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Schlagwort: geschäftsreise

Brennen. ~ Der Besuch.

Brennen. ~ Der Besuch.

eigentlich habe ich überhaupt keine lust tagebuch zu schreiben, aber ich machs jetzt trotzdem, da tobi noch im büro sitzt und noch mindestens eine stunde arbeiten wird und ich sowieso nichts großartiges zu tun habe.

nicht, dass ich keine lust habe, ich habe lust nicht tagebuch zu schreiben. der grund dafür ist ganz einleuchtend, ich hatte heute übelsten flashback. und ich möchte das eigentlich nicht nochmal im tagebuch aufrollen (werde ich aber sowieso machen), da es weh tut.

 

wir hatten heute auf arbeit besuch. also besuch von unserer partnerfirma. das ist das projekt, bei dem ich ja seit dem frühjahr involviert bin. das projekt, das holly einfach so einem kollegen weggenommen und mir zugeschoben hat, weil da eine dienstreise anstand. das war noch zu zeiten, in denen er manche dinge so gedreht hat, dass wir zeit miteinander verbringen (müssen). allein das zu schreiben, tut schon weh. heute tut alles weh.

der besuch heute war für mich verglichen zum arbeitsalltag eher was großes, bzw. quasi ein kleiner meilenstein. klingt dumm, aber ich war halt das erste mal gastgeber, hatte eine kleine präsentation und das organisatorische vorbereitet, war der ansprechpartner.

 

das ganze erinnerte mich an unsere erste dienstreise letztes jahr im herbst. also eigentlich hatte sie gar nichts mit dem besuch von heute gemein, da ja die firma bei uns im hause war und das andere war ja ein vortrag, zu dem wir stundenlang hingefahren sind, aber andererseits hatte es sehr stark an damals erinnert, da holly und ich heute den ganzen tag geschäftlich miteinander zu tun hatten bzw. aufeinander saßen. und ich war quasi „besonders“ gekleidet, damit meine ich .. büro-firmenklamotten-mäßig. das ist auch nochmal etwas anderes für mich. das ist wie bei der messe. wenn man firmenklamotten trägt, dann hat das irgendwie gleich eine andere wirkung, also nicht mal unbedingt auf andere, sondern auf einen selber. man fühlt sich anders. manchmal muss ich selber in mich hineingrinsen, ich weiß, das verdeutlicht erst, wie „kindlich“ ich tatsächlich tief im innern bin, aber wenn ich zum beispiel irgendwo mein spiegelbild sehe, in einem schaufenster beim einkaufen nach der arbeit heute zum beispiel, und ich sehe mich in bürokleidung, bleistiftrock, wildlederstiefel, firmenbluse, full face make-up, dann komme ich mir unheimlich alt vor. erwachsen. so wie im film. wie man sich das früher eben vorgestellt hat, als man noch klein und schüler war. irgendwann kommt man geschäftig nach hause, man bzw. ich zumindest habe mir das immer in so anzug und so vorgestellt, also richtig schön banken-like, mit seinem auto, geht noch lebensmittel einkaufen, kocht, putzt. das is so richtig… alt.

 

naja, ich bin abgedriftet. jedenfalls verbrachten holly und ich den ganzen tag zeit miteinander, nachmittags waren wir noch kurz in unserer montagehalle und ein konstrukteur von uns hat unseren partnern noch ein paar sachen an verschiedenen maschinen erklärt und holly und ich standen halt auch mit rum und haben zugehört. das war wie damals, als wir anschließend nach dem vortrag noch zu dieser einen firma gefahren sind und in der halle deren maschinen angeschaut haben. ich habe ihn aus der ferne immer beobachtet, seinen körperbau, wie er da so steht und jedes mal durchfährt es meine gedanken mit: „du schöner mann. du wunderschöner mann.“ und heute fühlte ich eins zu eins wieder ganz genauso wie vor einem jahr, ich schaute ihn an und ich hatte so ein unbeschreibliches verlangen mich an ihn zu schmiegen. die ganze zeit. du fühlst dich aufgrund deiner emotionen so stark mit diesem menschen verbunden, dass es für dich wie selbstverständlich wäre, seine hand anzufassen, durch seine haare zu streichen oder sich kurz an seine schulter oder an die brust zu lehnen. im gegenteil, dein ganzer körper schreit danach und es ist ein ständiger kampf gegen sich selber, dieser sehnsucht nicht nachzugeben.

für dich selber fühlt es sich so normal an, der gedanke ihn anzufassen, für ihn wäre es purer schock, würde ich das tatsächlich mal machen (unabhängig jetzt von den anderen anwesenden). manchmal denke ich mir, aber das bräuchte es, um dieses hoch, diesen gedanken und das highwerden daran zu ruinieren. diese leichte art und weise sich selbst dieses hoch zu verschaffen (indem man ihn einfach ansieht und wegträumt), für immer zu vergiften. es einfach mal machen und genau die abfuhr kassieren, wie er mich schockiert wegstößt, mit einem entsetzten blick. diese scham, die ich dann empfinden würde. das braucht es, um dieses verlangen im keim zu ersticken, wenn schon keine befriedigung möglich ist. tja, zu dumm, dass er mein chef ist.

aber dieses verlangen. es ist wie wenn man seit wochen diät macht und man hat so krass heißhunger auf ein stück pizza und vor dir liegt auch noch ein stück heiße, wohlduftende, leckere pizza. der käse zerfließt und es ist ganz genau so wie man es haben will, es riecht so unglaublich gut, und das schlimme dabei ist, es ist auch keiner da. niemand, der dich ausschimpfen würde, würdest du das jetzt essen. und man stellt sich einfach nur vor wie der geschmack im mund wäre beim allerersten biss, der moment, in dem das gehirn zum ersten mal registriert, wie die pizza schmeckt.

und genau so war es. den ganzen tag. er saß neben mir und seine schönheit macht mich einfach fertig. ich kann gar nicht wegschauen, wenn er bei mir sitzt. immer und immer wieder muss ich mir selber befehlen: „OK, JETZT GUCK GEFÄLLIGST WOANDERS HIN, SONST MERKT ES NOCH JEMAND.“

er ist so wunderschön, dass ich mich umbringen will.

und es gab einen moment. einen moment. er saß neben mir, die anderen diskutierten gerade etwas und er griff nach seiner tasse kaffee. die sonne schien herein und sein ring glänzte strahlend. sein ehering. der glanz fühlte sich an, wie ein rotglühendes eisen mitten durch die brust.

 

vorgestern vor einem halben jahr habe ich es ihm gesagt. heute vor einem halben jahr hatten wir das gespräch, als ich in seinem büro saß und geheult habe.

 

ich steigere mich gerade wieder rein. ich weiß das. deshalb wollte ich auch eigentlich kein tagebuch schreiben. ich könnte jetzt auch was anderes machen und dann wäre gut. könnte nicht tagebuch schreiben, sondern duschen oder laufen gehen und es wäre gut. ich weiß das. könnte ein video von hati schauen und was schminken und es wäre in ordnung. zu viel therapie gehabt, um zu wissen, wie man sich selbst triggert und sich selbst ads-typisch in die extremen pusht.

hör einfach auf an ihn zu denken und es tut nicht mehr weh. fertig aus. genauso funktioniert es. nicht langfristig, aber kurz- bis mittelfristig.

 

aber auch das laufen, das mich so toll ablenkt, ist eigentlich nur ein großer hpa-zauber. zumindest noch. irgendwann wird eine solche gewohnheit zu etwas eigenem. genauso wie schminken mal ein mina-ding war. oder tagebuch schreiben ein tabris-ding. dinge, die man von anderen übernimmt, doch irgendwann hat man sich selbst so sehr damit konfrontiert und es macht einem von selber spaß, man macht bei diesen sachen seine eigenen erfahrungen und irgendwann ist es ein… eigenes ding. wie tagebuch schreiben nicht mehr zu tabris gehört, sondern zu mir selber. witzige anekdote am rande. viele, die damals tabris gelesen haben, haben auch irgendwann angefangen, bei mir zu lesen. und als tabris aufhörte, fühlte ich mich manchmal ein bisschen wie das auffangbecken ihrer leser. weil sie halt nicht mehr da war, nimmt man die nächstbeste, die so ähnlich ist, und das war ich. die, die da auch irgendwie in diesem homopin-clan von ihr drin war. die auch so ein bisschen verrückt ist. das denke ich heute übrigens nicht mehr. heute bin ich suzaku. und keine schlechte kopie von tabris. (auch wenn ich das nie forciert habe, aber viele meinten, ich würde sie an sie erinnern.)

 

und seht ihr, schon ist es weg. schon ist seine schönheit weg. vergessen. ein bisschen was über tabris und schminken geschrieben und schon ist die traurigkeit futsch. ich könnte sie natürlich sofort wieder auffangen und mich weiter ins extreme steigern, aber vielleicht.. lass ich es auch einfach gut bleiben.

 

und immer, wenn ich dann doch wieder in diese hpa-sucht falle, denke ich mir, ich brauche etwas neues. etwas anderes. etwas, das mich grundlegend brain- und mindfucked. etwas starkes. etwas anderes. etwas neues. etwas, das meine emotionen noch mehr erschüttert, noch krasser ist. gerade versuche ich es auf die körperliche tour, deshalb renne ich auch jeden tag meine kilometer. wenn man körperlich ultra am sack ist, hat man nicht mehr die power für herzschmerz. da hat man dann andere sorgen.

aber ich brauche das emotionale extrem. dieses feuer im innern, dieses brennen in der brust, diese überschwängliche leidenschaft, die einen bis in die fingerspitzen lebendig fühlen und sein lässt. nicht, dass ich mich sonst nicht lebendig fühle, aber es ist einfach eine droge.

und so oft frage ich mich, was könnte ich tun, um genau das woanders zu entfachen? … klingt jetzt mega bescheuert, aber .. als kleiner adsler reicht ein mini-impuls, um genau dieses zu spüren. und jetzt kommen wir zum bescheuert klingendem. ich könnte eine gesangsstunde nehmen. ja. das könnte ich. das wäre für mich ultra hammermäßig der übelste hardcore termin ever. dazu muss man sagen, ich singe mein leben lang schon immer, aber nie, wenn einer dabei ist. ich habe nur ein einziges mal in einem leben vor jemandem gesungen, ich meine, „richtig“ singen, nicht so lalala schulchor-mäßig, und das war im letzten jahr meiner realschule für eine musiknote. als ich fertig war, hat keiner ein wort gesagt und alle haben nur .. baff geguckt. ich weiß bis heute nicht, wie die klasse es eigentlich fand, weil alle einfach nur überrascht waren und keiner was sagte. im anschluss kam meine lehrerin zu mir, sie suchte, um mir die note mitzuteilen (das war irgenwas mit ner eins, ich weiß nicht mehr genau.. ich glaube 1,5 oder so), das einzelgespräch mit mir und fragte mich dann: „nimmst du gesangsunterricht?“ – „äh, nö?“ – „oh okay, das klang nämlich so. das war wirklich ziemlich gut, ein bisschen kriegst du abzug wegen der nervosität, aber sonst war das super. bleib dran.“

ich bin so ein richtiger im-auto-unter-der-dusche-sänger. wirklich. und sobald jemand da ist, kriege ich meine fresse nicht auf.

immer, wenn ich angst habe, egal wovor, dann denke ich an diesen moment. ich denke an diesen moment, als ich 17 war und mir fast einen eingeschissen hätte, als ich vor der klasse stand und es hieß: „okay, du hast dich freiwillig für notensingen gemeldet, dann hau mal raus.“ – immer, wenn ich angst habe, dann denke ich daran, wie ich als kleiner beschissener teenie, viel mehr ein kind als ein teenie, denn damals war ich noch geistig ein richtiges kind, dann da im musiksaal stand und mir sagte: „okay, mach einfach die augen zu und tu so, als wäre keiner da.“ und in dem moment war auch keiner da.

ich für mich kann sagen, ich war nie wieder in meinem leben so mutig. nie wieder. egal, ob ich mit meiner wasserphobie am great barrier reef geschnorchelt bin oder ob ich meinem chef gestand, dass ich in ihn verliebt bin. ob ich mich traute in eine psychoklinik zu gehen, ich war im leben für mich selber niemals so mutig wie in diesen zwei minuten im musiksaal.

ja. das wäre ein ultimativer mindfuck. eine gesangsstunde. mindfuck hoch zehn trilliarden. ist schon ein kleiner mindfuck überhaupt davon zu schreiben.

 

dieses wochenende hat er seine nichte und seinen neffen bei sich. muss er, seine schwester ist nämlich verreist. ursprünglich wollte er einfach nur nintendo zocken, aber seine frau will immer, dass er irgendwas pädagogisch wertvolles macht, oder zumindest nicht den allerletzten abfuck. holly will immer abfuck machen. pizza bestellen und zocken. jetzt haben sie sich darauf geeinigt, dass sie morgen abend ins kino gehen. „und dann kauf ich noch ein paar blurays, die wir dann abends gucken und zocken doch noch nintendo. schön irgendwas stumpfsinnig, damits am ende heißt: ‚der onkel ist der beste.'“ ich weiß, dass es dumm klingt, aber ich bin so unglaublich neidisch auf diese kinder. sie dürfen bei ihm übernachten, wenn sie klein genug sind sogar mit ihm kuscheln.

gott. es wird zeit, sich nicht mehr reinzusteigern.

es wird zeit, den tagebucheintrag zu beenden.

 

suzaku

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