Distanz.

Distanz.

so, dann will ich mal nach gefühlt tausend jahren wieder einen eintrag schreiben. ich weiß schon gar nicht mehr, „wo ich war“, so lange habe ich keinen richtigen eintrag mehr geschrieben.

wisst ihr, was ich heute nett fand? was mich gefreut hat? ich habe eine nachricht von jemandem bekommen, der meine einträge wirklich gelesen hat. jemand neues meine ich. seit dem umzug hier auf wordpress bzw. auf den eigenen blog hab ich einen haufen neuer leser und abonnenten, aber im ernst, die meisten abonnieren einen nur, damit man ihn zurück-abonniert. ich gehe davon aus, dass die wenigsten wirklich aktiv lesen, am geilsten ist es noch, wenn irgendwelche deine seite abonnieren, die noch nicht mal deutsch sprechen können XD jau, macht viel sinn hier.

aber gut, einer dieser neuen leser hat mir heute eine nachricht geschrieben und mir auch einige fragen gestellt, die davon zeugen, dass derjenige auch wirklich mehr als nur eine zeile gelesen hat – und dass er deutsch beherrscht! wohoo. vielen dank dafür. ich werde übrigens dir privat darauf nochmal antworten. ich wollts nur mal erwähnt haben.

aber eine frage muss ich aufgreifen, und zwar fragte derjenige, warum ich so viel über die arbeit schreibe und ob diese mir so wichtig sei. mhm. witzig. hätte ich auch nie gedacht, dass ich mal so viel über die arbeit schreibe. tatsächlich muss ich sagen, ist sie mir nicht wichtig. ich bin nur in meinen chef verschossen. um mal das der privaten nachricht vorweg zu nehmen, falls du tatsächlich auch weiter hier liest.

nun gut, genug vom ausflug in irgendwelche messages und zurück zu meinem – ohja – arbeitsalltag. nein. nur kurz. ich versuche nur als überleitung von der arbeit zu erzählen, ich hoffe, ich schaffe den absprung.

wir hatten am freitag ja unser sommerfest von der abteilung aus. eigentlich kann man das nicht sommerfest nennen, denn am ende haben so viele abgesagt, dass wir schlussendlich nicht mal die location halten konnten und auf einen gasthof ausweichen mussten, wo wir dann flammkuchen essen waren.

ursprünglich hatte ich holly gefragt, ob ich bei ihm mitfahren könne. die gründe hierfür sind offensichtlich. ich sags aber ganz ehrlich, was eigentlich mein ständiges ziel hinter solchen … „aktionen“ ist, ich weiß, es klingt erbärmlich, aber ich möchte ihn nur umarmen. ich will bei ihm mitfahren, denn wenn er mich heimfährt, umarmt er mich zum abschied. witzig. das ist wie bei so einer therapie. man weiß viele sachen schon immer, aber wenn man dann in der runde sitzt und diese sache, die man schon immer wusste und weiß und der man sich bewusst ist, ausspricht, dann trifft es einen trotzdem und irgendwie steigen einem dann doch wieder die tränen in die augen.

ich will ihn nur umarmen. das ist der einzige grund, weshalb ich mit ihm mitfahren wollte. die letzte woche empfand ich teilweise den kontakt als.. hm. distanziert. aber das ist einfach mein sehr subjektiv eingefärbter eindruck, einfach, weil hier und da eine besprechung war, etc. ich kam mir deshalb etwas doof vor, ihn direkt deshalb zu fragen, aber naja, sollte es eigentlich nicht. ich fragte ihn auch nicht direkt, ich meinte nur: „du, wie machst du’s am freitag eigentlich mitm fahren?“ – „ich fahr selber, weil ich nicht weiß, wie spät es in der arbeit wird und ich auf jeden fall nochmal kurz heim möchte, um mich umzuziehen…“, er schaute mich fragend an und fuhr fort, „warum, magste mitfahren?“ – ich fing sofort zum grinsen an und tat scherzend auf bescheiden: „also najaaa, wenn du mich soooo fragst..“, sofort breitete sich das dicke grinsen im gesicht aus, das ich so liebe. und so wie er es immer betont, meinte er: „ja klaaaaar“, im sinne von, dass das ja selbstverständlich sei.

zum sommerfest hin kränkelte ich allerdings immer mehr und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich überhaupt etwas trinken wollte. so bot ich ihm an, dass ich auch fahren könnte, denn ich wüsste nicht, ob ich überhaupt etwas trinken würde. da ich ihn freitagnachmittag nicht mehr getroffen hatte, weil er in einer besprechung feststeckte, schrieb ich ihm später im whatsapp. – „also mein angebot steht, ich würde auch fahren. du hast mich schon so oft kutschiert, da kann ich dich auch mal heim bringen. gibste einfach dann bescheid.“ – er schrieb, dass es bei ihm später werden könnte und er daher lieber selber fährt, ehe ich dann auf ihn warten muss. und so fuhr ich schlussendlich doch nicht selber, sondern mit meiner nachbarin und gleichzeitig kollegin mit.

er war sogar mit seinem aston martin da. aber so richtig angeschaut hab ich das auto nicht. war ja dunkel, weil ich es erst zum schluss bemerkt hatte, als der abend vorbei war. da meine kollegin nicht früher ging, sondern wir alle gleichzeitig aufbrachen, fuhr ich demnach auch nicht mit holly mit und es gab demnach auch keine umarmung. schade.

der abend selbst allerdings war ganz witzig, wenn ich auch zugeben muss, dass ich nicht nur mit ihm geredet habe und auch nicht nur ihn im fokus hatte. so langsam, ganz arg langsam, erlaube ich mir auch, mich für andere menschen zu interessieren. normalerweise sauge ich jede sekunde auf, die ich mit ihm habe, ich nehme jede chance wahr, so viel wie möglich von ihm abzukriegen, aber.. ich versuche mich mittlerweile auch mal in andere richtungen zu lenken. was mir allerdings nicht gelungen ist, mich nicht neben ihn zu setzen.

meine kollegin/nachbarin und ich kamen an, und holly war schon da. er meinte, er ist auch gerade eben erst angekommen und dass er sich total beeilen musste, weil die besprechung eben bis kurz vor knapp ginge. irgendwie hat er das gleich von sich aus gesagt, kurz, nachdem ich mich neben ihn gesetzt hatte. auch wenn ich gewiss zu viel hineininterpretiere, aber irgendwie möchte ich glauben, dass er das nur gesagt hat, weil er glaubt, dass ich sonst innerlich enttäuscht oder irritiert wäre, dass er nun doch vor uns da war, mir aber im whatsapp eine abfuhr erteilte, was das fahren anging, weil er ja erst später käme.

was ganz lustig war, war, als die anderen plötzlich anfingen, über chinesische horoskope zu reden. ich wusste ja, dass holly hahn ist und ich weiß, dass das wie arsch auf eimer passt. alle wollten dann plötzlich eine beschreibung ihres sternzeichens und so googelte ich für alle und als ich das vom hahn vorgelesen habe, brachen alle vor lachen fast zusammen.

Beruflich wie auch im privaten Bereich suchen Hähne die Anerkennung und Bewunderung ihrer Mitmenschen. Denn trotz ihres äußerlich zur Schau gestellten Selbstbewusstseins, sind Hähne im Inneren unsicher. So achten sie darauf, wie sie bei ihren Mitmenschen ankommen, legen Wert auf modische Kleidung und streben nach einer gesellschaftlich hoch angesehenen Position. Wohl fühlen sich die Hähne besonders, wenn sie im Mittelpunkt stehen und ihr vielfältiges Wissen unter ihre Mitmenschen bringen können. Beruflich kann der Hahn in vielen Sparten Erfolg haben. Er wird von seinen Arbeitgebern geschätzt und in verantwortungsvolle Positionen gesetzt. Ein Karrieretyp ist er dennoch nicht.

passt wie arsch auf eimer. beim letzten satz gab es natürlich großes gelächter unserem abteilungsleiter gegenüber, er saß auch die ganze zeit grinsend und schweigend auf seinem stuhl, man hat so gemerkt, dass er selber gecheckt hat, dass einfach alles die wahrheit war XD auch später hat noch eine kollegin gemeint zu mir unter vier augen, dass sie das so witzig fand und man holly direkt angemerkt hätte, dass es ihm zum einen ein bisschen unangenehm, weil wahr war, zum anderen aber auch nicht, da er ja im mittelpunkt gewesen ist. xD

komisch war es allerdings, als ich das hier vorgelesen habe:

Durch sein angenehmes und stolzes Auftreten fliegen dem Hahn schnell viele Herzen zu und hat beachtlichen Erfolg beim anderen Geschlecht. Doch das eine oder andere Herz wird er brechen, bis er seinen Traumpartner gefunden hat.

wie viel schauspielerisches talent man so braucht, wenn man sowas vorliest – und auch vorgelesen bekommt -, wo er doch mein herz gebrochen hat, und er es auch noch weiß.

 

naja. ansonsten.. gestern habe ich etwas getan, wovon ich selber überrascht war. und zwar mache ich mittlerweile immer ein paar minuten später pause, weil holly in letzter zeit öfter länger arbeitet, und wenn ich dann schon um punkt zwölf vor seiner tür stehe, er selten sofort mitkommt, weil er oft noch telefoniert, und meistens nachkommt. und da ich natürlich jede sekunde zeit mit ihm verbringen will, komme ich nun etwas später, damit wir auch zusammen hochlaufen können. (ich bin erbärmlich und ich weiß das.) nun ja. gestern hatte ich dann zu lange gewartet, er war dann schon weg oder ging direkt von einer besprechung zur kantine. er setzt sich ja auch immer zu mir hin, von daher eigentlich kein problem, wenn denn bei mir am tisch noch platz ist. was schwierig ist, wenn ich so spät mittagspause mache, denn dann findet man selten einen tisch mit so vielen freien plätzen. ihr spürt den konflikt. lol. naja. jedenfalls kam ich dann zur kantine und so kam es, dass holly gerade in der schlange ein paar plätze vor mir war, also konnte ich ihm wundervoll einfach hinterherlaufen und mich bei ihm hinsetzen können. und wie der kantinenmann so mein essen abkassierte, ich mich umdrehte und mich umsah, wo holly sich denn nun hingesetzt hatte (er hatte mich nicht gesehen), sah ich weiter weg auf der linken seite souvlaki, bambi und den dritten controller. quasi auch meine mittagspausentruppe. auf der rechten seite saß holly mit dem fo-menschen. hinter mir war der andere chef, mit dem ich damals mit holly zusammen im a. war, der hatte sich in der schlange auch noch mit mir unterhalten, sprich, ich hätte mich ganz gemütlich mit ihm zusammen zu holly an den tisch hocken können, ohne, dass es komisch käme (wäre es sonst auch nicht, aber egal).

und was tat ich? .. ich lief also mit meinem tablett los, links saßen die controller, rechts holly und die anderen chefs. und ich… setzte mich zu den controllern. ich lief an holly vorbei und setzte mich zum controlling. direkt mir gegenüber saß bambi und bambis gesicht bringt mich oft zum ausrasten, wenn sie mal wieder den sterbenden schwan miemt.

aber wisst ihr was? .. so oft sitze ich bei holly und denke mir: „laaaaaaaaaaaaaaaaaaaangweilig.“ also speziell, wenn souvlaki zum beispiel nicht dabei ist. und gerade zur wm-zeit ist das „laaaaaaaaaaaaaaaaangweilig“ doch ziemlich stark vertreten. letztens saß ich auch bei ihm und es war so langweilig, weil ständig fußball und blah, also nicht, dass ich richtig langeweile hätte, sondern ich komm mir vor wie ein klotz, weil ich nur dasitze und nix über.. real madrid sagen kann. oder sowas. dass es bei holly nie richtig langweilig ist, selbst, wenn sie langweilige themen bereden, liegt einfach nur da dran, dass ich jedes kleine bisschen an ihm in mich aufsauge. ganz oft, wenn ich vor ihm sitze und er etwas erzählt, wobei ich jetzt nicht so mitreden kann, oder wenn er sich mit anderen unterhält, dann schaue ich ihn an und stelle mir vor, wie es wäre seine haare zu berühren, sein gesicht, wie sich seine haut anfühlt, sein bart, wie sein haar duftet und all das. und manchmal verfalle ich da in regelrechte trance. (achso und mir egal, wie psycho das klingt 8D) gott. ich würde jemanden töten dafür, das alles auch nur eine minute lang machen zu dürfen.

das mittagessen mit den controllern war okay. nicht supertoll, da das controlling zur zeit etwas angefressen ist, aber .. es war okay. es war nicht fußball. ich muss zugeben, dass aber trotzdem der anfang für mich hart war. mich dort hinzusetzen ist zwar schnell passiert gewesen, aber dann da sitzen zu bleiben und diese 45minütige konsequenz dessen, dass ich toll und frei und unabhängig sein wollte, zu ertragen, das war nicht mehr so leicht, zumindest nicht zu beginn. ging aber doch besser als erwartet, so unterm strich. also besser als früher noch, denn früher hätte ich es a) gar nicht geschafft, mich woanders hinzusetzen und b) hätte es mich die ganze pause über extrem belastet. so hat es mich nur die halbe pause etwas belastet.

 

und jetzt? ich schrieb vorher, ich hoffe, ich schaffe den absprung. gedanklich habe ich den absprung geschafft, und das ist bei mir als ads-hirni voll das wunder, denn normalerweise hätte ich längst vergessen, was ich zu anfang schrieb. aber emotional hänge ich jetzt doch wieder an holly, denn ursprünglich wollte ich was anderes schreiben. naja. zum glück kann man adsler so schnell ablenken. emotionale sprunghaftigkeit ahoi.

 

in letzter zeit hänge ich extrem viel mit dem witzbold rum. dieser eine verkäufer, den ich auf der messe etwas besser kennengelernt und mit dem ich so übelst in der photobox posiert habe, ist ja vom schlag her genau der gleiche typ wie der witzbold und zusammen mit beiden habe ich nun eine whatsapp gruppe gegründet, in der vorallem der witzbold und ich ständig schreiben. und die beiden bringen mich immer so hardcore zum lachen, dass ich eigentlich jedes mal, wenn ich vor meinem handy sitze, tränen lache. oder mit dem witzbold in reallife am kopierer.

ich gebe zu, ich benutze den witzbold innerlich gerade irgendwie, um mich von holly abzulenken. also nicht sexuell, sondern einfach nur so im alltag. ich hab mit dem so viel spaß, dass ich holly und die ganze situation einfach vergesse. oder dass es zumindest nicht mehr ganz so .. blöd ist. aber alles, was so richtig gut funktioniert, alles, was auch so eine weile .. ausartet, alles, was nicht lange gut gehen kann, geht in der regel auch nie lange gut.

schon direkt nach der messe hatten der verkäufer, der witzbold und ich ausgemacht, dass wir zusammen einen trinken gehen, jetzt am freitag. gefühlt rede ich jeden tag davon, dass wir am freitag endlich einen saufen gehen, und irgendwie.. kam dann heute von dem witzbold ein.. „ja, aber ich kann nur bis um sechs. dann muss ich auf einen geburtstag.“ – äh, was? .. bis um sechs? .. wann fangen wir denn dann an? nachmittags oder was? … „ja dachte ein bierchen nach der arbeit in der kneipe gegenüber und dann fahren wir heim?“ – wozu sollte ich das denn zwei wochen lang „planen“? .. und ich empfinde unter „freitagabend einen saufen gehen“ irgendwie.. joa. wieso dann überhaupt freitag? wenn ich danach heim fahren kann, hätte ich das doch nicht wochen vorher geplant, sondern wäre am gleichen tag noch ‚einen saufen‘ gewesen? .. irritiert fragte ich dann den verkäufer, der zunächst schrieb, dass er für alles zu haben ist. etwas später meinte er dann aber auch: „aber um acht muss ich los, da bin ich mit meinen kumpels zum saufen verabredet.“.. äh ja danke.

muss echt sagen, das hier war jetzt zu dieser geschichte die absolute short version, weil ich keine lust hatte, das ganze von vorne bis hinten zu erklären, aber schlussendlich gings mir eigentlich ja nur um diese… joa. „absagen“ kann man das ja nicht nennen, aber.. keine ahnung. aber ihr wisst, was ich meine.

 

und einmal mehr gerate ich hier an diese .. ablehnungsthematik. ich weiß, das ist jetzt nur eine kleinigkeit, meinetwegen lass uns so weit gehen und es ein „missverständnis“ nennen, trotzdem.

es ist die thematik, mit der ich immer und immer wieder konfrontiert werde. möge das da oben nur als „inspiration“ und nicht als handfestes beispiel dienen, damit wäre ich auch d’accord. aber dann mache ich auch gerne direkt mit einem handfesten beispiel weiter.

zu meinem geburtstag sind zwanzig leute eingeladen. zwanzig. in der zeit zwischen diesem geburtstag mit den zwanzig geladenen gästen und meinem letzten geburtstag letztes jahr war ich auf exakt 0 geburtstage dieser leute eingeladen. ok. es feiert vielleicht nicht jeder. aber niemand? .. niemand von .. zwanzig? .. wenn ich überlege, auf wie vielen geburtstagen ich in den letzten fünf jahren war und wie viele unterschiedliche leute auf meinen geburtstagsfeten waren, dann… ja. ergibt das eine ähnliche bilanz.

wenn ich überschlage, wie oft ich jemanden frage, ob derjenige irgendwie bock hat, etwas zu machen, und überschlage, wie oft mich jemand fragt, ob ich bock habe, etwas zu machen, gibt das die gleiche bilanz.

wenn ich überschlage, wie oft ich auf arbeit irgendwelche kuchen und muffins für andere leute mitbringe, und wie oft mir irgendjemand etwas mitbringt, dann wieder.

 

und ich frage mich, woran das liegt. tatsächlich muss ich sagen, dass ich mein leben lang geglaubt habe, es läge an mir. dass ich einfach so eine ätzende person bin, dass man sich mit mir nicht abgeben will. also vielleicht nicht unbedingt so hardcore ausgedrückt, aber dass ich halt irgendwie komisch sei.

das glaube ich heute nicht mehr. ich weiß, dass die leute mich mögen. viele leute mögen mich.

neulich habe ich mit julie telefoniert. das ist eine gute freundin von mir, die ich sehr mag. sie ist mir eine der liebsten. ich glaube, sie empfindet für mich auch so, das glaube ich wirklich. und julie ist auch so eine ehrliche haut, die könnte gar nicht lügen, schon gar nicht deshalb. dieses jahr konnte ich ja nicht zeitnah zu meinem geburtstag feiern, weil ich ja auf die messe musste. ich hatte so dann mit jules telefoniert, weil ich sie zu meiner geburtstags-nachfeier einladen wollte und sie meinte so, sie habe sich schon gewundert: „feiert sie dieses jahr gar nicht?“ .. es fällt den leuten also schon auf. meine abwesenheit fällt auf. ich war etwas perplex in dem moment, dass jules sich gewundert hat, dass sie im juni keine einladung zu meiner feier erhalten hatte, habe das aber nicht weiter kommentiert.

 

als ich vor zwei jahren in der klinik war, habe ich für alle muffins gebacken. ich hatte die muffins vorher im whatsapp, in unserer gruppentherapie-gruppe, angekündigt und als ich die muffins mitbrachte, interessierte sich fast kein schwein dafür. ich erzählte einer mitpatientin meiner gruppe von meiner enttäuschung, dass die muffins so wenig resonanz bekämen, nicht weil ich lob wollte, sondern weil ich mir zum schluss sogar schwertat, die überhaupt loszukriegen und sie dann einfach an fremde verschenkte. schlussendlich besprach ich diesen konflikt in der einzeltherapie, worauf meine therapeutin wollte, dass ich diese enttäuschung in der gruppensitzung anspreche, um den leuten mitzuteilen, dass ich von ihnen enttäuscht war und schon dabei gewesen bin, mich deshalb von ihnen zu distanzieren, und eben, um das zu klären. damals erklärte meine therapeutin, sie glaube, ich würde mich zu sehr auf die elektronischen kommunikationsmittel verlassen und müsse mehr den kontakt in der realen welt suchen. was ich aber als quatsch empfinde, weil die einfach nur uralt und unmodern war mit ihrem… nokia XD nein spaß, möge 1% wahrheit drin stecken, der rest ist einfach.. ja, weil unmodern lol. abgesehen davon lässt sich dieses argument sehr oft nicht auf das gleiche problem in anderen lebenslagen übertragen.

und seit ich nicht mehr alle paar tage in dieser therapie-whatsapp-gruppe reinschreibe, seitdem ist es ausgestorben dort. nachdem ich das treffen spontan abgesagt hatte, ist es nie wieder zu einer planung zu einem solchen gekommen.

naja, quintessenz oder eben die kernaussage dieses themas ist: ich gebe sehr viel und bekomme sehr wenig zurück. und das war schon immer so. nicht, dass ich geld in freundschaften aufwiege, es ist mir grundsätzlich bums, wer was bezahlt oder so, es geht mir um das interesse am menschen. und ich spreche da jetzt explizit von leuten, mit denen ich richtig echt befreundet bin und nicht kontakte, die ich zum beispiel hier über das tagebuch pflege. dass es in diesem tagebuch fast nur um mich geht, dürfte klar sein.

ich habe viele theorien, warum es so ist, wie es ist. ich glaube, ich habe so eine ausstrahlung. das schrieb ich ja neulich schon mal in einem etwas anderen zusammenhang. aber ich habe so eine ausstrahlung, dass die leute glauben, ich wäre übelst fancy und hätte tausend trilliarden freunde und alle lieben mich und ich hätte neue, weitere freundschaften und kontakte gar nicht nötig. als ich vor einer weile davon schrieb, war es in dem zusammenhang damit, dass viele leute mich auf arbeit nicht ansprechen und nicht mit mir reden oder sich beim mittagessen zu mir an den tisch setzen. ich habe in meinem leben schon öfter die rückmeldung erhalten, dass ich einschüchternd wirke und für mich macht es irgendwie zum teil auch sinn, zum teil auch überhaupt nicht. überhaupt nicht, weil ich mega kontaktfreudig bin, schnell ins gespräch mit anderen komme, schnell irgendwelche insider aufbaue, schnell irgendwie mit allen „gut kann“, und auch, weil ich ein bisschen schräg bin, ein bisschen anders, oft aber von den anderen als positiv anders angesehen.

ich glaube auch, die leute gewöhnen sich daran, dass es so ist. dass ich andere einlade. muffins mitbringe. dass ich der organisator bin. auf andere zugehe. man braucht nicht auf mich zugehen, denn wenn ich was will, werde ich es schon sagen. man hat sich gewöhnt, dass ich andere einlade und man wundert sich, ob sie dieses jahr nicht feiert, wenn keine einladung eintrudelt, aber selber einzuladen, da ist irgendwie nicht die verbindung da.

und ich glaube auch, die leute haben alle schon ihre homebase. und zu keiner davon gehöre ich. ich bin ein netter bekannter, ein netter kumpel, aber selten bin ich ein freund. ich gehöre in keinen dieser engen freundeskreise. ich habe oft das gefühl, als wäre ich schon zu alt, als wären die kreise schon zu gefestigt, als dass ich auch irgendwann mal zur homebase dazugehören könnte.

 

ich habe noch viel mehr theorien, warum es so ist, wie es ist, aber ich habe auch einen fakt. der fakt, warum mich das so beschäftigt. meine eltern, meine mutter, meine kindheit. ich war nie genug, ich war nie die, für die man sich interessiert hat, unterm strich durchlebe ich nur die situation mit meiner mutter wieder. immer, wenn es heißt: „ja, ich kann aber nur kurz, weil ich nachher mit meinen freunden verabredet bin“, dann klopft da ganz weit hinten meine mutter an. diese hardcore enttäuschung, die ich heute hatte, weil diese zwei kollegen da am freitag doch nur .. kurz zwischen tür und angel mit mir was trinken wollen, nicht wirklich mit mir weggehen, nicht wirklich ihre freizeit mit mir verbringen wollen, die kommt nur, weil das die enttäuschung meiner mutter gegenüber ist. weil die ihre freizeit auch nicht mit mir verbringen wollte.

 

und ich muss auch sagen, ich weiß auch nicht so recht, wie ich aus dieser spirale rauskommen soll. denn wenn ich aufhöre, den leuten hinterher zu rennen – und das habe ich auch schon getan -, verliere ich fast alle kontakte. und wenn sich einer meldet, dann erst.. nach einem jahr oder so. fragend: „wieso meldest du dich eigentlich nicht mehr?“ – ja, ich weiß, dann sind das auch keine freundschaften. ich gerate in vergessenheit und man meldet sich nie wieder und dann hat man nicht mal mehr jemanden, mit dem man nur oberflächlich die zeit verbringen kann. rede ich mit den leuten darüber – und auch das habe ich schon getan – dann geht den meisten sogar ein licht auf, ändern tut sich dann aber nie was. oder vielleicht ziehe ich nur einfach irgendwie diese leute an, die sich nie bei einem melden. irgendwas strahlt man ja aus, warum man immer den gleichen typ mensch anzieht.

keine ahnung. die meiste zeit belastet es mich zum glück nicht mehr so wie früher. früher hat mich das richtig fertiggemacht, und ich habe mich immer für jemanden gehalten, der nicht dazu fähig ist, freundschaften aufrechtzuerhalten. heutzutage habe ich das nur noch selten. aber genau am heutigen tag war es wieder da, diese enttäuschung.

so viele habe ich „verloren“, leute, die sich einfach irgendwann nicht mehr gemeldet oder sich für einen interessiert haben, obwohl man sich immer für sie interessiert hat. es ist wie mit whatsapp und den blauen haken, auf die aber nie wieder eine antwort kommt. öfter mal habe ich getestet, was passiert, wenn ich mich einfach nicht mehr melde, einfach nicht mehr schreibe. von vielen habe ich tatsächlich, im ernst, nie wieder was gehört. einfach nie wieder, und das, obwohl der kontakt früher regelmäßig war.

ist witzig. ist genauso wie bei meinen eltern. wenn ich mich nicht melde, höre ich nie wieder was von denen. alle informationen, alle kontakte, alle „zuneigung“ muss ich mir selber holen. da kommt nichts zurück. gar nichts. mir war mal langweilig und da habe ich gezählt, wie oft ich in einem jahr meine mutter im whatsapp anschrieb (JA FRAU FENZA, SIE LEGEN ZU VIEL WERT AUF DIE ELEKTRONISCHE KOMMUNIKATION – fick dich XD), um zu fragen, wie es ihr ginge, um sie einzuladen oder einfach nur, um irgendwie.. kontakt zu ihr zu haben, und wie oft sie das in dem jahr tat. ich glaube, ich kam bei .. keine ahnung, fünfzig mal raus oder sechzig? was weiß ich, auf jeden fall n haufen. und sie schrieb mich zweimal an, eins davon war, weil ich etwas für sie arbeiten sollte.

 

ich finde das so witzig, wie die fremdwahrnehmung und die eigene da auseinanderklaffen. kommt mir total surreal vor, dass andere tatsächlich glauben, ich wäre so hardcore beliebt, dass man sich nicht traut, mich anzusprechen. strange.

 

fenza.

15 Gedanken zu „Distanz.

  1. Passt vielleicht nicht ganz, aber bei uns melden sich auch nur noch selten Leute. Bei vielen davon liegt das wohl an deren Kindern und folglich an zu wenig Zeit. Aber manchmal fragen wir uns auch, ob z.T. nicht etwas anderes dahintersteckt (z.B. dass wir beide kein. WA nutzen und darum keine Gespräche mitkriegen.) Es gibt aber wohl auch sonst kaum noch Verabredungen in unserem Freundeskreis, du sehen sich untereinander auch kaum.




    1
    1. Also an WA und auch an Kinder kann es bei uns nicht liegen, WA haben wir beide und die mit Kindern melden sich sogar noch am ehesten. Aber ja, muss sagen, gerade was WA angeht, das schneidet teilweise schon irgendwie ab, glaub ich.




      0
      1. Ja, auf dem nächsten Handy installiere ich WA wahrscheinlich auch. Ich habe nur keinen Bock, mit „lustigen“ Fotos und Videos vollgespammt zu werden…




        0
        1. alles eine frage der „erziehung“. meine freunde schicken mir so einen scheiß nicht, weil sie genau wissen, dass ich das a) eh nicht durchlese/anschaue und b) ich von sowas genervt bin.




          0
  2. Dito. Mutter abweisend, selbst wirkt man schroff und stolz (Vorwurf, den ich öfter hörte), dabei bin ich gar nicht so (sagen Freunde). Wahrscheinlich wirkt der Schutzpanzer, den man sich als Kind zugelegt hat, immer noch nach.




    0
      1. witzig, solche sachen wie „schroff“ oder „stolz“ höre ich nie, nur „unnahbar“ und .. ja, eher so im sinne von, dass ich so beliebt wirke und gut drauf, dass man sich eher deshalb denkt – ach was will die mit mir? .. würde ich unfreundlich/stolz/schroff/böse auf andere wirken, würde ich das irgendwie logischer bzw. leichter nachzuvollziehen finden.




        0
  3. Ich habe auch kein WA, hab nicht mal ein Smartphone (völlig freiwillig, ja so was gibts auch) ! Und ja, man ist irgendwie „aussen vor“, bekommt vieles gar nicht mit. Finde ich ehrlich gesagt aber nicht schlimm, ich bin froh, wenn ich meine Ruhe habe. Und als ich noch Kontakt zu meiner Mutter hatte, kam von der auch nix – immer musste es von mir ausgehen. Als mein Vater noch lebte, war das anders, er meldete sich öfter, ihm lag mehr an der Familie.




    0
    1. finde das nicht mal so besonders, kein smartphone zu haben. muss man auch nicht. ich finds erleichternd, weil ich mittlerweile keinen eigenen rechner mehr habe. ich benutze den rechner nur, wenn ich tagebuch hier schreibe, für alles andere nutze ich mein smartphone. // schade, das mit deiner mutter, aber immerhin lag deinem vater noch was an der familie. das soll jetzt nicht so rüberkommen, als wäre mein „leid“ „größer“, aber bei mir sind beide einfach gleich ignorant XD von daher, schön, dass bei dir wenigstens einer sich noch drum bemüht hatte.




      0
      1. Also ich könnte ohne Rechner niemals leben ^^ bin ja schließlich Zocker. Und diese winzigen Displays, da sieht man ja gar nix drauf! Bilder anschauen etc. ist eine Qual. Und ständig das Navi benutzen macht nachgewiesenermaßen dumm, weil man nicht mehr denken muss.




        1
        1. naja, ich zocke nichts mehr, deshalb kann ich ohne rechner ganz gut leben 😉 mir fehlt zwar schon mein alter rechner und den platz, den ich früher hatte, bevor ich mit tobi zusammengezogen bin (so quasi „mein zimmer“), aber … die zeiten haben sich auch geändert. hätte ich heute noch msn, da wäre eh keiner mehr online, weil ich die meisten leute schon gar nicht mehr kenne (also die zocker und so). heute ist das whatsapp.




          0
          1. Ich benutze auch kein MSN, nur ab und zu mal noch ICQ, um mit einem Kumpel von früher zu chatten. Ansonsten chatte ich höchstens ingame, ich muss mich nicht ständig jemandem mitteilen – dazu hab ich ja auch noch tagsüber meine lieben Kollegen 🙂 Ohne Zocken würde mir aber schon was fehlen, es gehört zu meinem Leben (und zu T.s ebenso) einfach dazu. Sonst würden wir wohl vor dem Fernseher verblöden, da wir beide nicht gern rausgehen und andere Menschen nicht um uns mögen.




            0

Kommentar verfassen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen