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Schlagwort: marathon

Sternschnuppe.

Sternschnuppe.

als ich heute mal luft auf arbeit hatte, bin ich meinem lieblings-zwischendurch-hobby nachgegangen: das intranet durchforsten. natürlich am allerliebsten auf irgendwelche fotos von betriebsfeiern, jubiläen, grillparties usw. wir wissen alle, wen ich auf diesen bildern zu finden hoffe.

und so habe ich also messebilder von 2011 angeschaut, mittlerweile kenne ich einige aus der firma, erkenne hier und da ein paar gesichter und muss grinsen, wenn ich entdecke, wie die leute früher ausgesehen haben. und so kamen mir viele fotos unter, von arbeitskollegen, die in heute in meinem alter sind, und früher, vor sieben jahren, auch schon auf den messen mitgeholfen haben. den allermeisten sieht man an, dass sie damals noch einiges jünger waren, ich dachte daran, wie ich damals ausgesehen habe, ebenfalls mit 25, 26, wie viel jünger. nicht nur optisch, sondern auch gedanklich, emotional, vom kopf her. und so schoss es mir plötzlich durch den kopf: „wie witzig, dass die mit mitte zwanzig auch schon auf messen gearbeitet haben.. mit fremden leuten geredet, denen sachen erklärt usw.“ – ich dachte daran, wie diese leute in meinem alter schon vor sieben jahren auf der messe standen, wie diese leute in solche situationen hineingewachsen sind, was sie mir quasi „voraus“ haben.

ich dachte daran, wie viele ängste ich bei solchen sachen habe. und wie ich mir meinen alltag stets zurechtlege, um diese ängste herum. klar, mittlerweile sind sie nur noch bruchteilig da, aber nie ganz weg. und selbst, wenn ich keine angst habe, ich meine diese richtige emotion angst, wenn sich in der brust alles zusammenzieht, man nervös ist und anfängt zu schwitzen, genau das meine ich, selbst, wenn das nicht der fall ist, so mache ich mir trotzdem oft gedanken. nicht mal wirklich grübelnd, aber man macht sich gedanken, wo andere leute nicht mal auf den gedanken kämen, sich darüber gedanken zu machen.

ich wünschte mir manchmal nur einen einzigen tag wieder außerhalb dieser firma zu leben. ich meine, nicht im urlaub, nicht am wochenende, nein. ich meine.. in meinem alten leben. die alte firma, die ich so gehasst habe, die ist wie ausgelöscht. der alltag mit monobraue und pullitante. keine ahnung wieso, vermutlich durch die freistellung letztes jahr, und dann natürlich auch durch diesen heftigen umschwung mit hpa, aber irgendwie ist alles, was davor war, wie so ein .. schwarzes loch. alles, was vor meiner jetzigen firma war, ist irgendwie wie verschluckt und vergessen. mag aber auch daran liegen, dass zeitgleich damit mytagebuch down ging und vieles nicht mehr abrufbar ist.

manchmal kommt so der moment, in dem es ganz kurz wie so eine sternschnuppe aufleuchtet, dieser kleine gedanke, nein, diese kleine empfindung: „okay, das war jetzt gut, aber jetzt mal wieder zurück.“

dieses „gut“, damit meine ich mein leben, meinen ganzen alltag in dieser firma. ich denke dabei an… alles. diese hechterei nach hpa, ich denke an die zig situationen in seinem büro, an jede sekunde, wie ich immer aufgedonnert vor seinem schreibtisch stehe, oder sogar darauf sitze, und mich mit ihm unterhalte, ich denke an die oberflächlichen, zwar auch witzigen, gespräche in der mittagspause mit ihm, dem sympathischen, souvlaki und den anderen. und letzten endes diese anstrengung dieser unendlichen oberflächlichkeit. diese hohlen gespräche, diese hohle oberflächlichkeit, dass irgendwie gefühlt die halbe männliche belegschaft mich scharf findet wegen ein paar stiefel und ein bisschen make-up. dieser stumpfsinn dieses kleinkosmos.

manchmal leuchtet diese sternschnuppe auf und kaum, dass sie da war, ist sie auch schon wieder weg. nicht mal diesen abschnitt hat sie überlebt, denn die empfindung ist schon wieder verschwunden.

ich glaube, diese empfindung ist oft die eigene überforderung meiner ständigen auf und ab’s. klar, ich liebe diese achterbahn, mit leib und seele reiße ich mich schon seit 33 jahren immer in die höhe (und falle danach wieder runter), mit allem möglichen, beziehungen, fan-suchteleien, sammelleidenschaften, musik, hobbies. aber ich glaube, unterbewusst ist mir das manchmal auch zu anstrengend und dann kommt so die sehnsucht nach mir selber. nicht nach hpa, nicht nach diesem pushenden hoch, das einen nur thrilled, dieser gedanke an seine nähe, sondern man sehnt sich nach ruhe, nach sich selber. das ist das, was ich meine. man möchte irgendwie nach hause gehen, heim kommen, aber es ist schwer, dieses zu hause für sich selber zu finden, denn mein zu hause, mein ich, das ist eben eine aneinanderreihung von diesen höhen und tiefen. emotionale achterbahn ist meine konstante.

keine ahnung, ich verwirre mich selber. weiß nicht, ob man versteht, was ich meine.

 

aber eine kleine nichtigkeit muss ich trotzdem erzählen. schließlich ist die sternschnuppe ja wieder vorbeigezogen und verschwunden.

heute in der mittagspause ging es wieder um den ironman. der fo-mensch, der gestern nicht dabei war, saß dann heute bei uns, holly war heute übrigens wie die letzte zeit auch total gut drauf und hat viel gelacht. er hat sich direkt mir gegenüber hingesetzt und ich liebe das. ich liebe es, wenn er direkt vor mir sitzt. so einen wunderschönen mann von nahem ansehen. wir haben viel gelacht und der liebe onkel, den ich jetzt wohl im tagebuch zum ironman umtaufe (xD), hat erzählt, dass sein erstes etappenziel ja erstmal der halbmarathon im september nächsten jahres wäre. holly hatte mir ja vor einer weile schon erzählt, dass er sich mal an einem halbmarathon versucht habe, er aber dann doch keinen bock hatte, so viel zu trainieren. gut. der liebe onkel will ihn auch nur einfach überleben, während holly ja einen gewissen anspruch an sich hat, was die zeit angeht. nun ja, kurzum, es lief dann darauf raus, dass der fo-mensch meinte, er laufe dann nächstes jahr auch bei diesem halbmarathon mit und ich grinste zu hpa: „also holly, wenn die beiden jetzt beide den halbmarathon laufen, dann musst du ja eigentlich auch mitmachen!“ er war leicht vorgelehnt, weil er mit eifer bei diesem gespräch dabei war, grinste mich dann an und meinte: „da lauf ich dann schon mit.“ – gott, ich liebe es, wenn er mich so ansieht.

nach der pause holte er sich wie immer einen espresso und ich wartete wie immer an der kaffeemaschine auf ihn, während die anderen alle schon zurückliefen. holly und ich gehen immer zusammen, alleine, zu zweit, zurück ins büro.

auf der treppe lachten wir dann über den halbmarathon und das nette gespräch da drüber und ich meinte: „läufst jetzt da echt mit? ich meine, du wolltest deine laufkarriere doch an den nagel hängen…“ ich grinste. gut gelaunt antwortete er, während wir die stufen runtergingen: „ja, ich laufe schon noch, aber nur noch zweimal die woche, keine lust mehr auf viermal.“ .. ich blickte zu ihm, er war stets eine stufe weiter unten und somit war sein gesicht auf meiner augenhöhe, ich lächelte und meinte locker, kumpelmäßig: „komm, von denen, die bisher an dem halbmarathon teilnehmen, bist du doch jetzt der fitteste.“ – ich kann nicht beschreiben, wie er mich da ansah. er lächelte mich an. nicht als reaktion auf das gesagte, er lächelte bereits die ganze zeit, das lächeln blieb unverändert, aber jetzt schaute er mich so.. eindringlich? .. nein, nicht aktiv eindringlich an, aber es fühlte sich an, als würde er mit diesem lächeln ganz tief in mich hineinschauen. er sagte darauf gar nichts, er lächelte nur und irgendwie schien es ganz kurz, als wäre er von diesem „kompliment“ so geschmeichelt gewesen, dass er in diesem bruchteil einer sekunde nicht wusste, was er antworten sollte. ich schaute ihn unverändert lächelnd an, tat die ganze zeit auf kumpel, wie schon seit über einem halben jahr, seit meinem geständnis, aber tief in mir drin fühlte ich mich kleinmädchenhaft und verliebt. nachdem er auch gefühlt die nächsten sekunden nichts sagte, sondern nur in diesem in-die-seele-schauen-blick verharrte, dieses warmherzige, verträumte lächeln, schob ich ganz locker und noch kumpeliger hinterher: „komm, das kann man doch jetzt ganz offen so sagen“, ich setzte den ton so auf, als hätte ich ihm dabei auch locker wie ein bro auf die schulter klopfen können, „da muss man ned um den heißen brei rumreden: von denen bist du doch mit abstand der sportlichste!“, irgendwie schien mir, als käme jetzt auch so seine kumpelige seite wieder zum vorschein, nein, es schien mir, als hätte er aktiv, genauso wie ich, diese kumpelige seite hervorholen müssen, absichtlich, er sprach sofort lockerflockig: „ja also.. das würde ich jetzt unterstreichen“ und grinste mich ganz stolz an.

 

vermutlich ist es nur das kleinmädchenhafte, das verliebte in mir drin, das die abfuhr von april immer noch als bösen und unrealistischen albtraum verbuchen möchte, aber manchmal, wirklich ganz flüchtig, ganz selten, da meine ich einen kurzen moment diese begeisterung zu bemerken. da meine ich ganz kurz dieses brennende gefühl, das ich milliardenmal intensiver in meiner brust spüre, auch in ihm zu sehen. ganz kurz, ganz selten. wie ein kleiner funken. oder eine sternschnuppe.

 

suzaku

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