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Gemeinschaft. – Rückblick auf die Messe.

Gemeinschaft. – Rückblick auf die Messe.

es ist kurz nach halb zehn, ich komme gerade von der messe zurück, habe mich noch nicht mal umgezogen, aber ich möchte jetzt einfach noch – ehe ich wieder in meinen alltag zurückkehre – noch schnell meine eindrücke und emotionen festhalten.

 

die messe war gut. nein. sie war super. ich bin total geflashed. kurzum, ich bin eigentlich den ganzen tag nur rumgerannt und habe quasi wettbewerbsspionage betrieben, musste also auf leute zugehen, die mit fragen löchern etc. zunächst sollte ich am montag mit muffischlumpf rumlaufen, was er dann auch ein, zwei stunden mit mir gemacht hat, aber irgendwie war das wenig produktiv (also für mich persönlich), denn ich bin da nur mitgewackelt, muffi hat ein bisschen was gelabert, sich zwei notizen gemacht und dann ist er wieder weitergegangen und ich .. joa. bin wie so ein ei mitgelatscht. danach waren wir wieder kurz bei uns aufm stand, haben geguckt, wie es unserem anderen kollege erging, ob er quasi muffis unterstützung brauchte, dem war dann auch so und somit war ich dann allein. – „du kannst ja vielleicht mit holger bissl rumlaufen, keine ahnung..“ – der war aber nicht auffindbar, der war in einem termin, wie ich dann später erfahren habe. also .. bin ich alleine rumgelaufen.

und ab hier begann für mich die messe. es war etwas merkwürdig für mich am ersten tag, vorallem, weil ich auch auf dem stand fast alle mitarbeiter nicht kannte, ich kam mir verloren und einsam vor, während alle hektisch und wuselig ihr zeug arbeiteten. doch als ich alleine loslief – zunächst mit ein bisschen angst, das muss ich zugeben – war es mit jedem schritt mehr, den ich von unserem stand wegmachte, wie weggeblasen. ich trug meinen grauen anzug mit dem rock und, ich muss es leider zugeben, die männer haben mich alle angelächelt, gegrüßt, mir nachgesehen. ego sofort aufgebaut.

ich war in meinem element. ich bin rumgelaufen, habe mich nett an irgendwelche stände hingestellt und maschinen angeschaut, dann kam sofort irgendein herr angesprungen, weil hey, geile chickse steht da an meiner maschine (OK, DAS WAR JETZT EINE KOMISCHE FORMULIERUNG XD), und so begann der smalltalk mit einer kleinen maschinenrundführung.

 

ich werde es vermissen. und selbst jetzt, wo ich gerade mal nur zehn minuten hier sitze, zuhause, ist es schon fast weg. ich werde es so vermissen über diese messe zu laufen, mit meinem leder-etui mit dem block und den unterlagen darin in meinem arm, mir notizen zu machen, die liste abzuarbeiten, zu welchen ausstellern ich noch muss. ich werde es vermissen, erstmal mein namensschild beim entfernen unseres firmenstandes wegzumachen, weil man sonst noch schneller erkennt, dass ich von der konkurrenz bin, ich werde es vermissen, wenn die leute fragten: „so which company do you work for?“, meine haare zur seite zu streichen und somit das firmenlogo am hemdkragen freizulegen. (ja ich weiß, übelst flirty XDDDDD HEY, ICH BIN PROFI IN MEINEM GESCHÄFT [das geschäft nennt sich flirten LOL]). ich werde es vermissen teil eines großen ganzen zu sein, das komplette gegenteil von dem, wie ich mich montagmorgen am stand noch gefühlt habe. alleine, überflüssig, einsam, während alle wussten, was sie zu tun hatten und worauf es ankommt. ich werde es vermissen zum stand zu kommen und wie von freunden begrüßt zu werden, wie sie mich fragen, wie erfolgreich ich war und ob ich was neues rausgefunden habe. ich werde es vermissen, teil dieser großen messefamilie zu sein. mit den leuten über den gestrigen saufabend zu lachen, ich vermisse es jetzt schon, wie ich gerade mal vor vierundzwanzig stunden auf dem vertreterabend mit witi, einem verkäufer, den ich erst – wie viele andere – seit der messe kenne, gesoffen und für die photobox posiert habe. gelacht mit unserem russischen vertreter, der mich nach moskau eingeladen hat.

 

als ich gegangen bin, als schichtwechsel heute war, kam mir noch der geschäftsführer quasi in den weg – der messestand war so voll – er lächelte mich ganz erfreut an, gab mir die hand und meinte: „frau fenz, sie gehen nun?“ – „ja, heute ist bei mir schichtwechsel, ich fahre mit dem bus gleich mit“ – „dann frau fenz.. vielen dank für ihren einsatz die ganzen letzten tage über und ihrer arbeit hier auf der messe. danke, dass sie mitgekommen sind.“ ich war mega erfreut darüber, dass er sowas sagte, ich weiß nicht, inwiefern sich das in meinem gesicht widergespiegelt hat, da man mir meine laune eigentlich meistens immer sehr gut ablesen kann. ich glaube daher, dass ich gestrahlt habe. ich habe sofort, es ist direkt so aus mir rausgebrochen, gesagt: „vielen dank, dass ich mitkommen durfte!“ er fing an zu strahlen und winkte so ab von wegen: „selbstverständlich“, hat auch gleich diese gestik gemacht.

 

gott, ich würde mich so freuen, wieder auf messe mitkommen zu dürfen. ich sags euch, ich würde mich jetzt sogar freiwillig für den standdienst melden und eine maschine erklären, wovor ich noch vor tagen einen höllenschiss hatte. ich weiß zwar, dass das nochmal anders ist, aber diese ganze sache hat mir wieder ein bisschen mehr selbstvertrauen gegeben. ich habe wieder diese lockerheit, die mir durch das gruppenleitergespräch vor einer weile zerstört wurde. diese lockerfröhliche art, genauso, wie ich sie heute hatte. als ich zufällig bei meinem rundgang meine jungs mit einem der anderen geschäftsführer beim schwätzchen traf, und sie sich alle mit handschlag ganz super steif und höflich verabschiedeten und ich eigentlich ganz normal mit einem „bis später“ weiterlaufen wollte, so intuitiv eben (weil ich, glaub ich, mit dem anderen geschäftsführer auch schon lockerer bin, da ich schon ein paar mal mit dem mittag gegessen habe [das ist aber wieder ein anderer, keiner, von dem ich bisher geredet habe]), habe ich dann einen satz zurück gemacht, gegrinst und lachend rausgehauen: „ach wissen sie was? dann geb ich ihnen halt auch noch die hand“ XD .. er hat gelacht und gegrinst und gut gelaunt meine hand geschüttelt. ja, ich habe wieder diese lockerheit, so auf leute zuzugehen. die lockerheit, die ich eigentlich immer hätte, wäre da nicht mein angeknackstes ich-bin-dumm-ads-ding.

 

ich vermisse jetzt schon so situationen, als ich heute morgen zufällig die leute, mit denen ich gestern noch auf dem vertreterabend gesoffen habe, an unserer bar auf dem messestand getroffen hab, wir uns alle gerade etwas zu trinken holen wollten und ich dann grinsend den plastikbecher mit dem mezzomix erhob und den anderen ein „zivjeli“ zuprostete. davon sprachen und lachten wir gestern, als der russische vertreter mit seinem russischen trinkspruch kam und ich ihm dann auf kroatisch antwortete. – „also fenza, du gefällst mir, du gefällst mir!“, hat einer der verkäufer gestern schon immer gesagt und heute auch wieder. nicht sexuell oder sowas, sondern so als kumpelmäßig.

 

und wisst ihr was? das habe ich alles nicht ihm zu verdanken. ich habe so viel gelacht, so viel gelernt, so viel gesehen und mit so vielen leuten gesprochen, und das war alles ohne ihn. klar, wir hatten auch lustige momente, aber die lustigsten waren ohne ihn. trotzdem muss ich aber auch zugeben, dass ich es wunderschön fand, als wir gingen – tagesbesucher unserer firma und standpersonal, das heute wechselte -, hat er allen anderen die hand gegeben oder auf die schulter geklopft und mich hat er zur verabschiedung umarmt. genauso als er mich heute zufällig in dem hektischen gewusel zu messeschluss von weitem an der bar sah – eigentlich überblickte er gerade die menge, sah mich und schwenkte mit seinem blick sofort wieder zurück – und ich mir gerade eine cola einschenkte, er mir von weitem zuzwinkerte. und nicht nur irgendwie, sonder so. vielleicht bilde ich es mir ein, aber ich fühle mich dann immer besonders. dass ich etwas besonderes für ihn bin. dass er mich mehr mag als die anderen. ich mache mir keine hoffnung. aber ich fürchte, ich glaube, ich bin davon überzeugt, ein kleines stückchen von meinem herzen wird immer ihm gehören. genauso, wie auch der kopiermann oder der woytonboy immer ein stück von mir haben werden.

 

aber wisst ihr noch was? ich werde überleben, über- und weiterleben. ich werde in dieser firma, wenn er irgendwann in rente geht, weiterleben. und zwar mit freude. ich werde freunde haben, ich werde jemand sein, den die leute mögen, ich bin jemand, den die leute mögen, und auch umgekehrt. ich bin endlich daheim.

 

fenza.

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