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Schlagwort: gedanke

Gedanken funktionieren in beide Richtungen.

Gedanken funktionieren in beide Richtungen.

ich irre mich nicht. er meidet mich. naja gut, er meidet mich nicht, bevorzugt nur den kontakt zu anderen.

heute morgen ist er zufällig – tatsächlich zufällig – zur gleichen zeit zum wasserspender gelaufen wie ich. hat mich normal begrüßt, normal mit mir geredet, wie immer. ich füllte meine flasche auf, während er, da die wasserspenderschlange größer war als die am kaffeeautomaten – zum kaffeeautomaten ging. normalerweise hätte ich mich dazugestellt, standen ja noch andere kollegen dabei. ich füllte die flasche auf und ging. normalerweise hätte ich mit ihm geredet. im gang traf ich dann den witzbold, hab kurz mit ihm geredet, dann kam er doch mit aufgefüllter flasche und kaffee vom automaten, ich lief mit allen zurück, unterhielt mich aber weiter mit dem witzbold.

frühstückspause. er sprach kein wort mit mir. grüßte mich zwar lieb und nett, wie immer, unterhielt sich aber nur mit seinem kollegen und ich bekam nicht mal einen blick ab, obwohl wir am gleichen tisch saßen. unterhielt mich mit souvlaki und meinem schulungskollegen.

die ganze zeit zwischen frühstück und mittag gelitten. ich bin nicht mehr seine premiumkollegin. ein bisschen frage ich mich, inwieweit ich mich selbst dazu gemacht habe – also zur nicht-premiumkollegin. immerhin fing ich mit dem meiden an, schon wieder. wirklich? ich glaube, diese noten sind so fein, die nimmt nur so ein hypersensi wie ich wahr. und er ist sowieso stumpf.

mittagessen. 11.55. früher habe ich es so gemacht, erstmal sein outlook ausgestalkert. hatte er besprechung bis um zwölf, bin ich extra früh in die kantine, um einen platz zu reservieren, damit er sich zu mir hinsetzen kann. hat er keine besprechung bis zwölf, hab ich kurz vor zwölf nachgesehen, ob er in seinem büro sitzt. wenn ja, habe ich ihn pünktlich zum mittag abgeholt. so ist es immer, seit wir zusammen mittagspause machen. besprechung – früher. keine besprechung – abholen. immer. nicht, dass es je so abgemacht war, es hat sich so ergeben und meine stalker-strategien haben sich so immer bezahlt gemacht.

er hatte keine besprechung. ich machte um 11.55 mittagspause, lief an seinem büro vorbei, sah ihn dort sitzen. nicht am telefonieren. bevor sich das so .. zur offiziellen mittagspausen-crew entwickelte, habe ich es immer so gehandhabt. an seinem büro vorbeigelaufen, in der kantine plätze reserviert und gehofft, er würde sich zu mir setzen.
ich holte ihn nicht ab. ich lief vorbei. hoch in die kantine. hoffte zugegebenermaßen einfach wie ganz früher, er würde sich zu mir setzen. es wäre komisch, täte er das nicht. vorallem wenn souvlaki bei mir sitzen würde. den liebt er.

ich saß da. kurz nach zwölf standen pünktlich die leute neben meinem tisch auf, sodass ich in der gesamten tischreihe alleine saß. keine sau weit und breit. von souvlaki und co keine spur. ich saß da. einsam. er kam zur kantine hinein. ich blickte nicht auf. tat so, als hätte ich ihn nicht gesehen. er kam mit seinem tablett, normalerweise strahlt er mich von der ferne schon grinsend an, heute sah er relativ normal aus. ich dachte mir insgeheim, dass er sich denkt: „verdammt, die sitzt da allein. jetzt muss ich mich ja zu ihr setzen und alleine mit ihr reden.“ auch wenn ich hierbei missachte, welche signale ich aussende. ihn nicht abholend, an seinem büro vorbeilaufend, obwohl er drin saß. nicht aufblickend, wenn er in der menge nach unserem tisch sucht. nicht aufblickend und strahlend, wenn er mit seinem tablett kommt. ich war zu sehr beschäftigt mich zurückgewiesen zu fühlen, um mich darum zu scheren, dass ich ebenso zurückweise.

wir unterhielten uns zu zweit. ziemlich lang sogar. in meinen kreisen bedeutet „lang“ fünfundzwanzig minuten. früher schwebte ich auf wolke sieben, früher wäre ich durchgedreht vor glück, hätte man mir am vorabend gesagt, ich würde morgen fünfzwanzig minuten alleine mit ihm reden können. ich war zu sehr beschäftigt mich zurückgewiesen zu fühlen.

wir redeten aber auch eher über traurige themen. auf das will ich nachher noch eingehen. später kam dann noch der konstruktionschef, mit dem ich im herbst auf dienstreise war, setzte sich zu uns. die beiden unterhielten sich sofort über irgendwelche chefthemen, später über autos. sehr selten und nicht mehr so herzlich schaute er mich zwischendurch an. wenig. freundlich, aber nicht mehr strahlemannmäßig. ich vermisse das, aber täte er das noch, würde es mir noch mehr weh tun, fürchte ich. keine ahnung. eigentlich egal. tut immer weh.

 

mehr war heute nicht. ich gehe auch nicht mehr zu ihm ins büro, zumindest tat ich das die letzten tage nicht. ich weise ab, auch wenn ich das nicht möchte. ich habe angst, ihm auf die nerven zu gehen, obwohl ich aber irgendwie befürchte, dass ich mit diesem spiel angefangen habe. nicht, weil ich mir gerne irgendwas vorwerfen will, nur fällt mir das immer auf, wenn ich den tag hier so vor dem pc revue passieren lasse. ich laufe an ihm vorbei, ich geh nicht mehr in sein büro, ich grinse ihn nicht mehr an, ich warte nicht mehr auf ihn, ich mache so vieles nicht mehr und dann wundere ich mich, dass er kontakt zu anderen sucht. irgendwie komme ich aus diesem strudel aber nicht mehr raus.

 

schwarz oder weiß. ich kann das nicht. ich kann keinen mittelweg. für mich ist sowas extrem schwer. abwerten und idealisieren. extrem schwer.

 

als ich so verletzt nach der frühstückspause gedankenverloren an meinem pc rumklickte, dachte ich nur daran: „ich bin nicht mehr sein premiumkollege. ich bin nicht mehr die, die mit hpa rumspringt. die eine, die immer bei holly ist.“ mir fiel ein stift runter, ich beugte mich nach unten und plötzlich schoss es mir durch den kopf. andere könnten ja denken: „oh, der hpa. der, der immer mit der fenza rumspringt. der eine, der immer bei fenza ist.“ plötzlich kam es mir in den sinn, dass es ja auch leute geben könnte, die denken: „oh man, mit der würde ich auch gerne mal mittagessen. wie macht er das bloß?“ und nicht: „oh man, mit dem würde ich auch gerne mal mittagessen. wie macht sie das bloß?“ – wenn man sich so.. abhängig macht, vergisst man, dass alle fantasien und gedanken auch in die andere richtung funktionieren.

das ist ein gedanke, der trilliarden kilometer entfernt ist, wenn man in der kantine sitzt, allein in der tischreihe, alle unterhalten sich und essen zusammen und ich blicke auf den eingang und warte sehnsüchtig auf ihn. es gibt da so einen mann, keine ahnung, wer das ist, ich glaube ein monteur, der sieht sehr nett und sympathisch aus. jeden tag, wenn ich mich nach hpa umsehe, blicke ich zufällig auch in seine richtung, weil er auch immer auf dem gleichen platz sitzt und jedes mal lächelt er mich an, obwohl wir noch nie miteinander geredet oder zu tun gehabt haben.

 

und wie ich so diesen gedanken hatte, als ich nach meinem auf dem boden liegenden stift griff, wurde ich sauer. ich dachte den gedanken: „der hpa geht immer mit frau fenz essen. wie macht er das nur? mit der würde ich auch gerne mal mittagessen.“ und ich wurde sauer. mir preschten tausend erinnerungen durch meine birne, tausend sachen. umarmungen, in denen er sich an mich presste, berührungen, in denen ich seinen bart an meiner wange spürte, ich vermisse dich jetzt schon – ich dich auch, ich dachte daran, wie er mich im auto anschaute und sagte: ich habe dich auch ganz arg lieb. und in dem moment hätte ich ihm sein „ganz arg lieb“ am liebsten mit der faust ins gesicht gejagt. wenn man keinen bock auf jemanden hat, dann kann man auch solche sachen einfach nicht erwidern. und sagen: „ja, das ist ja ganz lieb von dir, aber.. in welche richtung läuft das eigentlich gerade? wie meinst du das?“ oh gott, ich bin einfach viel zu erwachsen, viel zu schlau, viel zu vernünftig, ich bin nur so scheißendämlich und ein opfer meine suchti-gefühle. aber im grunde genommen bin ich kein depp. und da war sie, pure abwertung. und so geht das immer hin und her. hiiiin und heeer. dann liebe ich ihn wieder hardcore und dann hasse ich ihn wieder wie die pest dafür, dass er .. gewonnen hat. ich denke immer, dass er gewonnen hat und ich verliere. ich bin der depp, der heulend jemandem irgendwas gestanden hat. dabei hätte mir das gegenteil genauso zugestanden, denn.. als ob er nie irgendwas empfunden hätte, wers glaubt ey *schnauf* XD .. nein, aber ich bin der geständnis-depp. narf. wobei ich sagen muss, dass ich das eigentlich nicht bereue. warum auch. anders wäre ich immer noch ein noch größeres opfer meiner gefühle.

 

 

ach egal. egal egal egal egal. egalo.

 

viel wichtigeres. ich habe noch einen kollegen, von dem ich eigentlich relativ selten erzähle. zumindest selten genug, um keinen permanenten spitznamen für ihn zu haben, anders wie zum beispiel beim großen bärtigen oder muffischlumpf. dieser kollege sitzt mir gegenüber und hat gleichzeitig mit mir angefangen, zumindest offiziell nach seinem studium, genau genommen ist er schon seit jahren in der firma, nämlich im zuge seines dualen studiums. somit nicht wirklich ein neueinsteiger. diesen kollegen konnte ich am anfang gar nicht ab, weil mir der irgendwie suspekt war und ich ihn nicht einschätzen konnte, mittlerweile ist er mir mitunter der liebste kollege. ich mag ihn nicht so sehr im kollegialen sinne, also das heißt, ich arbeite nicht so gerne mit ihm zusammen, weil er sehr enthusiastisch ist und mit seinem kopf zwei, drei gedanken vorbei, eher überstürzend, als dass man sich in ruhe mal etwas überlegt. aber man sehr gut alleine mit ihm reden, über vieles tiefgründige. neben dem großen bärtigen ist er der einzige, der zum beispiel über ads bescheid weiß. im vergleich zum großen bärtigen hat er sich auch irgendwie besser in die thematik einfinden könnten und gleich logische schlussfolgerungen gezogen und konkrete fragen dazu gestellt. eigentlich wollte ich ihm das mit dem ads gar nicht sagen. aber er ist sehr aufmerksam und spricht vieles auch dann direkt an, kritisierte zum beispiel an mir (also im sinne davon, dass ers lieber mal anspricht, bevor es mein gruppenleiter tut), dass ich in besprechungen oft abwesend wirke. ahahahaha. neulich war mein rechner zu langsam für ein programm und er hatte mir empfohlen, den laptop vom großen bärtigen, der zu der zeit urlaub hatte, und einfach da dann normal weiterzuarbeiten. ich zögerte und meinte stockend: „äh nee, danke.“ .. er grinste und sagte pfiffig: „ooook.“ etwas später ließ ich die szene revue passieren und meinte unter vier augen: „du denkst, ich hab keinen bock auf arbeit, ne?“ – „wie kommst du da drauf?“ – „weil ich auf den laptop vom großen bärtigen verzichtet habe.“ – er grinste über seinen bildschirm hinweg und meinte: „ja, das denke ich.“ – ich schmunzelte und er bohrte nach. da meinte ich dann, ich könne nicht parallel an zwei laptops zwei verschiedene arbeiten erledigen. ich kann das tatsächlich auch nicht. danach würde ich gar nichts mehr blicken und weder vom einen, noch vom anderen irgendwas verstehen oder mich dran erinnern, von beidem ganz zu schweigen. daraufhin erklärte ich dann die sachlage und ihm gingen plötzlich tausend lichtlein auf, weil, so offenbarte er mir dann, ihm noch mehr an mir aufgefallen war. was sonst niemandem auffällt, aber ich weiß ja, dass er ein überaus krass aufmerksamer kerl ist. gott sei dank ist er nie dabei, wenn holly und ich zeit miteinander verbringen. der hätte längst geblickt, wie der hase läuft. und in welche richtungen er schon gelaufen ist.

nun ja. ich bin abgeschweift. es geht um diesen kollegen.

heute wartete ich darauf, dass er kommen würde, weil ich ein gemeinsames projekt mit ihm habe. der große bärtige und ich scherzten etwas rum, weil dieser kollege übers wochenende in san diego war und am donnerstag fünf stunden auf seinen flieger warten musste. – „haha, ob der heute kommt? vielleicht sitzt er ja diesmal in san diego und wartet da auf seinen flieger nach frankfurt XD“ – „der kommt heute nicht“, meinte der gruppenleiter. – „wieso nicht? ist er krank?“ – „nein. sein vater ist gestern bei einem motorradunfall gestorben.“

 

keine ahnung wieso, aber mich nimmt sowas immer extrem mit. ich meine, ich kenne den kollegen ja auch erst seit einem halben jahr und diesen vater ja gar nicht, aber mich macht sowas immer fertig.

bei sowas muss ich immer an diese stille denken. diese stille, wie wir damals alle zusammen im esszimmer saßen, einen tag nach dem schlaganfall meines vaters, und niemand auch nur ein wort sagte. die zeit stand still. wie sie immer stillsteht, wenn solche schicksalsschläge passieren. wenn man sich plötzlich wie in einer anderen welt fühlt, obwohl alles trügerisch normal scheint.

ich starre nun seit fünf minuten auf diesen bildschirm und weiß nicht, was ich noch weiter schreiben soll. vorher, bei diesem oberflächlichen larrifarri-hpa-thema, da schossen die buchstaben nur so raus, doch jetzt.. ist da gar nichts mehr. ich denke an meinen kollegen und denke nur an diese stille, die dieses haus ein paar kilometer weiter nun umgeben muss.

 

fenza.

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