Stille.

Stille.

die messe steht vor der tür. übermorgen in einer woche – an meinem geburtstag – gehts los. wir treffen uns in frankfurt, er ist ja das wochenende über in holland mit seinen kumpels, plus frauen. irgendwie vom fußball aus, machen sie jedes jahr.

ich weiß, dass ich jeden damit aufn piss geh. ich nerve euch, ich nerve mich, nerve meine freunde um mich herum, die ich damit noch nicht mal mehr vollheule, weil ich weiß, dass es denen aufn piss gehn muss. mittlerweile behalt ichs einfach für mich.

gibt immer mal wieder phasen, in denen es mir ganz gut damit geht, und dann gibts wieder beschissene zeiten. zur zeit ist’s eher beschissen. hängt mit der messe zusammen. vier tage, drei abende. keine ahnung, wie oft man sich da sieht und so, aber abends.. denke ich schon, dass wir da zusammenhängen. zumindest den ersten abend, an meinem geburtstag, werde ich bei ihm sein, denn sonst kenne ich ja nicht wirklich viele leute dort. zwei flüchtig, die aber jeweils wiederum richtig viele kennen, also werde ich mit denen eh nicht viel zu tun haben, und dann noch zwei meiner jungs. der eine ist muffi, mit dem ich eh nicht so hardcore kontakt habe (mal ne blöde frage zwischendurch – liest das hier überhaupt irgendjemand, wenn ich von der arbeit erzähle? XD ich würde es wohl als leser mittlerweile nicht mehr lesen..) und der andere ist ja der, dessen vater erst kürzlich verstorben ist. wobei ich von dem auch noch nicht weiß, ob der überhaupt zur messe kommt. er hat es eigentlich vor, meinte aber, wenn die leute ihm blöd kämen, ließe er sich dafür auch krank schreiben. davor hab ich, um ehrlich zu sein, schon übelst den horror, weil ich angst habe, dass dann sein job auf mich fällt – nämlich den kunden am stand unsere maschinen erklären. kriege da jetzt schon übelst den herzinfarkt. habe sowieso angst, dass ich das machen muss, auch wenn die jungs sagen, dass das nicht mein job ist – also auch vom gruppenleiter her. ich glaube auch, der gruppenleiter hält mich eh für so blöd, dass der mir das nicht zutraut. und da muss ich sagen, hab ich, glaub ich, schon eine gesunde selbstreflexion oder eben einschätzung bzgl. meines gruppenleiters, glaube nämlich echt, dass der mich für hohl hält und das nicht aufgrund irgendeiner psycho-ads-ich-bin-dumm-geschichte, sondern .. joa. ich kenne den, ich kenne mich, der muss mich für dumm halten xD was aber auch okay wäre, denn ich hab gar keinen bock da drauf, dass der mir so hardcore viel zutraut. sags euch, ich glaub, wenn ich kunden den dreck erklären muss, dann werd ich der erste sein, der da mit trinken anfängt, nämlich schon morgens zur messe XD aber im ernst.. gott sei dank war ich vor zwei jahren in der klinik und habe diese akzeptanz-geschichte gelernt, denn ohne dem würde ich jetzt schon wieder nächtelang nicht mehr schlafen können vor lauter angst, ich KÖNNTE ja die maschinen erklären müssen.

nun ja. zurück. das sind also die leute, die ich auf der messe bereits kenne. und ihn halt. keine frage, den ersten abend werde ich auf jeden fall bei ihm bleiben. wenn nicht eh alle abende. das kommt drauf an, wie er so drauf ist, also mir gegenüber. ob er seine distanzschiene fährt oder eben nicht. ich gebe zu, dass ich hoffe, dass er die nicht fährt. ich gebe zu, ich hoffe, er ist so, wie er immer ist, wenn er was getrunken hat.

 

seit mein gruppenleiter diese rücksprache mit mir hatte und mich da durch die blume kritisiert hat (wobei ich finde, dass seine kritik bzgl. meiner arbeit total banane war, denn ich hab jeden furz und dreck zu jeder zeit so gemacht, wie er es wollte. kann ich ja voll nix für, wenn er die aufgabe ständig ändert und ich sie daher nie abschließen kann…), ist meine angst wieder da. ich habe wieder angst, irgendwo anzurufen, ich habe angst, irgendwas zu äußern, zu fragen, etc. seit dieser zurückweisung von meinem chef und der kritik meines gruppenleiters. vorher war ich auf dieser hochwolke, alles auf arbeit war noch .. romantisiert, wolke 7, alles war unrealistisch schön, und plötzlich dieser bruch und so vieles ist wieder wie früher. habe teilweise morgens angst zur arbeit zu gehen, weil dieses und jenes sein oder passieren könnte. akzeptanz fällt schwerer als vorher noch.

 

ich kann nicht leugnen, dass ich mir für die messe wünsche, dass es wieder so wäre wie… vor meinem geständnis. nicht nur vor meinem geständnis, sondern .. wie im herbst. wenn ich reflektiere, wie es so war zwischen… ja, ihm und mir, so in den letzten monaten, dann war es schon so, dass die begeisterung anfangs größer war. also seinerseits. glaube ich. weiß nicht. naja, was heißt die „begeisterung größer“? – die neugier größer, glaub ich. ich wurde mit diesem.. täglich mittagessen irgendwie ein zu großer bestandteil des alltags, normalität, ein freund. irgendwie. vorher war ich .. geheimnisvoll und neu. interessant. keine ahnung.

 

nichts hat sich geändert. gar nichts. ich dachte echt, dass sich mit einem geständnis irgendwas ändern würde. ich meine.. emotional bei mir. ich dachte, wenn ich es ihm sage, würde er entweder.. mich abstoßen, was mir das herz brechen würde, ich würde meine wunden lecken und alles wäre dann wieder gut. oder er würde sich mir nähern und sagen: „trifft sich gut, denn…“ – und ich würde so erschrocken sein und kalte füße bekommen, dass ich mich sofort zurückziehen würde. so wie es schon mal im ansatz war. so wie damals, als er mir im zweiergespräch dieses.. „noch nie so ein geiles vorstellungsgespräch gehabt“ gesagt und mich dabei so .. nah und eindringlich angeschaut hatte. als ich total perplex wurde und dachte: „whatthefuck geht gerade ab?“ ich fühlte mich.. wie in eine ecke gedrängt und versuchte sofort witzelnd, aber mit totaler innerer anspannung, irgendeinen witz rauszuhauen. er verzog bei meinem witz nicht einen funken seine miene, beharrte auf seine.. aussage und emotion, wiederholte sich, mehrmals sogar, und sah mich dann sogar noch eindringlicher an.
ich dachte, es würde wieder so laufen. er so.. eindringlich, konstant in seiner .. miene, ausstrahlung, emotion. und ich .. innerlich flatterhaft, ängstlich. so wie im auto. als er mich so verliebt anschaute und sein gesicht meinem so nahe war, er hatte gerade gesagt: „ich hab dich auch ganz arg lieb“, und schaute mich total verträumt an, sprach kein wort. mir kam dieser moment so lang vor, ich hatte angst, weil… er so still war. er sagte nichts mehr, sah mich nur verträumt an und es war… als würde er auf eine aktion von mir warten. genauso wie damals im zweiergespräch, als er mich so eindringlich ansah. es war, als hätte er mir ein bröckchen hingeworfen und würde darauf warten, fast schon darauf hoffen, dass ich mich draufstürzen würde. oder er würde mit mir spielen, mich testen, neugierig sein, wie ich weiteragiere. sehen wollen, ob meine gegenreaktion viel stärker wäre, ob ich einen schritt weitergehe. doch ich konnte nichts anderes tun als ebenfalls verträumt zurückzuschauen und…… die flucht zu ergreifen. ich dachte, seine reaktion auf ein geständnis würde mit größter wahrscheinlichkeit mir zur flucht verhelfen. oder zum rückzug. egal, welcher art, aber .. in jedem fall weg von ihm.

 

aber .. seht mich an. ich bin immer noch da.

wir haben zwar darüber geredet, aber es fühlt sich trotzdem so an, als hätten wir nie richtig darüber gesprochen. alles in allem würde ich mich wahrscheinlich immer so fühlen, auch wenn wir richtig darüber gesprochen hätten. allerdings.. war das gespräch damals schon unbefriedigend. ich konnte mit meinem chef nicht richtig darüber reden. konnte nicht das sagen, was ich sonst gesagt hätte, wäre er nicht mein chef.

 

 

am montag ist die beerdigung von dem vater meines kollegen. wir werden als abteilung geschlossen alle hingehen, obwohl fast niemand den vater kannte. mein chef kommt natürlich auch mit. ich habe ihn die ganze woche nun nicht gesehen, weil er ja im urlaub ist. gardasee mit seiner frau. montag dann zusammen zu dieser beerdigung.

ich höre diesen song und denke an die beerdigung von meinem guten arbeitskollegen letztes jahr, der gestorben ist, als ich in australien war. da war ich schon von der arbeit freigestellt. ich denke daran, wie wir in diesem wald standen und dieser eine typ ein lied auf der gitarre gespielt hat. die sonne schien durch die tannen hindurch, es war ein richtig heißer sommertag und wir standen alle nur da, stumm, und hörten dieser gitarre zu.

 

fenzas.

8 Gedanken zu „Stille.

  1. Ich lese auch die Arbeitsstories – allermeistens jedenfalls. Hin und wieder überfliege ich solche Abschnitte auch nur. 😉 Viele Grüße!

  2. „… XD ich würde es wohl als leser mittlerweile nicht mehr lesen..“ Hab aufgelacht. Bin da sehr bemüht drum, könnt jedoch sein, daß mir evtl. ein or zwei Beiträge noch entgangen sind, bedeutet aber nicht, daß ich sie nie mehr lesen werde. 😎

  3. Hab grad zu ende gelesen: Es scheint – und hoffentlich red ich da keinen alten Schnee – es scheint, als wäre er wirklich in Dich verliebt gewesen, aber habe es sich nochmal alles überlegt: Seine Ehe, was sie ihm bedeutet, was er von ihr fühlt, wie es mit ihr ist … Ja, ich befürchte, meine Worte tun Dir weh, wie kleine Giftpfeile, Einschüsse im Bauch, Du verstehst mich? Nur – das ist halt die Realität, das nüchterne Leben.

  4. Lese auch alles mit. Nur nicht zeitnah.
    Würde mir wünschen, du kriegst jetzt den Dreh weg, von diesem Menschen, und verläufst dich nicht immer und immer weiterhin in diese Kiste.

Kommentar verfassen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen