war schön.

und ich denke auch an australien. witzigerweise habe ich heute morgen, bevor ich das ganze mit dem „lebenszeit verschwenden“ gelesen habe, auf instagram (da sind sie wieder, die bösen social media) bei jemandem gesehen, ein paar bilder von australien. die backstreet boys waren doch neulich in aussie auf tour und ein crew-mitglied hat da bilder von sich gepostet aus einem tierpark, in dem tobi und ich, glaube ich, auch waren. ich denke noch heute an diese beiden australienurlaube und ich vermisse das. ich vermisse dieses reisen, das abenteuer. nicht einfach nur, plööööööp, irgendwie teneriffa oder so tralalala. nein, ich meine was richtig geiles, was richtig fettes. tobi und ich hatten geplant, dieses jahr wieder nach thailand zu gehen, vier jahre ist das letzte mal her und normalerweise sind wir ja immer im zwei-jahres-takt nach thailand geflogen. aber irgendwie… hab ich lust auf was.. richtig fettes, richtig cooles. nicht tralalala ne folge king of queens abends während insta, nein, tierparks, reisen, morgens im bungle bungle park wach werden und sich denken: „boah, was gibts heute aufregendes zu erleben?“

 

ich habe dann nachmittags während der arbeit musik gehört. ein konzert von den backstreet boys, die gleiche show, die ich jetzt gefühlt seit jahren schon über zwanzig mal gesehen habe. irgendwann hat dann „everybody (backstreets back)“ eingesetzt und dieser bass, der bei jedem konzert den boden vibrieren lässt, und ich muss sagen… vielleicht bin ich ja der naive hier, aber .. ich bereue nicht einen einzigen cent, den ich für all das ausgegeben habe. da hat mister perkins recht. diese erinnerungen, die begleiten mich noch tausend jahre. alle. alles, was ich erlebt habe. egal, ob das irgendwelche viecher in australien füttern war, das wochenende im four seasons in jakarta oder der spaziergang auf diesem observation deck mit der sicht über ganz tokio.

aber gut, heißt nicht, dass man alles geld der welt verprassen sollte. bzw. wer das tun möchte, nur zu. aber das mach ich ja auch nicht. aber genauso wenig sollte man seine lebenszeit verprassen mit irgendwelchem unnützen scheiß. mhm.

 

suzaku

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