Nicht mal das Tagebuch.

Nicht mal das Tagebuch.

es ist 20.22, montagabend. tobi zockt und ich hab quasi den abend für mich. oder sagen wir die stunde, in der ich noch wach bin, wenn er schon zocken ist.

ich höre die filmmusik zu „rendezvous mit joe black“ und eigentlich… würde ich jetzt normalerweise voll den super leidenschaftlichen eintrag hinschmettern, über alles mögliche, super emotional und mitreißend. das hätte ich früher gemacht… 2016? … 14? … 08? … keine ahnung. früher hätte ich das gemacht.

und heute.. heute sitze ich vor dem virtuellen leeren blatt papier. nicht weil ich nicht kann, sondern weil ich nicht darf. mein schwarzes loch. und normalerweise würde ich at least mit irgendeiner freundin drüber reden, wenn schon nicht drüber schreiben, aber selbst das kann ich nicht.

mir ist einfach klar, dass ich keinem vertraue. niemandem. die angst ist viel zu groß, dass … es … scheiße wird. die angst ist größer etwas zu verlieren als das verlangen, mit irgendjemandem zu reden. und mit irgendjemandem zu reden, dieses verlangen ist sehr groß. sehr groß.

 

ich kann gar nichts sagen. gar nichts. nicht mal, wie es mir geht.

wisst ihr, worauf ich gerade lust hätte? .. auf mein altes tagebuch. nicht diese seite hier, nein, das ganz alte, bis 2017. und ich vermisse „mein zimmer“. ich glaube.. ich vermisse das gerade nur, weil .. das war … hm. es gibt einmal einsamkeit und es gibt alleinsein. alleinsein ist schön. ich finde es schön, alleine zu sein. um ehrlich zu sein, bin ich am liebsten allein. ich meine, ich halte es in gesellschaft schon auch aus, aber am liebsten bin ich für mich. und es gibt einsamkeit. diese einsamkeit, die man auch inmitten von vielen menschen spürt. alleinsein genieße ich, einsamkeit nicht. wenn ich jetzt auf mein leben schaue, sehe ich … wenig alleinsein, aber relativ viel einsamkeit. früher war das umgekehrt. zumindest .. möchte das mein die vergangenheit glorifizierendes gehirn glauben.

 

früher.. da konnte ich das doch auch irgendjemandem erzählen. ich meine, da war immer irgendjemand. man hatte für jedes wehwehchen irgendjemand anderen, der einem zugehört hat. ich meine.. habe ich mich aufgeregt über irgendwas, war die eine freundin da. zack bum, im whatsapp mal ne minute ausgekotzt oder fünf, kam ein entsprechender hass-sound zurück und man hat sich gegenseitig in wut geredet, aber dann.. war auch wieder gut. oder brauchte man irgendwie jemanden, der einem die wunden geleckt hat, dann.. ist man zu jemand anderem hingegangen. so richtig dicke war man dann quasi mit niemandem, also man musste, je nachdem, was man sich als antwort erhofft hatte, immer die person rauspicken, die einem genau das gibt, was man gerade hören will. schon praktisch, wenn man sich selber so betrügen kann, wohlwissend. man manipuliert sich selbst, indem man genau weiß, zu wem man hinrennen muss, um nie aus der komfortzone rauszumüssen. oder vielleicht, um sich genau da rauszuholen, aber immer genau das, was man eigentlich selber.. initiiert. nichts geschieht unvorhergesehen.

heute.. da picke ich niemandem raus. nicht mal das tagebuch.

nicht mal das tagebuch.

suzaku

7 Gedanken zu „Nicht mal das Tagebuch.

  1. Der Eintrag hat gesessen… und mich sehr nachdenklich gemacht; glaube ich docke wahlweise auch da an, wo passende und gerade gefällige Reaktionen sicher zu erwarten sind; tut in dem Moment ja auch gut, hilft drüber, aber weiter eben nicht :/

  2. Dieser Eintrag tut weh. Alle Vergleiche hinken, aber ich glaube, meiner Frau geht es gerade in der heutigen Zeit – zumindest ab und zu, aber mit zunehmender Tendenz – ähnlich. Dann trinkt sie viel Wein, aber das hilft natürlich nicht. Ich versuche, immer wieder Vorschläge zu machen, was wir tun könnten.Versuche, das „Ich“ und „Du“ immer wieder zu einem „Wir“ zu verwandeln. Doch das klappt nur manchmal. Oft endet es im Streit. Außer Wandern gibt es ja nicht viel. Sie malt, ich versuche zu dichten. Etwas fotografieren. Heute kommt das bestellte Fotobuch 2020. Jetzt wollen wir gemeinsam einen kleinen Filmsketch drehen, den wir dann auf youtube veröffentlichen werden, und in dem wir uns beide über die momentane Situation auskotzen.Sie sucht verzweifelt soziale Kontakte, da sie ein offener, neugieriger Mensch mit südlicher Art ist. Ich brauche Kontakte eher weniger, da ich einen autistischen Charakter habe.
    Ich weiß, dieser Kommentar hilft dir wahrscheinlich wenig. Oder vielleicht doch? Die Verzweiflung gibt es zur Zeit wohl bei vielen Menschen. Bei manchen mehr, bei anderen weniger.
    Ich wünsche dir von Herzen, dass es dir gelingen möge, dich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf des täglichen Grauens herauszuziehen.

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