Heute gehe ich über diese Brücke und alles, was bleibt, ist die Erinnerung.

Heute gehe ich über diese Brücke und alles, was bleibt, ist die Erinnerung.

als kind und jugendlicher habe ich gerne celine dion gehört. das war meine absolute göttin, seit ich das erste mal „think twice“ gehört habe, so mehr oder weniger. witzigerweise habe ich von dem lied nur ein cover gesehen, in der „soundmix show“, wo die damalige gewinnerin das lied nachgesungen hatte. ich fand das lied so schön und hatte das als kind jahrelang im kopf. viel später, als ich dann auf den titanic-hype aufgesprungen war und celine dion entsprechend rauf und runter gespielt wurde, meinte mein vater, er habe noch eine alte celine dion cd, die könnte ich ja mal anhören. track 3 war „think twice“. sofort, als das lied angespielt wurde, dieses gefühl und dieser gedanke von: „OMG, DAS IST DAS LIED VON DAMALS!“ .. mein vater hatte die cd selber wegen diesem song gekauft.

heutzutage höre ich nur noch sehr selten celine dion. ich weiß auch nicht. manche sachen begleiten einfach einen jahrelang, das ganze leben lang, weiter und manche gehen irgendwie in der versenkung unter. im alltag. da war man einmal zu faul, die musik aufs handy zu spielen oder in irgendeine cloud zu ziehen und dann entscheidet das eventuell darüber, ob dieses oder jene lied dein leben prägt oder nicht.

gestern vormittag, kurz bevor ich zur arbeit gefahren bin, hatte ich so einen gedanken im kopf, total random und unwichtig, der mit „oh, dann kommt alles wieder hoch lol“ endete und plötzlich hab ich gedanklich angefangen theatralisch eine zeile aus „it’s all coming back to me now“ zu singen.

seitdem höre ich das wieder.

jetzt habe ich bestimmt ein halbes jahr lang nicht mehr daran gedacht, und gestern kam er mir wieder in den kopf. ich bin zur arbeit gefahren, das celine dion lied dröhnte durch die boxen und irgendwie, wenn auch „it’s all coming back to me now“ überhaupt und rein gar nichts mit ihm zu tun hat, hat es mich an ihn erinnert.

eigentlich kann ich gar nicht groß etwas dazu schreiben, denn es ist nichts weiter passiert. es ist einfach… nichts. und das meine ich.

es ist faszinierend, wie menschen in dein leben kommen, dich total beeinflussen, berühren, du sie tief in dein herz einschließt und dann .. egal, unter welchen umständen und aus welchen gründen, sie einfach wieder gehen. und man selbst bleibt da, wo man immer war, und .. eigentlich ist alles wie immer, wie davor eben auch, aber man ist um die erfahrung und die erinnerungen reicher, die dieser mensch hinterlassen hat.

ich hab seit monaten nicht mehr richtig mit ihm geredet, er hat sich gemeldet, als er das von meinem vater gehört hat, und gefragt, wie ich damit klar komme. seither nur .. ein paar .. klicks. wenige worte. hier und da mal, nix besonderes. weder von mir, noch von ihm. nie wieder gesehen.

und da fragt man sich: denken diese menschen auch mal an mich zurück? – und ich meine das nicht mit diesem… verzweifelten hintergrund, sondern einfach nur der neugierde wegen.

als ich dann auf arbeit angekommen war und über die brücke zum büro lief, die ich jeden tag laufen muss, war der ganze himmel rot-orange erleuchtet vom sonnenaufgang. ich hatte nie einen großen sinn für … schöne aussichten. tobi ist da ganz anders. der könnte stundenlang irgendwo stehen und einen sonnenuntergang oder von einem berg aus das tal betrachten. er auch. ich habe ihm mal, als er mich eines der vielen male morgens angechattet und mir einen schönen guten morgen gewünscht hatte, genau die aussicht geschickt. den sonnenaufgang von der brücke aus fotografiert. als ich gestern wieder da langgelaufen bin, musste ich daran denken. früher hätten wir da noch geschrieben. jeden tag.

und heute gehe ich über diese brücke, sehe den gleichen sonnenaufgang, den ich um diese uhrzeit immer sehe, und frage mich, ob es irgendetwas gibt, das ihn auch an mich erinnert. oder ob alles verschwunden ist, wie auch unser kontakt verschwunden ist.

mit größter wahrscheinlichkeit werde ich ihm bald wieder über den weg laufen. das erste mal seit…. dem. keine ahnung, ob ich die wunde wieder aufreißen will, eigentlich nicht. aber ich komme nicht drum rum. und wie man weiß, halte ich von flucht sowieso nichts. wir werden uns genau da wiedersehen, wo wir uns kennengelernt haben. wo er mich angesprochen hat und ich mir dachte: „was das denn für einer?“

selten hat mich ein mensch so .. zerrissen hinterlassen. nicht zerrissen im sinne von verwüstet, emotional zerbrochen oder am boden zerstört, sondern im sinne von.. zwiegespalten, irritiert. ich glaube, ich kenne ihn sehr gut. und bin ich mir sicher, ich hab keine ahnung von ihm. ich kann ihn ziemlich gut einschätzen. und eigentlich gar nicht. ich glaube, noch nie haben sich beide seiten so .. intensiv und so richtig, so bestätigend angefühlt, dieses wissen und dieses nicht-wissen in einem. ich glaube ihm alles, was er sagt, und gleichzeitig gar nichts. ich habe ihm mal gesagt, dass ich meistens schon vorher weiß, wie meine mitmenschen um mich herum auf diese und jene sache reagieren, wenn ich ihnen etwas erzähle. aber jedes mal, wenn er antworte, wäre ich irritiert und denke mir: „oh wow, so kann man’s auch sehen.“ seine art zu denken war für mich einfach… erfrischend. neu. anders. ein bisschen erinnert mich das gerade an uli, den woytonboy. den fand ich anfangs auch so .. ganz anders als andere, wenn sich das auch in einem ganz anderen rahmen bewegt hatte, auch in einer ganz anderen intensität, und auch nicht lang anhielt. „ich finde mich jetzt nicht so besonders, sondern ziemlich durchschnittlich“, hat er damals gesagt und ich weiß, dass er das auch wirklich so gemeint hat. mal eins der dinge, denen ich mir sicher bin.

keine ahnung, ob er mich wiedersehen will. oder wollen würde. er hat eigentlich genauso wenig die wahl wie ich. ich mache mich auf eine riesen enttäuschung, eine mega verletzung gefasst.

und wenn ich zurückblicke, dann frage ich mich, wie ich irgendwann mal über all das denken werde.

auf arbeit ist hinter mir ein schrank, und dahinter dann die tür zum gang. im sommer ist die tür meistens offen, damit die luft durchzieht. gestern lief holly den gang entlang und hat dabei telefoniert. er hat gelacht. mittlerweile sehe ich holly nur noch sehr selten, vielleicht zweimal im jahr. habe seine stimme gehört, als er telefoniert hat. musste plötzlich lächeln. dachte an damals, an all die mittagspausen, an die vielen lustigen gespräche. nur an die guten zeiten, wenn mir die schlechten auch noch sehr gut in erinnerung geblieben und bewusst sind.

ich denke daran, wie hardcore ich in holly verknallt war. auch wenn das sowas von… unsinnig, absurd und absolut… lol, weird war. unrealistisch, strange und ewww.

zurückblickend ist die holly-geschichte nur mit einem zu beschreiben: totale geistige umnachtung. das ist auch genau das, was ich immer dazu sage, wenn tobi und ich mal irgendwie über holger sprechen, was aber sowieso nur sehr selten vorkommt.

ich fühle immer noch diese verbindung. und ich fühle immer noch diese .. bereicherung. egal, wie es heute ist. es ist, wie ich es auch schon vor einer gefühlten ewigkeit geschrieben habe. ich fühle mich auch jetzt noch, nachdem .. er mich… zurückgelassen hat, lebendiger als vorher schon, wacher, offener, noch etwas bewusster. ich fühle mich, als würde schmerz noch ein bisschen mehr weh tun und liebe noch etwas tiefer gehen. keine ahnung, ob man das ihm direkt zuschreiben kann, oder ob er mir einfach nur die inspiration dazu gegeben hat, dieses bewusstsein, das empfinden selbst zu entwickeln, aber schlussendlich ist das auch nicht so wichtig.

ich fühle einfach noch mehr leben und das, obwohl ich vorher schon dachte, es ginge nicht mehr.

suzaku

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