Der König ist tot. Lang lebe der König.

Der König ist tot. Lang lebe der König.

am samstag war ja dieses spalier stehen bei der hochzeit von dem kollegen. holly hat sein allerbestes getan, um mich von vorne bis hinten zu ignorieren, jedes mal, wenn ich irgendwo stand, ist er sofort weggelaufen oder hat sich erst gar nicht dazugestellt. und so kam es, dass – einmal mehr – der witzbold mich auffangen musste. irgendwie hat er jetzt voll so diese rolle inne, dass er mich aufheitert oder mir irgendwie beisteht.

ich hatte ja die tage über auf arbeit schon gemerkt, dass er immer .. abweisender wird, bzw. nicht abweisend, sondern kurz angebunden. und sobald jemand anderes da ist, verbringt er sofort lieber zeit mit demjenigen, als mit mir. ich bin nicht wirklich sauer deshalb, ich meine, warum auch? ich habe ja keinen anspruch auf ihn. trotzdem finde ich diese leistung etwas.. schwach. aber liegt wohl auch daran, dass ich so ein direkter mensch bin und am liebsten immer alles kläre und über gar nichts gras drüber wachsen lassen will. ich hasse dieses.. so tun, als wäre nix. ich muss mir das schon mein leben lang bei meinen eltern antun, dieses .. so tun, als ob nichts wäre, deshalb reagiere ich darauf extremst allergisch, das gebe ich zu. wenn er keine lust mehr darauf hat, zeit mit mir zu verbringen, oder wenn er jetzt auf einmal nach monaten eingesehen hat, dass ich doch recht hatte mit meinem „alles wird anders, alles wird komisch“, dann kann er es auch sagen. dann kann er auch sagen: „du, ich finde, das is bissl zu weit gegangen und blah, ich finde, wir sollten.. blabla.“ ich – mit meinem familienbackground – empfinde das einem 48jährigen, einem chef gegenüber seiner mitarbeiterin und einem, der emotional auf der sicheren seite ist als ich es bin (weil er ja nicht auf mich steht) durchaus zumutbar, anstatt mich einfach so aufs abstellgleis zu schieben. mich so lange zu ignorieren, bis ich keine lust mehr habe und mich verletzt zurückziehe. vergessen ist „nichts wird komisch, alles bleibt, wie es ist“, „du bist mir als freund – nicht als mitarbeiter – so wichtig, ich will dich nicht verlieren“ und „alles, was ich dir je gesagt habe, habe ich auch genauso gemeint“.

 

es hat sich herausgestellt, dass meine firma eine oase an klatsch und tratsch ist. ich meine, klar, überall wird ein bisschen getratscht, und vorallem, wenn eine nicht ganz hässliche, junge mitarbeiterin und ihr junggebliebener midlife crisis chef ständig aufeinanderhängen, dann gibts da auf jeden fall was zu lästern und zu bemerken. aber es gibt firmen, da brodelt die gerüchteküche etwas mehr und bei wieder anderen brodelt sie etwas weniger.

 

in meiner brodelt sie nicht etwas mehr. sondern viel mehr. viel, viel mehr.

 

wenn ich dran denke, wie wenig ich bis dato mit dem witzbold abgehangen habe und wie sage und schreibe einfach jeder zu ihm hingeht und ihn fragt, ob er mich „abgecheckt“ hat, dann .. wooouuuuuuuu. ich glaube, dann konnten die ja alle gar nicht mehr schlafen, was holly und mich anging.

 

 

nach der abfuhr von samstag, als er mich so richtig krass deutlich ignoriert hatte, wollte ich heute einfach nicht mit ihm essen gehen. nicht schon wieder wie das fünfte rad am wagen da sitzen und von ihm ignoriert werden. ich halte dieses verhalten nicht mehr aus. ich meine, dann soll er sein maul aufmachen und mir gleich ne abfuhr ins gesicht jagen, als mich da wie so ein dummer klotz hocken zu lassen. eine richtige abfuhr ist etwas, womit ich arbeiten kann.

 

ich hatte morgens gesehen, dass er einen termin im outlook hatte, der bis über die frühstückspause ging. wundervoll, dann würde ich ihm da schon mal nicht begegnen. am morgen musste ich zuvor noch aufs klo und wer kam mir entgegen? .. schleimig grinsend sagte er: „guten morgeeeeen“, ich sagte nur „morgen“ mit einem neutralen gesichtsausdruck. flachbirne ey. zurück. zum frühstück würde er wohl dann nicht erscheinen. sehr gut. zum frühstück habe ich mich extra auf den platz neben ihm und nicht ihm gegenüber gesetzt – falls er doch käme, müsste ich seine ignoration  (ja, es heißt nicht so xD) wenigstens nicht volle möhre frontal abfangen, sondern ich könnte mich auch schön seitlich zu jemand anderem wegdrehen. und genauso kam es, er kam unerwartet doch zur frühstückspause, redete kein wörtchen mit mir, schaute mich noch nicht mal an, gleiches tat ich mit meinen leuten. dann fuck you.

 

zum mittagessen bin ich nicht hochgegangen. ich blieb am platz und hatte das brötchen gegessen, das ich mir schon morgens am frühstück kaufte, wohlwissend, dass ich keine lust auf ihn beim mittagessen hatte. natürlich hat er es nicht gemerkt und natürlich kam da auch keine reaktion, ich habe ihn schließlich auch nicht mehr gesehen, aber ich denke, da wird auch sonst keine reaktion mehr drauf kommen. allerhöchstens fragt er – wenn ich das mit dem mittagessen weiterhin so durchziehe (was ich noch nicht weiß) – mal unwissend und auf dumm gespielt, warum ich eigentlich nicht mehr zum mittagessen komme. selbst, wenn ich das direkt ansprechen würde, würde er nur dumm rumlachen und sagen, höhöhöhö, nee also blah. oder er drückts mir noch fetter rein und sagt: „ja suza, du weißt ganz genau, dass da nix laufen wird, blablaba“, als ob es darum ginge. *augenroll* es geht um schwanz einziehen und ehrlichkeit, nicht darum, dass er nix für mich empfindet. flachbirne. (wie ich schon schön präventiv hass auf ihn habe, obwohl er noch gar nichts gesagt hat, JA EBEN ER SAGT JA AUCH NIX, HOHLPFEIFE!)

 

naja, so viel dazu. morgen habe ich meine ruhe, morgen empfängt er kunden, das heißt, ich hätte sowieso nicht mit ihm mittagessen gehen können/müssen. wie ich das weiterspinne, das weiß ich noch nicht. ich mag es eigentlich total oben in der kantine zu sitzen und mit den leuten zu reden – jetzt unabhängig von ihm – deshalb will ich mir das auch nicht versauen lassen, aber …. wenn ich heute hochgegangen wäre und er hätte sich absichtlich woanders hingesetzt, obwohl bei mir noch platz gewesen wäre, hätte es mir das herz rausgerissen. hätte er sich aber zu mir gesetzt und mich – wie die letzten tage immer – ignoriert, genauso. deshalb wollte ich erst gar nicht hoch. verlassen tut weniger weh als verlassen zu werden. deshalb zog ich mich heute zurück.

 

oh, ich höre schon das getratsche der anderen. oh, gehen die zwei nicht mehr essen? oh, was war da wohl? meinst, es liegt an ihr oder an ihm? meinst, da ist was gelaufen zwischen den beiden? er wollte bestimmt nicht. sie wollte bestimmt nicht.

„als ich dich noch nicht kannte und mitgekriegt habe, wie ihr beide immer essen geht, dachte ich mir schon: ‚oh man, die arme.. die wird auch irgendwann noch abgesägt.. so wie er es mit allen tut'“, erzählte mir der witzbold, – „aber es war noch nie eine frau darunter, deshalb hoffte ich mal, dass er zu dir anders ist.“

ich muss zugeben, ich fühle mich so leicht wie die madame dubarry. daran musste ich heute denken, als ich mittags alleine im büro saß und mein brötchen gegessen habe. die dubarry war die geliebte des königs ludiwg XV in versailles und als dieser tot war, wurde auch sie abgesägt. genauso fühlte ich mich, obwohl ja nicht der könig gestorben ist, sondern er hat nur keinen bock mehr auf mich….. wie lustig, dass holly der könig sein soll. – nein, aber der chef eben. und jetzt, wo die glorreiche zeit vorbei ist, werden sich alle das maul zerreißen und drüber lachen, dass ich ja nun alleine rumhänge. haha, hat sie es nicht geschafft, sich langfristig bei ihm einzuschleimen. tja. der könig ist tot, lang lebe der könig.

 

aber ich hab ja noch den witzbold. der versteht wenigstens die lage vollumfänglich. und abgesehen davon.. selbst wenn. ich bin stark. ist mir egal. und ich würde alles wieder genauso machen, wie ich es getan habe. ich hab mir nix vorzuwerfen und ich muss mich nicht vor den anderen mitarbeitern schämen. und verglichen zu all dem rotz, den ich in meinem leben schon durchgestanden habe, .. ja. da kann ich hierüber nur lachen.

außerdem hab ich ja noch mister bestes anschreiben der welt geschäftsführer. da gibts auch ne neue story. aber da habe ich jetzt keine lust drauf, die zu erzählen. vielleicht wann anders.

 

 

in der mittagspause schaute ich übrigens den film „dominion“. ist sowas ähnliches wie „earthlings“, was den meisten genauso wenig sagen wird. hier, bitte, ein trailer.

 

die bilder sind mir jetzt nicht ganz fremd, aber so ein, zwei szenen gab es dann doch, in denen ich das gesicht verzog. ich finde, jeder, der sagt: „höhhöhööh geil bacon“, sollte das mal wenigstens gesehen haben. und plötzlich musste ich an holly denken, der zu genau der gleichen uhrzeit gerade oben saß, in sein fleisch biss und – wie er es schon oft tat – sagte: „ein gutes tier ist ein totes tier.“

mehr braucht es doch nicht, oder?

 

suzaku

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