Heimlich verknallt. Schmerz und Sehnsucht. Und gruselig.

Heimlich verknallt. Schmerz und Sehnsucht. Und gruselig.

ich nehme mir eigentlich nie zeit zu schreiben. also mittlerweile nicht mehr. ich empfinde tagebuch schreiben mittlerweile als zeitverschwendung, obwohl es das nicht ist. es fühlt sich nur so an. wenn ich im alltag ein, zwei stunden zeit hab, einfach für nichts, für irgendeine beschäftigung nach freier wahl, dann entscheide ich mich in den seltensten fällen fürs tb. es gibt so viele dinge, die ich im alltag tun will, die irgendwie unterkommen müssen, obwohl ich eigentlich nichts als super essenziell bezeichnen würde. das würde ich aber das tagebuch auch nicht. es ist nur schade, dass man hinterher nichts mehr hat. vieles geht einfach verloren.

auch jetzt in diesem moment würde ich so gerne eigentlich etwas anderes tun. ich hab auch etwas hummeln im arsch, weil tobi in etwas über einer stunde von seinem wochenend-motorrad-trip nach hause kommt. und auch wenn ich tobi liebe, aber natürlich geht da auch zeit drauf, die man sonst für hobbies aufbringen könnte. und so überlege ich, was ich in meiner letzten stunde vor seiner rückkehr mache. singen üben. französisch lernen.  aber ab und zu muss man sich zwingen, etwas anderes zu tun. vorallem etwas, was das hirn nicht fordert. schreiben fordert mich nicht. ich habe suche mir normalerweise immer irgendwelche beschäftigungen, die mein hirn mit informationen oder neuen erkenntnissen oder sonstetwas vollpumpen, weil bei mir immer alles effizient sein muss. einfach nur aufm sofa rumliegen und ne stunde lang instagram reels angucken, boah, da würde ich durchdrehen. aber wenn man nach einem langen tag auf der arbeit nach hause kommt, und sich sofort schnurstracks vor die französischbücher setzt, da merkt man schon hier und da mal, wie zwar der wille da ist, aber die geistige fähigkeit irgendetwas gut, ruhig, sauber aufzunehmen nachlässt.

 

der tag war okay. die arbeit war.. eigentlich will ich nicht über die arbeit schreiben, weil ich das einfach „flach“ finde, aber auch die arbeit ist ein teil meines lebens und wenn ich eines tages wieder „zurückblättere“, finde ich auch die arbeit interessant. dann muss ich trotzdem drüber schmunzeln.

die arbeit war… ok. ab morgen kommt der praktikant. und zwar wird der sohn von einem der geschäftsführer ein praktikum bei uns machen, und zwar vom geschäftsführer mit „dem besten anschreiben der welt“, falls sich da noch einer dran erinnert xD dementsprechend ist mein gruppenleiter total durch den wind, der scheißt sich mega hart eins ein, weil alles PERFEKT sein muss. anscheinend ist der sohn – oder wie ich ihn immer nenne: „junior“ (weiß er natürlich nicht) – ziemlich gut mit seinem papa vernetzt, will also heißen, sobald es irgendeinen missstand gibt, ist davon auszugehen, dass die sofort zu papa gelangt. well, ich würde das eigentlich eher als vorteil als als nachteil sehen, aber .. wer bin ich schon, um sowas zu wissen? – zumindest halt ich es für kontraproduktiv alles schöner darzustellen als es eigentlich ist, denn dann wird sich nie irgendetwas ändern. aber gut, das wäre auch das erste mal, dass ich die „strategie“ meines gruppenleiters verstehen würde. auf jeden fall sind wir dazu angehalten, ab morgen vier tage lang blumen zu furzen. und die größte aller nicht-blumen-furzer, nämlich moi, die darf den kerl betreuen. alter. (see, mein erster ausdruck ist sofort: „alter“, richtig schön NICHT BLUMENFURZERISCH.) und zwar hat sich jeder um diesen job gedrückt, wie es auch nur irgendwie geht. ich hatte große hoffnung, dass ich ihn nicht machen muss, da, als verkündet wurde, dass junior ein praktikum bei uns macht, mein gruppenleiter sofort im zweiergespräch zu mir gesagt hat, ich müsse mich für die paar tage zusammenreißen. – wenn ihr neben mir sitzen würdet, würdet ihr wissen, was… ACH, ALS OB IHR DAS ALS MEINE LESER NICHT AUCH SCHON WISSEN WÜRDET XD .. da läuft das ungefähr so: suza bearbeitet etwas in einem programm, plötzlich schließt sich ohne jegliche vorwarnung das fenster und meine ganze arbeit seit dem letzten speichern ist dahin (ist jetzt kein so seltener fall, aber halt, bei uns ist ja alles PERFEKT). – und dann flötet es durch die büros meiner abteilung in lieblichem ton: „ALTER, WAS IS DAS DENN WIEDER FÜR EINE QUERGEFICKTE SCHEISSE!? WARUM MUSS HIER DRINNEN IMMER ALLES SO HART BESCHISSEN SEIN!?“ …. <3 🙂

als dann mein gruppenleiter eines morgens, als mein kollege fragte, wer ihn nun betreuen müsste und ich sagte: „wenn’s ich bin, krieg ich gicht!“ gesagt hab, mir grinsend antwortete: „ja suza, deshalb kriegst auch dabei unterstützung“, stand ich erschüttert auf und hab quer durchs büro, in vollem seriousness, gesagt: „alter, dein ernst?“ – und er grinst und nickt, und ich so: „jetzt mal ohne scheiß,“ mein kollege hat schon in sich reingekichert, „du gibst MIR den junior zum einlernen!? du weißt schon, wenn das programm mal wieder abstürzt, WERDE ICH DAS AUCH KOMMENTIEREN UND ZWAR NICHT SCHÖN, IS MIR SCHEISSEGAL.“ – mein seinem schleimigen grinsen neckte er nur: „komm, suza, das is ein junger kerl mitte 20, der freut sich, wenn du ihn betreust. – „JUNGE, ICH KÖNNT SEINE MUTTER SEIN!“ er hat dann nur noch blöd gelacht und ich so: „ich will jetzt echt niemanden reinreiten und wenn du sagst, ich muss es machen, ja mein gott, mach ich den rotz halt, ich sag aber trotzdem meine meinung offen raus, aber ..“, ich zeig so auf den platz des verkäuferkollegen (der noch nicht da war), der eine, der nie was arbeitet, „DER DA ist doch prädestiniert für so einen scheiß!?“ – „ja, der wirds auch federführend machen. aber der hat noch projekt x und arbeitet nur teilzeit, deshalb musst du sicherlich hier und da mal einspringen.“ – na, von mir aus. soll mir doch wumpe sein. ich werde jedenfalls keine rosa blütenblätter aus meinem arsch pressen, wenn was kacke ist, wird das auch so benannt. so ein kindergarten, echt. vorallem, seriously, senior kennt mich doch, da kann junior mein wahres gesicht doch genauso kennenlernen. affig, so ein getue.

mittlerweile isses sogar so, bzw. nicht „mittlerweile“, das lässt den anschein erwecken, als wäre das ein längerer prozess gewesen, nee, so ziemlich schnell schien dann durch, dass der löwenanteil des junior-bespaßens an meinem arsch hängen bleibt, weil jeder andere sich langsam aus der affäre zieht. mister verkäuferling-kollege hat ja super serious business am start, was er unbedingt fertig machen soll, und die zeichnerin, die ihm das zeichenprogramm beibringen soll, reißt sich auch nicht gerade um ihn. also am anfang hab ich ja auch versucht das irgendwie von mir zu weisen, aber mittlerweile denke ich mir: „oh junge *augen roll*, dann mach ichs halt, wenn da sich sonst alle anpinkeln.“

und das noch geilere ist ja, damit alles super „fair“ ist (LOL), die ganze vorbereitung des praktikums haben dann mehrere kollegen untereinander gemacht, und ich soll das ganze dann erklären. was total unsinnig ist, ich sollte ja schon wissen, was sich derjenige dabei gedacht hat. und so kam es dann, dass ich heute nachmittag noch alles stehen und liegen gelassen habe an meiner eigentlichen produktiven arbeit und habe die vorbereitung nochmal überarbeitet, damit ich nicht selber wie ein praktikant morgen dastehe, weil die kollegen, die es ja eh nicht benutzen müssen, nur copypasted haben (auf die anweisung meines gruppenleiters, yöh, danke).

naja. aber das ist auch so typisch ich. ich denke mir auch ganz oft bei irgendwelchen unangenehmen aufgaben: „boah nee ey, hoffentlich ich nicht“ und dann stellen sich alle anderen noch mehr an und ich denk mir: „boah, kinners, ich wills auch nicht machen, aber .. man kann sich auch anstellen ey, ich mach das jetzt!“

nun ja. mal schauen. so viel gerade zur arbeit.

 

gerade höre ich das. plus je pense à toi.

das war damals, als ich 15/16 und totaler patrick fiori fan war, eins meiner absoluten lieblingslieder. das war ein track von meinem damaligen lieblingsalbum und eigentlich ist das album das einzige von allen, von sämtlichen künstlern, die ich kenne und höre, von dem ich wirklich jedes einzelne lied mag. und somit natürlich auch mein liebstes patrick fiori album, es ist auch das erste, was ich von ihm hatte. ich weiß noch, wie ich es damals bekommen habe, ich hatte es bestellt und es kam an, war noch schön in folie verpackt und ich legte die cd ein. in meinem „kinderzimmer“ auf meinem tragbaren cd-player, der immer auf dem kleinen tisch mit den rollen stand. witzig, ich weiß noch, ich hab früher immer nachts den cd-player an mein bett gerollt, damit ich während dem schlafen ganz leise musik hören konnte. lustig, hatte ich total vergessen. ich spielte jedes einzelne lied an, denn so bin ich immer, ich muss immer sofort alles hören und kann nicht gemütlich nach und nach das ganze album durchhören, nein, am liebsten alles auf einmal. und so spielte ich jedes lied an, nummer eins „que tu reviennes“ und nummer fünf „juste une raison encore“ kannte ich schon, das waren die beiden single-auskopplungen. jedes lied nur bis zum ersten refrain und jedes mal: „oh, das ist echt gut, dann mal weiter.“ – „oh, das ist auch gut.“ – „oh das auch.“ und am ende des albums stellte ich fest, dass ich jedes einzelne lied toll fand, war über diesen umstand total verwundert und dachte mir: „ja gut, wenn ichs erstmal ganz durchhöre, find ich schon noch ein paar beschissen.“ – fand ich aber nie.

ich höre dieses lied seit damals immer mal wieder, es ist keines – generell auch das album – das jetzt seit damals total in der versenkung verschwunden gewesen wäre. und jetzt am wochenende habe ich das lied zum duschen reingemacht, aber nur deshalb, weil mein aktuelles sucht-lied (was auch ein altes lied ist) nicht im musik-sammel-verzeichnis ist, auf das unser sonos im bad zugreift. und als ich das wieder gehört hatte, .. hat es mich plötzlich wieder an alles von früher erinnert.

ich weiß noch, keine ahnung wieso, aber als teenie war mir das irgendwie ein bisschen „peinlich“ in patrick fiori verknallt zu sein, haha. keine ahnung warum, weil ich ja auch immer offen und direkt war, wenn es zum beispiel um meine euphorie bzgl. backstreet boys oder leonardo dicaprio oder so ging. aber bei patrick fiori war das so, wie wenn man direkt vor seinem schwarm steht und alle eigentlich wissen, dass man in denjenigen verknallt ist, nur er selber nicht. so dieses gefühl unangenehm und peinlich berührt. und sobald einer sagt: „naaaa ;)))))“, man nur aggro und abstreitend ein: „boah, jetzt haltet die klappe!“ rausbrüllt und mit hochrotem kopf wegrennt. und witzigerweise habe ich mich wieder an genau dieses gefühl erinnert. an dieses heimlich verknallt sein.

patrick fiori mochte ich immer, auch nach außen hin, und ich mochte seine musik immer, auch ganz offensichtlich nach außen hin, denn meine eltern mussten sich bestimmt trilliarden jahre das geträller reinziehen, aber bei diesem lied war ich immer richtig verknallt. das hab ich immer gehört, wenn ich stundenlang meine wenigen bilder von ihm angestarrt habe und mir vorgestellt habe, wie es wäre, mit ihm zu kuscheln. haha. so süß echt.

und wenn ich heute daran denke, dann fühlt sich alles so nah an, und doch wie tausend jahre entfernt. eigentlich sind es nur zweiundzwanzig jahre, aber die restliche differenz zu den tausend macht der tod meines vaters. was vor einem jahr vielleicht noch eine wunderschöne erinnerung war, ist jetzt eine bittersüße, die mindestens genauso weh tut, wie sie einen auch zum schmunzeln bringt. und eigentlich hätte ich mich doch nur so gerne durch die erinnerung an meinen patrick fiori vom schwarzen loch weggerettet.

 

nachdem meine gesangslehrerin von mir wollte, dass ich whitney houston singe, und wir das letzte woche zusammen geübt haben, ich es aber total grässlich und sauschwer finde, habe ich mich umentschieden. das war so lustig, meine lehrerin war vor beginn der stunde noch kurz auf der toilette, ich legte meinen songtext auf den notenständer und holte das mikro raus, sie lief herein und fragte ich fröhlichem ton: „und, was machen wir heute?“, lief zum notenständer, las den titel und sagte: „OHA!“, so von wegen, was ich mir da für ein schweres lied aussuche. – „ey, das hast DU mir das letzte mal aufgegeben!“ – „echt jetzt? das sing ich nicht mal selber, weil das so schwer ist xD das einzige whitney houston lied, an das ich mich nicht rantraue…“ – „NA TOLL!“ XD .. .. und ich habe gerade keine lust auf etwas schweres.

keine ahnung, wie ich wieder hier drauf kam, das ist auch so ein lied, das ich schon seit tausend jahren kenne, jedoch verschwindet dieses lied schon immer wieder in der versenkung und wird nur alle paar jahre mal rausgekramt.

das konzert wurde irgendwann mal auf dem bayrischen rundfunk ausgestrahlt, ein sender, den ich als kind früher als ziemlich uncool bezeichnet hätte und habe. aber lara fabian fand ich damals auch ganz toll. witzige trivia, aber patrick fiori und lara fabian waren mal ein paar, und wenn ich das zeitlich richtig kombiniert habe, muss dieses lied eigentlich auch in inspiration an die trennung der beiden entstanden sein. auch in anbetracht dessen, dass er ziemlich schnell danach mit julie zenatti, auch einer französischen sängerin, die ich sehr mag, zusammen war.

irgendwie finde ich dieses lied jedoch .. irgendwie unangenehm. ich habe das lied oft gehört, nachdem es mit anne, meiner ersten freundin, auseinander war. und irgendwie empfinde ich dieses lied daher als .. unangenehm, auch wenn ich es von der melodie her sehr schön finde.

als ich es neulich wieder für mich entdeckt hatte, wie alle paar jahre mal, dachte ich, ich könnte das ja mal singen. das hatte ich vor zwei, drei jahren schon mal angedacht, aber damals war es mir noch zu schwer. und heute macht es mir richtig spaß. gut, ich habs jetzt noch nicht im unterricht behandelt, aber ich glaube, da gibt es keine großen überraschungen. man hat so seine lieblingslieder, die einem einfach liegen. oder zumindest hat man ein gutes gefühl dabei. eins davon ist auch evanscence „lost in paradise“. wenn meine gesangslehrerin nicht weiß, was wir noch die restlichen paar minuten der unterrichtsstunde machen und ich mir ein lied raussuchen soll, ist es immer das. bringt mich gesanglich vielleicht nicht so schnell weiter wie ein ätzendes whitney houston lied, aber das ist auch okay. wie ich eingangs schrieb, man muss sich nicht immer nur solche beschäftigungen suchen, die einen bis in die letzten zehenspitzen herausfordern. vorallem nicht nachdem man acht stunden lang irgendeinem praktikanten was erklärt hat.

auch bei diesem lied hier habe ich gerade so einen kleinen break von den normalen gefühlen. normalerweise unangenehm. gerade überhaupt nicht. wie bei plus je pense à toi. normalerweise schönes lied ohne erinnerungen. gerade überhaupt nicht. gerade kann ich broken vow hören, und singen, und es fühlt sich einfach stimmig zu dem an, wie ich dem schwarzen loch gegenüber empfinde. einfach nur schmerz und sehnsucht. und es fühlt sich so an, als werde ich noch ganz lange so empfinden.

 

ich hatte heute einen komischen traum. einen richtig gruseligen. meine mutter und ich haben wieder in e. gewohnt, in meinem elternhaus. mein vater war, wie auch in der realität, eigentlich schon ein jahr tot, aber er war dann wieder da und lief in unserem haus rum. er sah auch ganz komisch aus, irgendwie viel kleiner und total verkrüppelt mit einem krummen rücken. er sah aus wie so ein kleiner gnom. ich hab mit meiner mutter geredet und meinte so: „was macht baba hier? der ist doch tot!?“ (ich hab meinen vater immer „baba“ genannt und nie „papa“, ich identifiziere ihn auch gar nicht mit „papa“.) sie hat mich nur überfragt angeschaut und antwortete: „keine ahnung!“ – „weiß baba, dass er tot ist? hast du es ihm gesagt?“ – „ich trau mich nicht, es ihm zu sagen, nachher wird er sauer.“ – irgendwann hat sich dann mein vater mit mir unterhalten und ich sagte in einem skeptischen, zweifelnden ton: „baba, du weißt, dass du eigentlich tot bist?“ – er war super verwirrt, fühlte sich fast schon angegriffen: „hä, was redest du da?!“ – „du bist letztes jahr gestorben, weißt du nicht mehr?“ – „so ein quatsch“, er wurde richtig sauer, ist weggelaufen und hat vor sich hergeschimpft. meine mutter und ich haben uns nur total überfordert angeschaut und hatten beide irgendwie angst vor dieser gestalt in form meines vaters. dann bin ich aufgewacht. seltsamer traum.

 

tobi ist zurückgekommen. ich höre mal auf.

suzaku

2 Gedanken zu „Heimlich verknallt. Schmerz und Sehnsucht. Und gruselig.

Kommentar verfassen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen