Browsed by
Schlagwort: schreiben

Einmal im Jahr.

Einmal im Jahr.

über die letzten sechzehn jahre hinweg, die ich nun tagebuch im internet schreibe, habe ich schon desöfteren daran gedacht, ein buch zu schreiben. mit einem buch meinte ich immer einen roman. irgendeine ganz tolle geschichte mit viel leidenschaft, reichlichen verstrickungen und das alles im bereich von fantasy oder science fiction. aber schauen wir der wahrheit mal ins auge, ich werde niemals ein panem erschaffen oder irgendeinem komischen ring hinterherjagen. ich weiß zwar, dass ich unterhaltsam sein kann, aber nicht so. trotzdem. in letzter zeit kamen immer wieder verstärkt die gedanken auf, geschichten zu schreiben. kurzgeschichten. kleine anekdoten, die zum nachdenken anregen. oder auch nicht. reicht, wenn sie auch nur unterhalten. eine daniela katzenberger regt auch nicht zum nachdenken an, bespaßt aber ’nen haufen leute.

ich werde niemals einen roman schreiben. ich bin mehr so der serientyp. die daily soap.

durch diese ganze.. „ich bin in meinen chef verliebt“-geschichte bin ich wieder vermehrt ins grübeln gekommen. nee. ich hasse das wort „grübeln“. ich wollte nur nicht schon wieder „nachdenken“ schreiben. nun ja, wie dem auch sei. ich denke öfter daran dinge zu tun, die man sonst im leben nicht macht. also nicht mal unbedingt alles anzupacken, was ich sonst vor mich herschiebe und nie tat, sondern generell.. auch dinge, die ich früher nie für möglich hielt. quasi die vergangenheit so reflektierend.

genau genommen halte ich eigentlich fast alles für unmöglich und doch für möglich. ich glaube, dass alles im leben möglich ist. nicht mal unbedingt, wenn man nur will, höhö – sowas beknacktes – sondern halt einfach, joa.. alles kann sein. so wie ich auch glaube, dass jeder mensch zu allem – wie zum beispiel zu einem mord – fähig ist, es müssen nur die rahmenbedingungen „passen“. die einen brauchen mehr, die anderen weniger, um sowas zu begehen. (denke hier spontan an: „well, that escalated quickly“ – gerade waren wir noch bei einem roman, jetzt sind wir schon beim mord xD)

auch, wenn ich eigentlich ein unwichtiger furz bin, kein super großer entdecker von irgendwas wichtigem, keine marie curie, kein schauspieler ooooder eben auch kein romanschriftsteller, wie wir festgestellt haben, habe ich in meinem kleinen mikrokosmos schon so viel erlebt, was ich für .. unmöglich hielt. ich persönlich in meinem kleinen hamsterrad für mich nicht greifbar.

wenn ich nur daran denke, wie ich allein mit sechzehn jahren damals nach berlin heimlich zu meiner ersten freundin abgehauen bin, weil meine eltern keine lesbische beziehung duldeten. genauso hätte ich auch nie gedacht, dass mal mein bester kumpel als pädophiler von der kripo abgeführt wird, weil er jahrelang seine nichte missbraucht hat. ich werde niemals vergessen, wie man mich anrief und mir sagte: „wir haben eine nachricht für dich, von deinem kumpel. aus der u-haft.“ whatthefuck. ich hätte auch niemals gedacht, dass ich mal drei monate in einer psychoklinik sitze. niemals hätte ich mir auch nur eine therapiestunde vorstellen können, geschweige denn, aller welt – damit meine ich meinem arbeitgeber – zu präsentieren, dass ich psychische probleme habe. hätte nie gedacht, dass meine exfreundin mal ein er ist. hätte nicht damit gerechnet, dass ich tatsächlich mal weiß, wie es ist, sich monatelang nur noch von einem viertel oder einem halben stück apfel täglich zu ernähren, weil man sich immer noch für zu fett hält, obwohl man nicht mal mehr in der lage ist, ein paar treppenstufen hochzugehen, ohne, dass einem schwarz vor augen wird. hätte nicht gedacht, dass ich mal den traummann kriege, dem ich sechs jahrelang mit übelsten depressionen hinterhergeeifert habe. und dem ich die letzten monate mehrfach das herz rausgerissen habe, weil ich in meinen chef verliebt bin. hätte nie gedacht, dass ich mal zu meinem chef gehe, heulend auf arbeit, und ihm sage, dass ich etwas für ihn empfinde. hätte nie gedacht, dass ich ihm sage, ich bin süchtig nach ihm und versuche jede sekunde bei ihm zu sein, obwohl er verheiratet und eben mein vorgesetzter ist. hätte nicht gedacht, dass ich mich in australien verliebe. habe die euphorie nie verstanden, warum alle das land so toll finden. hätte nie gedacht, dass ich weinen würde, weil ich diesen ort so vermisse. hätte auch nicht damit gerechnet, dass ich mit fünfzehn es schaffe, vor meiner ganzen klasse zu singen. nicht normal singen, wie man es im chor tut, in der kirche oder so, sondern richtig. hätte nie gedacht, dass meine lehrerin dann sagt: „ja, jetzt, wo sie alle von der schule abgehen, zeigen se, was für eine bombe se sind. toll.“ und mich hinterher fragt, ob ich in gesangsunterricht sei. hätte nicht damit gerechnet, dass ich mal in einer dvd mitspiele. hätte nie gedacht, dass ich mal am great barrier reef schnorcheln gehe, ich mit meiner wasserphobie, die in keinen pool tiefer als 1,50m geht. oder dass ich mal zocksüchtig werde und dafür die schule schmeiße.

all so kleine dinge. dinge, die für viele total unwichtig und wayne sind, für mich aber viel bedeuten oder damals bedeutet haben. viele flashs, viele tränen, viel schock, viel liebe und freude.

es gibt noch so vieles, was ich tun möchte. noch so vieles. ich möchte klavier spielen und irgendwo auftreten, nur ein klavier und ich. ich möchte am 10km firmenlauf teilnehmen und alle wegbashen. ich will mal in einen swingerclub gehen. bei einem kunstflug teilnehmen. ein buch schreiben. gott, ich will noch so viel in meinem leben.

und jedes jahr mindestens eine sache, die man zuvor noch nie tat.

fenza.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen