Schokomuffins.

Schokomuffins.

manchmal bringe ich zur arbeit kuchen mit. jetzt im herbst hat es wieder viele äpfel gegeben und da wir am stadtrand wohnen und es hier viele felder, wälder und wiesen gibt, stehen entsprechend viele apfelbäume rum, wo wir auch (oh oh, mundraub) viel gesammelt haben. scheint aber niemanden zu stören, die ganzen bauern, die da auch arbeiten und so, juckt es nicht und die halbe stadt sammelt da.
so kam es, dass wir circa zwei wäschekörbe äpfel im keller stehen haben und hin und wieder backe ich einen apfelkuchen, den ich mit zur arbeit mitnehme.

letzte woche brachte ich wieder einen mit und habe sie an verschiedene kollegen verteilt. nicht mehr unbedingt an die jungs, denn die haben eh nie viel gegessen, wenn, dann nur dieser eine kollege, dessen vater ja gestorben war, der freut sich immer über gebäck und wertschätzt das ganze auch.

durch meinen neuen sitzplatz komme ich jetzt auch öfter mit anderen kollegen ins gespräch, was mir sehr gefällt und einen von denen habe ich sogar auf diesem stadtfest, von dem tobi ich doch mit diesen scootern heim gefahren sind (so als erinnerungsmerkmal an manche von euch), getroffen und mich mit dem unterhalten. in meinem vollsuff stand ich da mit einem anderen kollegen, dieser eine lief an uns vorbei und grüßte uns und ich meinte nur: „dich kenn ich! keine ahnung woher, aber dich kenn ich!“ xD mein kollege meinte: „ja klar, das ist der gerhard, der ist in deiner abteilung, sitzt nur ein paar plätze von dir entfernt…“ – „oh shit, du hast recht.“ XDDDD seither unterhalten gerhard und ich uns öfter.

letzte woche bot ich ihm ein stück apfelkuchen an und er meinte: „ist der vegan oder ist der normal?“ – „na hör mal, was heißt hier ’normal‘? und ja, er ist vegan“, lachte ich. – „ja weißt du, vegan schmeckt mir nicht so, ich finde, in einen kuchen gehören schon eier und milch“, aber er hat trotzdem einen genommen. der scheint ihm dann so gut geschmeckt zu haben, dass er nach einer stunde nochmal kam und gefragt hat, ob er noch ein zweites stück haben kann. klar, warum nicht? .. – „ja weißt du, normalerweise sind vegane kuchen so bröckelig und fallen direkt auseinander, deiner geht noch.“ – „mich wundert, dass du überhaupt schon mal bewusst veganen kuchen gegessen hast“, wir unterhielten uns ein bisschen über das thema und das wars. – „aber *deiner* ist trotzdem echt gut!“ …. trotzdem. und der kuchen war übrigens etwas bröckelig, weil er über 1kg apfel beinhaltete und entsprechend wenig teig. den backe ich seit jahren schon, früher eben noch mit milch und ei, heute mit wasser und eiersatzpulver, und er hatte stets die gleiche konsistenz.

okay, challenge accepted.

ich holte mein altbewährtes schokomuffin-rezept raus und machte die. holger hatte sich eh neulich etwas „beschwert“ da drüber, dass ich ja schon lange nichts mehr mit schokolade gebacken hätte. muss leider sagen, dass es mich mit freude erfüllt, ihm seinen wunsch zu erfüllen. es freut mich, wenn ich die dose mit den muffins auf den tisch stelle und seine funkelnden augen sehe. er strahlt dann immer wie ein kleiner junge, der sich im supermarkt etwas vom süßigkeitenregal rausnehmen darf.

ich verteilte also die schokomuffins und sie stießen wieder auf begeisterung, jeder liebt diese muffins. als gerhard dann an meinem platz vorbeilief, hielt ich ihn direkt an und meinte, er solle sich beim nächsten kaffee einen muffin abholen. ihm hatten sie auch richtig gut geschmeckt und er meinte gleich: „also wenn ich dich irgendwie beleidigt haben sollte, dann war es nicht so gemeint. hatte nur einmal veganes gebäck probiert und das war nicht so der renner, aber das, was du machst, ist echt super.“
etwas später kam er dann nochmal vorbei und meinte: „wieso machst du das eigentlich? aus mitleid den tieren gegenüber?“ – „naja.. ich finde es auf voller linie besser.. ethisch wegen der tiere, gesundheitlich, ökologisch.“ – „ökologisch? wieso das, was hat das damit zu tun?“ – ich erklärte daraufhin nur mit ganz wenigen sätzen den zusammenhang zur viehhaltung und schmiss ihm regelrecht drei fakten hin: „1000l wasser für 1l milch. 16kg getreide für 1kg fleisch.“ er scheint sich sehr für die umwelt zu interessieren, zumindest hörte ich das so raus, wir sprachen über autoabgase und co. als er zurück zu seinem platz gehen wollte, meinte ich lachend: „einen noch! für 1kg krabben 9kg beifang.“ – „beifang?“ – „fische, die bei der fischerei auch sterben müssen. delfine, die ungewollt im netz landen zum beispiel.“ – das schien ihn getroffen zu haben, zumindest so sein gesichtsausdruck. – „jetzt hab ich ein schlechtes gewissen.“ ich lachte: „brauchst du doch nicht haben, immerhin hast du doch nun einen veganen muffin gegessen, der gar nicht mal so bröckelig war.“ ich grinste. er lachte auch und meinte: „trotzdem. das hat jetzt nicht geholfen.“

am nächsten morgen lehnte er sich an meinen schrank neben meinem schreibtisch und meinte: „du hast mich gestern richtig zum nachdenken gebracht..“ – „wieso?“ – „weiß nicht, das ganze essverhalten. ich habe mich gestern noch lange mit meiner frau unterhalten über das thema und so, wie das auf der welt hier passiert, das ist doch nicht richtig.“ – wow, mit solcher resonanz hab ich echt nicht gerechnet. wenn ich von sowas erzähle – was ich ohnehin nur auf nachfrage tue – dann mache ich das meistens auch sehr locker und mit ein paar witzen zur aufheiterung, auch wenn das thema eigentlich ein ernstes ist, ich jedoch nicht als militanter veganer erscheinen will und stets betone, dass es ja im ermessen des einzelnen liegt und natürlich jeder machen kann und soll, was er will. wir sprachen noch weiter über das thema, ich hatte ihm empfohlen, wenn ihn das thema noch weiter interessiere, sich „cowspiracy“ anzusehen, sollte er netflix oder amazon prime haben.

nach der mittagspause kam er dann stolz daher und meinte: „weißt du was?“ – „was denn?“ – „ich hab vorher das steak, das ich bereits gestern reserviert hatte, abbestellt und habe das vegetarische gericht gegessen, die linsen.“ wow. ich habe ihn sofort gelobt und war zugegebenermaßen sehr überrascht. genauso überrascht, als mir tobi vor ein paar monaten das erste mal das gleiche stolz erzählt hatte. – „na dann bin ich echt gespannt, was du über die dokumentation sagst, wenn du sie guckst.“ – „ich hab vorher in der mittagspause schon danach geschaut, auf amazon kann man die dvd für 3,99 laden. netflix hab ich leider nicht. aber das geld isses mir wert. das guck ich auf jeden fall.“

wow. hätte ich nicht gedacht. im normalfall erntet man eher unverständnis, den meisten ist es nach anfänglicher neugier egal, und viele wollen sich gar nicht damit konfrontieren, weil sie zum teil sogar selbst schon zugeben, dass, wenn sie mehr wüssten, ihre heile welt zerstört werden würde, was sie nicht wollen.
erinnert mich an diese andere kollegin. immer, wenn ich kuchen mitbringe, laufe ich auch direkt quer durch das büro und gebe meinem anderen veganer-freund in der abteilung ein stück ab, da er ja bei mir sicher sein kann, dass nix tierisches drin ist. seinem nebensitzer, ein ganz lieber franzose, gebe ich auch immer etwas. neben den beiden sitzt eine, die kann mich nicht ab. grundsätzlich diese abteilung kann mich nicht leiden, ich weiß vom witzbold, dass die darüber lästern, dass holger und ich zusammen mittagessen gehen und sie finden es peinlich und erbärmlich, wie ich mich beim abteilungsleiter ‚einschleime‘. und hätte der witzbold mir das nicht erzählt, hätte ich mir das auch denken können (tat ich vorher schon), denn ihre abfälligen blicke von oben herab sprechen bände.

dieser einen kollegin, die mich nicht leiden kann, bot ich ja auch schon kuchen an, worauf sie mich aggressiv anzischelte: „für mich nix veganes!“ – überrascht prustete ich leicht in mich hinein und ging weiter. und die hängt die ganze zeit mit einer anderen rum. von der anderen weiß ich nicht, ob die auch aktiv an der lästerei mir gegenüber mitgemacht hat, die erscheint mir eigentlich nicht so, als ob die das jucken würde. jedoch hab ich neulich bei den muffins ihr auch einen angeboten, weil sie halt als einzige daneben saß und ich dachte mir, gut, da sitzen drei leute und zweien gebe ich was. das kommt ja schon assi, wenn ich der dritten gar nix abgebe, ist jetzt was anderes, wenn da noch eine ganze abteilung sitzt und ich nur ein paar wenige muffins habe. (ich denke hier immer an so eine geschichte aus der bibel, wens interessiert, soll mir bescheid geben, die kann ich ja auch mal erzählen.) also hatte ich sie auch gefragt, ob sie einen muffin wollte, sie grinste überrascht und meinte: „ach wenn du so fragst..“ und nahm einen.

einen tag später traf ich sie auf der toilette und sie meinte, der muffin hätte spitzenmäßig geschmeckt und ob sie das rezept haben könne. wow. – „ja, der war sogar vegan!“, witzelte ich stolz und lachte. sie war in der tat wirklich beeindruckt, vorallem, als ich meinte, man brauche dafür keine schnickschnack-zutaten wie sojamehl oder gemahlene hexennasen und kichererbsenextrakt. – „ha, wieder jemanden bekehrt!“, alberte ich, als ich die toilette verließ und ihr versprach, das rezept per mail zu schicken. sie schmunzelte über meinen scherz. und ich muss sagen, so ein kleines bisschen war damit nicht gemeint, dass ich sie bzgl. der veganen ernährungsweise bekehrt hatte, sondern vielleicht auch, dass ich nicht der ursprung allen bösens bin, so, wie es ihre gesamte gruppe vermutlich tagtäglich denkt, wenn ich zur mittagszeit mit holger zur kantine hochlaufe und die augenpaare herablassend über die bildschirme hervorblinzeln.

holger hatte sich über die muffins übrigens auch richtig gefreut. das war an der mittagspause auch noch ein nettes thema. da saßen holger und ich zusammen am tisch, der sympathische und der fo-mensch setzten sich zu uns und später kam dann noch der beste anschreiben der welt geschäftsführer dazu. der fo-mensch ist ja auch so ein ganz lustiger und der geschäftsführer fragte mich neugierig: „na frau suza, was haben sie denn heute gegessen?“, als er sah, dass ich meine thermobox dabei hatte und keinen salat von der kantine nahm. – „ach, nur gemüse mit nudeln, wie immer.“ – der fo-mensch lachte und sagte: „ja, .. es roch wie immer und es hatte die konsistenz wie immer.“ – „eyyyy, was solln das heißen!?“, meckerte ich grinsend und er prustete: „niiix, gar nix!“ – „ich hab heute schon ganz wundervolle schokomuffins mitgebracht, der sympathische und holger haben schon geschwärmt!“, holger meinte gleich, die waren ganz lecker und der fo-mensch blockte gleich schmunzelnd: „das prallt an mir ab!“ seit er die 17kg abgenommen hat, ist er sehr bestrebt, dieses gewicht auch zu halten. – „ja ich weiß, dich kann man nicht so schnell um den kleinen finger wickeln“, ich stieß ihm in die seite und zwinkerte: „aber weißt du was?“ – er grinste nur erwartungsvoll – „du bist auch nicht wichtig für mich.“ alle am tisch prusteten und lachten, ich auch lol. der fo-mensch zeigte in holgers, und auch so leicht in die richtung des geschäftsführers und meinte: „ja ich weiß, das geht so eher in diese richtung.“ holger strahlte stolz: „ja, ich hab zwei gegessen! bin also doppelt wichtig!“, er wandte sich sofort breit grinsend zum geschäftsführer und meinte: „herr geschäftsführer, möchten sie schokomuffins?“, welcher gerade am essen war und bei der frage in sich hineinschmunzelte. – ich meinte gleich stolz und mit guter laune: „ja, herr geschäftsführer, ich hab noch fünf stück, da können sie sich also noch um einiges wichtiger machen als herr holger.“ (nicht, dass er nicht eh schon um einiges wichtiger wäre, also zumindest, was seine position angeht xD) nun lachte er, meinte aber, ihm würde das zeitlich leider nicht mehr reinpassen. hach ja, ich weiß schon, wie man die herren besäuselt lol. oder wie so einige um mich herum mittlerweile sagen: du und deine alten männer. lol. ja, irgendwo hat jeder talente. ich bei alte-männer-schleimerei. bin halt peinlich und erbärmlich, ist okay. xD

so. eigentlich wollte ich gar nicht so viel schreiben, aber .. ja, da kommt eine kleine geschichte zur nächsten kleinen geschichte. eigentlich fiele mir jetzt noch eine ein, aber die ist… nicht so klein und nicht so lockerleicht. ein ander mal.

suzaku

6 Gedanken zu „Schokomuffins.

    1. klar doch 🙂
      3 tassen mehl, 2 tassen zucker, 1 teelöffel salz, 2 teelöffel backpulver, 1 tasse wasser, 2/3 tassen öl, 1 tasse kakao, einen guten schuss pflanzliche milch oder mehr wasser (damit die konsistenz flüssiger wird), 1 päckchen vanillezucker – das alles vermengen, in die förmchen (nicht ganz voll machen, am besten so 1cm oben luft lassen, da sie sehr gut aufgehen) und bei 160 grad umluft circa zwanzig minuten backen 🙂

  1. Es kommt einfach nur darauf an, ob es schmeckt.
    Mir schmeckt z.B. Fleisch nicht so besonders, darum landet es fast nie auf meinem Teller. Aber ich mag auch Bier und Hochprozentiges nicht. Um Mangos und Papayas mache ich ebenfalls einen großen Bogen.
    Vegane Muffins dagegen schmecken mir, aber auch Forelle oder Scampis.

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