Browsed by
Schlagwort: geschäftsführer

Nichts wird komisch.

Nichts wird komisch.

„nichts wird komisch. nichts wird sich zwischen uns ändern. alles bleibt, wie es war“, sagte er nach meinem geständnis, als ich weinend ins telefon schluchzte.

ich glaube ihm das. irgendwie.. glaube ich ihm das. keine ahnung wieso. denn eigentlich müsste, wenn man die sache erstmal sacken lassen konnte, sich doch irgendwie.. ein rädchen im kopf drehen. dass es irgendwie eben doch anders werden muss. muss man nicht irgendetwas tun, wenn man als chef von seiner mitarbeiterin gesagt kriegt, dass sie gefühle für einen hätte?

heute fühlte es sich anders an. schon öfter hatte ich das gefühl, als würde es anders sein, auch wenn sich nichts ändern wird zwischen uns. doch ich glaube, das ist nur mein rädchen im kopf. ich glaube, da steckt bei ihm weitaus weniger hirn und berechnung dahinter, schrieb mal ein leser.

nach der frühstückspause lief ich nicht mit ihm zurück. er hatte direkt um 9:20, also punktgenau mit ende der pause, einen termin bei der geschäftsleitung. normalerweise warte ich auf ihn. ich dachte, er würde direkt ins büro des geschäftsführers gehen. ging er aber nicht. er lief mit einem kollegen zusammen in sein büro, um von dort aus dann weiter zu seinem gl-termin aufzumachen. unten beim ausgang des gebäudes, als die wege von ihm und seinem kollegen sich trennten und er vor mir lief, drehte er sich zu mir um, und meinte: „los, fenza, sonst wirst du nass“ – es tröpfelte leicht. ich beeilte mich, während er mir die tür aufhielt. – „heute um zwölf?“, fragte er. ich nickte. – „ich komme dann direkt hoch.“ – sagt er immer, wenn er bis genau um zwölf noch einen termin hat.

heute hatte ich pizzaschnecken dabei. der blätterteig musste weg. beim nächsten gang zum wasserspender hielt ich nur kurz am türrahmen zu seinem büro und meinte: „ich hab übrigens pizzaschnecken mitgebracht. kommst halt vorbei, wenn du magst..“ – er grinste: „oh danke, da werde ich mich später bedienen.“

zur mittagspause verspätete mich. ich unterhielt mich noch mit meinem gruppenleiter. es war fünf nach zwölf, ich eilte rauf zur kantine, sah dabei, dass er an seinem platz saß. ich grinste: „du bist ja doch da!“, er schaute auf, lächelte und sagte: „ja, ich muss aber noch was fertig machen, ich komme nach.“

zum essen setzte er sich neben mich. wir lachten wieder viel, sogar noch da, als sich dann einer der geschäftsführer neben mich setzte. es war mister „frau fenz, ihr anschreiben war das beste, das ich je gelesen habe“. da dieser links von mir saß und mein chef rechts von mir, konnte ich mich nicht zeitgleich mit beiden unterhalten und so kam es, dass ich mich heute auf den geschäftsführer konzentrierte. wir sprachen über kulinarische spezialitäten aus verschiedenen ländern, irgendwie kamen wir aufgrund meines veganen essens darauf. gingen dann über zu alkohol, souvlaki erzählte, er habe noch einen kater vom wochenende und ich meinte entzückt: „tja, mein wochenende war alkoholfrei. genau genommen war mein ganzes jahr bisher schon alkoholfrei.“ – blitzschnell schoss mir die szene nachts im a5 meines chefs durch den kopf, als ich ihn vor ein paar wochen verliebt anlächelte und in meinem rausch sagte, ich hätte ihn sehr lieb. – „oh moment… ich war ja mit euch aus.“ alle lachten. mein chef sagte: „tja, so viel zu: dein jahr war alkoholfrei.“ – „war es auch. ich trinke nur, wenn ich mit euch unterwegs bin. ihr verleitet mich dazu“, neckte ich. – „jaja, jetzt schieb’s auf uns. du bist über achtzehn, bist also selber groß. deine hand führte selber zum glas und das glas zum mund!“ – souvlaki lachte, zeigte auf meinen chef und ergänzte: „ja und wenn du ausgestempelt bist, ist er auch offiziell nicht mehr dein leitfaden.“ mein chef lachte ebenfalls, verwundert sprach er: „das klingt ja, als wäre ich sonst ihr erziehungsberechtigter!“ – „na kommt doch hin, vom alter her..“, piesackte souvlaki. wir alberten noch etwas rum, dass mein chef – laut unserem altersunterschied – also mit 16 schon als erziehungsberechtiger fungiert haben müsste, ich fügte passend zum gespräch hinzu, was wir erst neulich bei tisch redeten, als mein chef auf dienstreise war: „du weißt ja, die jüngste oma der welt war 23.“ – souvlaki grinste: „ja und die frau mit den meisten geburten brachte 69 kinder zur welt.“ mein chef schlug heiter die hände über seinem kopf zusammen, kurze zeit später nahm er sein tablett, verabschiedete sich und meinte: „also, ich muss jetzt wieder arbeiten gehen.“ – normalerweise wäre ich auch aufgestanden und wäre mit ihm mitgelaufen. es war noch nicht allzu spät, die pause war eher kurz gehalten, souvlaki und der andere kollege, der noch dabei saß, blieben sitzen. ich blieb auch sitzen. keine ahnung warum. ich wollte mich nicht so an holly dranhängen.

er holte wie jeden tag noch seinen espresso, als die anderen dann ebenfalls beschlossen, doch schon wieder zurückzulaufen. normalerweise hätte ich mich bei der kaffeemaschine zu ihm gestellt. tat ich aber nicht. ich lief an ihm vorbei. nicht dranhängen. als ich unten angekommen war – die stelle, an dem er mir morgens noch sagte: „los, fenza, sonst wirst du nass!“ – sah ich in der reflektion einer scheibe, dass er sich beeilte, er huschte die treppen hinunter. ich glaube nicht, dass er es meinetwegen tat. ich lief mit normaler geschwindigkeit zurück ins büro. er hat mich nicht eingeholt.

am nachmittag bearbeitete ich eine exceldatei für ihn. ich hatte eine frage. ich schlenderte in sein büro und sagte: „du, mister chef, ich hab ne frage zu dieser liste hier..“ – hatte die datei ausgedruckt. kleinste schriftart. er hielt den ausdruck weit weg und schaute skeptisch drauf. ich kicherte: „oh sorry, das kannst du sicher nicht lesen. soll ichs dir vorlesen?“ – konzentriert sah er auf das papier, was ich jetzt vorzulesen begann. – er beantwortete die frage, lächelte mich an, ich grinste: „alles klar. wenn mein boss das so sagt, dann mach ich das so“, ich tänzelte aus dem büro, während er mir grinsend nachsah und sagte: „dann is‘ ja recht.“ normalerweise hätte ich die gelegenheit genutzt, um noch etwas mit ihm zu reden.

eine stunde später ging ich nach hause. es war kurz, nachdem er von seiner letzten besprechung kam, fünfzehn minuten oder so, ich hatte, um ehrlich zu sein, ein schlechtes gewissen, weil ich ja wusste, er würde noch vorbeikommen wegen der pizzaschnecken. so eine gelegenheit lässt er sich selten entgehen, allerdings meistens immer erst später, weil er ja noch so lange meetings hat. ich nahm also meine tupperdose, lief zuerst zu einem anderen kollegen, mit dem ich öfter rede und der beim büro meines chefs sitzt, bot ihm welche an, dann spazierte ich in das büro meines chefs, hielt ihm die dose hin und sagte: „so, ich hau jetzt ab.“ – mit einem erleuchteten „ah“ breitete sich ein grinsen in seinem gesicht aus, als er die pizzaschnecken entdeckte, griff sofort hinein, bedankte sich und sagte: „du gehst jetzt schon?“ – „tja, wenn man so unwichtig ist wie ich, dann kann man sich das leisten“, neckte ich. sarkastisch entgegnete er mir: „haha!“, um dann, nach seinem biss in die schnecke, noch ein stichelndes: „da fehlt jetzt nur noch schinken und salami“ hinzuzufügen. jetzt war ich an der reihe mit dem sarkastischen „haha“, ich drehte mich um, lief aus seinem büro und säuselte: „ciaoi, bis morgen.“ normalerweise wäre ich noch da geblieben. normalerweise hätte ich die chance genutzt, um noch etwas mit ihm zu reden. er verabschiedete sich mit dem warmherzigen lächeln, das ich so liebe.

 

nichts wird komisch. nichts wird sich zwischen uns ändern. alles bleibt, wie es war.

ich glaube ihm das. ich glaube ihm das. ich glaube das nicht mir.

 

auch, wenn alles von mir ausging. auch, wenn ich sitzen blieb. ich das büro verließ. ich nicht auf ihn wartete. auch, wenn das alles von mir ausging, hatte ich heute die angst, ich würde ihn nerven, er würde sich distanzieren. ich weiß, dass es nicht so ist, denn.. ich glaube, da steckt bei ihm weitaus weniger hirn und berechnung dahinter.

nichts wird sich ändern. und doch ändert es sich. auch wenn dein rädchen im kopf stehen bleibt, meins dreht sich. meins ändert sich. vielleicht nicht stetig, vielleicht nur langsam, aber es drehte sich heute erstmalig in eine andere richtung.

 

fenza.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen