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Schlagwort: kritik

all the plans that ended in disaster.

all the plans that ended in disaster.

an manchen tagen weiß man einfach, dass er scheiße wird. man ist sich nur noch nicht wirklich darüber im klaren, wie beschissen. scheiße ja, aber in welchem braunton nur?

als ich heute morgen das haus verließ, wusste ich schon, dass der tag kacke wird. ich hatte schon meine nur allzu bekannten inneren ängste, die ich früher täglich hatte. wenn einem schlecht wird vor lauter angst. angst vor der arbeit, angst das haus zu verlassen, angst unter menschen zu sein, angst nicht man selbst sein zu können. mit „nicht man selbst sein zu können“ meine ich, dass man… in der öffentlichkeit sein muss. eine öffentlichkeit, wo man nicht einfach mal .. keine ahnung. ausrasten, heulen, tagebuch schreiben, lossingen kann. einfach mal nur .. rauslassen, was man fühlt.

ich sitze hier im wohnzimmer, es ist 16.48 und ich höre davina mit ihrem „what about us“-cover..

als wir uns neulich darüber unterhalten haben, was mit meinem vater ist und meine mutter im nebensatz fallen ließ, dass er noch nicht mal wach ist, rüttelte es etwas an meinem.. schockfassade. wenn etwas passiert, dann bin ich erstmal neutral, oder auch ablehnend. bis dann der schock nachlässt und man erstmal zeit hat, darüber nachzudenken. ich glaube auch, das war so etwas, was heute morgen immer mehr im ganz hintersten eck im kopf anklopfte. die angst vor der angst. die angst zu realisieren, was so passiert ist oder noch passieren könnte.

ich fuhr zur arbeit. heute ist der erste arbeitstag des monats, das heißt, das monatliche firmenheft ist erschienen. wir haben so ein kleines firmenmagazin, in dem so die ereignisse der letzten vier wochen gedruckt werden. unter anderem war vor zwei wochen die verabschiedung eines seniorchefs, da gab es dann einen artikel dazu mit vielen fotos. auf einem foto saß er mit ihr. mein chef mit seiner frau. man sah sie nur von hinten, aber ich hab beide sofort erkannt. ab da gingen alle schleusen auf und der tag war gelaufen.

ich hatte schon heute morgen keine lust darauf, ihn zu sehen, aber das foto gab mir den rest. und irgendwie stand das stellvertretend für alles, was ich so die letzten.. tage runtergeschluckt habe. die scheiße mit meinem vater, das mit meinem chef, das schlechte miteinander mit tobi dadurch, alles.

die frühstückspause war.. kacke. ich habe mich nicht getraut, ihn anzusehen. ihn anzusehen tut weh. glücklicherweise war er die ganze zeit in ein fußball-gespräch mit seinen kumpels verwickelt, ich hingegen unterhielt mich mit meinem schulungskollegen über’s joggen. nein, ich habe nicht damit angefangen. mein schulungskollege erzählte, er wäre am wochenende gejoggt, das erste mal seit bestimmt acht jahren, denn damals habe ihm sein arzt gesagt, dass seine knie so am arsch sind, dass er bestenfalls mit solchen belastungen aufhören sollte. bei seinen röntgenaufnahmen habe er wohl sofort festgestellt, dass er fußballer sein musste. ich lachte und meinte: „wow, bei meinen röntgenaufnahmen würde er nur sagen: oh, und sie liegen professionell auf der couch?“ .. mein chef neigte jetzt seinen kopf zu mir, lachte leicht und grinste mich an, dann vertiefte er sich wieder in die fußballdiskussion. es hat weh getan zu sehen, wie er eigentlich unserem gespräch, meiner aussage, folgte, obwohl er seinen blick stets in die andere richtung, zu seinen kumpels, richtete.

beim mittagessen saß ich nicht bei ihm. zwar in der gleichen tischreihe, aber drei plätze weiter. am morgen meinte er, er habe eine wichtige besprechung und ich fragte, ob er sich dann zum mittagessen verspäten würde. höchstwahrscheinlich ja. ich entschied, später zu mittag zu gehen. die meisten hatten heute eh urlaub. ich ging fünfzehn minuten später los, mein chef saß schon beim mittagessen, ein platz war noch frei. vor meiner nase schnappte der fo-mensch den platz weg und so setzte ich mich ans andere ende der tischreihe. war aber okay. ich schaute nicht auf ihn. einmal fragte der fo-mensch etwas, daraufhin sah ich ihn kurz an. keine ahnung wieso, aber ich fand, heute sah er kuscheliger aus als sonst. er trug ein weißes firmenhemd und normalerweise haben weiße hemden nichts von „kuschelig“, aber er sah kuschelig aus. es tat weh.

am nachmittag teambesprechung. alle vier wochen kommen der fo-mensch und mein chef hinzu. so auch heute. es war die hölle. ich saß da und kämpfte permanent eigentlich mit den tränen. nach der besprechung behielt mich mein gruppenleiter auch noch da, um die scheißbeschissene aufgabe, die ich seit wochen schon zum tausendsten mal bearbeite und irgendwie nie löse, weil sich ständig die aufgabenstellung ändert, zu besprechen und dabei wollte er mit mir reden. er meinte, ihm sei aufgefallen, dass ich mir bei der aufgabe schwer täte und ob es irgendwas gäbe, um mich zu unterstützen, denn er habe gemerkt, dass „du oft vor dich hinkämpfst und selten etwas fragst“, und dass der zeitplan die letzte zeit zu sehr geändert wurde, sprich, ich bin nie fertig geworden und man müsste all meine aufgaben schieben. ja, das weiß ich auch. ich meinte dann, dass ich selten etwas frage, weil ich schon den eindruck habe, die aufgabe verstanden zu haben, diese sich jedoch in den letzten wochen ständig geändert habe und ich stets von neuem beginnen musste. war ja auch so. ich erklärte ihm auch die knackpunkte, warum zb genau diese aufgabe so viel zeit beansprucht habe, was er dann verstanden hat und meinte, in zukunft würde er auch mehr wert drauf legen, aufgaben sauber und ausführlicher zu kommunizieren, denn in den letzten jahren sei die arbeit so stressig geworden, dass er sich da selber auch zu wenig zeit nehme. er grinste und sagte: „und diese aufgabe da, das haken wir einfach ab, und weiter gehts!“ .. weiter ging für mich erstmal gar nichts.

dann fragte er mich, ob gesundheitlich mit mir alles okay sei. ich war verwirrt. – „ich habe gemerkt, dass du öfter aufstehst, für fünf minuten weg bist und dann wiederkommst.“ – ich war immer noch verwirrt. – „heute morgen zum beispiel warst du jeweils für zehn minuten zweimal im dreiviertelstundentakt nicht am platz.“ – ich musste erstmal überlegen, was da war. ach ja. beim ersten mal musste ich mich auf toilette erstmal von dem schrecklichen foto erholen. und beim zweiten mal sprach mich eine kollegin auf der toilette an und wollte tipps über thailand haben. er fragte, ob ich gesundheitlich etwas habe, sodass ich öfter den platz verlassen und rumlaufen müsse, denn manche hätten es ja zb im rücken. keine ahnung, was ich darauf antworten sollte. kann ja schlecht sagen: „achso, ja du, ich bin in unseren chef verliebt und heule ab und zu auf dem klo deshalb, weil er nichts von mir will. aber sonst alles gut.“ und „naja, ich halte es keine ganze stunde am stück auf meinem platz aus, weil ich sonst durchdrehe – offensichtlich habe ich doch adHs und nicht nur ads, schade“ wäre bestimmt auch nicht so geil gekommen. ich grinste stockend und meinte: „naja.. ich hab halt.. einen … starken toilettendrang?“ – so doof das klingt, immer, wenn ich meinen platz verlasse, gehe ich tatsächlich auch aufs klo. und .. muss dann auch jedes mal, wenn ihr’s so genau wissen wollt. 8D (unglaublich, dass ich jetzt schon über meinen toilettengang schreibe..) – er ruderte sofort zurück und meinte hektisch: „achso ja, nee, toilette und so, das ist voll okay.. weißt, es hat es nur schon auch gegeben, dass welche ständig weg waren und dann standen sie bei irgendeinem kollegen und waren nur am tratschen….“ – „weißt, am liebsten tratsche ich mit unserem super gutaussehenden chef, aber nachdem der mir letzte woche einen korb gegeben habe, werde ich nun nicht mehr so oft mit ihm reden. keinen bock in seinem büro loszuheulen. nicht schon wieder“, wäre vermutlich auch keine so tolle antwort darauf gewesen.

mich hat das fertiggemacht. ehrlich. nicht, weil er mich übelst schlimm kritisiert hätte, er hat halt ein paar .. schwächen erkannt und mich daraufhin angesprochen. aber für mich ist das ein: „siehste, schon wieder biste die nullnummer. du wirst niemals gut sein, niemals klug, niemals einer von denen.. einer wie dein exkollege andy, der alles kapiert hat oder wie muffischlumpf, der eigentlich andy’s komplettes ebenbild ist, nur in der neuen firma und .. muffeliger. schon wieder biste nur die hohle, unfähige nuss. schon wieder nicht die schlaue frau fenz, denn die gibts nicht. die kann nur ihr maul aufreißen und in der kantine smalltalk betreiben, sonst nichts.“

entsprechend kaputt kam ich vom gespräch zurück ins büro. die anderen kollegen gingen schon wieder in die nächste besprechung und der große bärtige blieb als einziger übrig. schon in der teambesprechung, als ich mit den tränen kämpfte, merkte ich, wie er mich ständig ansah. immerhin saß er mir auch gegenüber. dementsprechend war es kein weltwunder, als er mich vorsichtig fragte: „und, wie war dein wochenende?“ .. ich war noch aufgewühlt von dem gespräch mit dem gruppenleiter. meine stimme drohte wegzuknicken, deshalb sprach ich so leise wie nur möglich. „beschissen. so beschissen wie seit jahren nicht.“ – das wochenende ging eigentlich. nur der tag war scheiße. alles war scheiße. – „oh. warum, was ist passiert?“ .. ich merkte, wie meine augen glasig wurden, ich versuchte krampfhaft die stärke aufrechtzuerhalten und starrte weiter in meine scheiß dämliche, niemals endende, mir böse kritik einbringende kalkulation. noch ehe ich antworten konnte, zog er sofort seine frage zurück: „du musst auch nicht darüber reden, wenn du nicht willst.“ – im selben ton wie zuvor antwortete ich: „mein vater liegt auf der intensivstation und man weiß noch nicht, was wird.“ – er fragte, ob es ein zweiter schlaganfall sei. – „vermutlich. ich weiß es nicht. sie machen noch tests. er hat ja all seine medikamente heimlich abgesetzt und hat neben seinem hohen blutdruck und -zucker noch parkinson und muss dazu ja noch die tabletten wegen dem schlaganfall nehmen.“ wir redeten beide über unsere väter. sein vater hatte ja erst vor einem halben jahr auch einen schlaganfall, einen weit schwereren als der meines vaters vor neun jahren. er erzählte, wenn er seinen vater jetzt anschaue, wünsche er sich für ihn, dass es bald vorbei wäre. schwacher trost für mich, wenn ich zwar auch diese aussage verstehen kann. – „tja, daher meine supergute laune heute.“ – „ja, hab ich schon in der teambesprechung bemerkt..“

ich bin heulend heimgefahren. heulend wegen meinem vater. heulend wegen meinem chef. heulend wegen tobi. heulend wegen dem gruppenleiter. kann gar nicht genau sagen, weshalb ich heule, einfach wegen allem. einfach wegen allem.

eigentlich wollte ich heute wieder meine zehn kilometer machen. allerdings ist es arschkalt draußen und ich bin.. müde. schwach. aber irgendein erfolgserlebnis heute wäre noch gut. doch wenn ich die zehn kilometer heute nicht schaffe, dann macht mich das auch noch fertig. ich weiß nicht, ob ich heute noch eine weitere sache brauche, die mich fertig macht.

fenza.

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