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Schlagwort: vater

Kosmos.

Kosmos.

es ist 18.58, ich sitze im wohnzimmer und höre adele mit „hello“. ist jetzt nicht wirklich das ‚aktuelle‘ lied, aber ich hatte mal wieder lust drauf.

tobi ist nicht zuhause, der ist heute aufm canstatter wasen, wie jedes jahr, mit seiner firma. finde ich nicht schlecht. ich mag es, auch mal zeit für mich zu haben. hätte ich gerne, um ehrlich zu sein, öfter. also wäre jetzt nicht das allerschlimmste, wenn tobi zum beispiel regelmäßig einmal die woche irgendwie.. keine ahnung, zum stammtisch gehen würde, so wie andere kerle.

wisst ihr, was ich witzig finde? hätte ich den eintrag ne stunde eher geschrieben, wäre er ganz anders geworden. nicht, weil seither was besonderes war, aber auch eine weitere stunde vorher wäre der eintrag schon wieder anders gewesen und so weiter. ich meine, wie krass wechselhaft so eine laune sein kann und ist, zumindest bei mir.

es ist also nun mittlerweile der zweite oktober und heute war mein letzter arbeitstag vor dem urlaub. ich will nun gar nicht so sehr in erinnerungen schwelgen von wegen, wie es beim letzten mal, als ich kurz vorm urlaub stand, februar. wie er mich verabschiedete, noch aufgeregt, schüchtern, schwärmend, wie er mich, leicht nervös, in den arm genommen hatte. ganz anders als heute.

ich weiß, ich sag mir immer, ich schreibe hier nicht mehr so viel hpa hat das gesagt, hpa hat dies gesagt, einfach, um nicht noch weiter im hamsterrad zu versinken, aber ganz ehrlich, ich mache das auch zu einem sehr großen teil deshalb, um nicht weiter unnötig in der wunde rumzustochern.

ganz selten, ganz kurz, ganz wenig, da frage ich mich ganz kurz: „was machste da eigentlich?“, und kaum, dass ich diese frage zu ende gedacht habe, ist sie auch schon wieder weg. verflogen.

 

ich habe ja wieder mit laufen angefangen. nicht viel, nicht übertrieben, ich will es auch nicht übertreiben, weil ich gerne auch noch länger etwas von meinen bändern und gelenken haben möchte. gestern lief ich, es war schon richtig herbstlich kalt, und ich fragte mich ernsthaft, was da noch bleiben würde. was bleibt eigentlich noch übrig, wenn ich.. naja, hpa kann ich nicht verlieren, ich hatte ihn ja nie. und tobi hab ich auch noch. aber ich frage mich immer, was denn da übrig bleibt, wenn diese leidenschaft, diese absolute sucht nach dem kick, auf einmal wegfällt. ich lief da also gerade den kiesweg entlang, wie – ich wusste es zwar, aber es kam mir wieder deutlich in den sinn – sehr ich wieder im gleichen schema reagiere wie damals mit tobi. was bleibt mir noch, wenn tobi weg ist? .. was bleibt mir, wenn hpa mich nicht mehr anschaut? .. was bleibt mir, wenn das hochgefühl nicht mehr herbeigezaubert werden kann? .. na es bleibt immer noch ich. ich, die ich mich jeden tag schminke. die wert auf ihre kleidung legt. ich, die von dem großteil der firma immer angeschaut wird, eifersüchtig, begehrend, überrascht, schwärmend. egal bin ich auf jeden fall den wenigsten, so viel steht fest.

ich versuchte tobi zu kriegen, indem ich immer mehr abgenommen habe. immer dünner wurde. wenn ich nur hübsch genug wäre, würde er sich bestimmt für mich interessieren. wenn ich nur top gestylt bin, findet mich hpa schön. doch irgendwann.. fand er mich nicht mehr schön. irgendwann interessierte sich tobi nicht mehr für mich. und was bleibt danach? .. na ich. die immer noch schön ist. immer noch interessant. nur halt nicht für diese beiden personen, zumindest nicht zu dieser zeit.

klingt richtig dumm, aber ich finde es so traurig und schade, dass das mit dem hungern nicht mehr geht. geht einfach nicht mehr. ich meine, nicht, dass ich es nicht mehr hinkriegen würde, das würde ich ganz sicher, aber tobi ist ja da und der würde das niemals zulassen, dass ich von heute auf morgen einfach nichts mehr esse. aber wenn ich an diese hungerzeit zurückdenke, dann denke ich daran, dass ich .. so viel kraft hatte. so einen starken willen. auch wenn es gleichzeitig so schwach und willenlos war. und immer – und das klingt noch dümmer – denke ich mir: „das mach ich irgendwann mal wieder.“ so wie einen guten film sehen oder, paradoxerweise, was gutes essen. das mach‘ ich mal wieder! sich siebzehn kilo runterhungern und jeden tag nur noch einen apfelschnitz essen, sodass mir von drei treppenstufen schwarz vor augen wird, frieren im hochsommer und nur jeden tag drauf hoffen, dass die waage irgendwas mit neunundvierzig komma x kilo anzeigt. aber man hatte ein ziel. und motivation. willensstärke und kraft. und nicht zuletzt natürlich das resultat des dünnseins. ich vermisse das. ich vermisse dünn sein, wenn ich auch mit meinen sechsundfünzig kilo derzeit nicht die dickste bin.

 

ich muss tatsächlich sagen, dass hpa mitunter die größte hürde seit jeher für mich darstellt. den kann ich nicht einfach ausblenden, ich muss irgendwie damit klar kommen. noch nie war ich damit konfrontiert, mich jeden tag mit dem objekt meiner begierde in kontakt wiederzufinden. egal wen, ich konnte alle einfach wegsperren und dann wars gut. hpa ist meine königsdisziplin in akzeptanz und loslassen. zumindest bis hierhin.

doch ich bin nicht mehr so depressiv wie ich es früher war und manchmal frage ich mich, ob das überhaupt so gut ist, aber ich denke mir heute: „es wird schon irgendwie gehen. irgendwie geht es nämlich immer. an allem anderen bist du ja seither auch nicht gestorben.“ – im gegensatz dazu wie es hatice schmidt mal in einem video scherzhaft sagte: „alles, was dich nicht umbringt, macht dich nur depressiver.“ hati hat übrigens seither nicht mehr geantwortet, seit einer woche. sie war auch ziemlich im stress, da sie die woche über in berlin war, wie sie mir ja schrieb, es gab nicht mal ein video am sonntag. irgendwie zweifle ich daran, dass das mit dem kino was wird, aber ich warte jetzt mal noch ein paar tage und frage dann nochmal. ich gebe es zu, ich wäre hardcore bis auf die knochen enttäuscht, wenn das nicht klappen würde, weil ich sie wirklich so gerne treffen möchte, könnte es aber auch irgendwie verstehen.

 

allerdings muss ich zugeben, dass ich einen weg gefunden habe, wie ich mich hin und wieder selbst aus dem hamsterrad rausholen kann. ich meine, klar, durchgängig draußen werde ich erstmal nicht sein, wie auch, immerhin bin ich jeden tag mindestens sieben stunden auf arbeit, allerdings schaffe ich es, mir stets kurze zeit eine verschnaufspause zu verschaffen. das schaffe ich eigentlich nur mit alten gedanken, alter musik, alten fotos. sich vor augen führen, was vor hpa war. und irgendwie kommt man immer wieder zu dem zurück, was vorher schon war.

 

ich habe seit einem halben jahr keinen richtigen kontakt mehr zu meinen eltern gehabt. habe meinen vater seit über einem halben jahr nicht mehr gesehen, ich glaube sogar, dieses jahr nur einmal. ich meine, ich hatte vor ein paar wochen auch gar nicht mehr erzählt, was zwischen meiner mutter und mir neulich war, oder? .. na jedenfalls gehe ich einfach allem irgendwie aus dem weg, worauf ich keinen bock hab, seit monaten schon. zu beschäftigt mit hpa. genauso handhabe ich das auch mit tobis familie. die wundert sich schon, was los ist. die sind ja eigentlich auch sehr nett und alles, aber.. wow, mir egal, wie oberflächlich das kommt, aber seit tobis schwester zwei kinder hat, finde ich das ganze einfach nur anstrengend. dieses ständige geheule und geschrei und ständig nur die aufmerksamkeit auf diese zwei blagen, sorry, aber ich mag keine kinder und ich werde sie niemals mögen. ich meide jeglichen kontakt zu kindern, weil ich es einfach.. anstrengend finde. ich muss das nicht haben, denn ich hab ja selber keine, also gebe ich mir das auch nicht. zu familienfesten entschuldige ich mich immer mit irgendeiner anderen ausrede, und ich habe schon deutlich die grenze der höflichkeit überschritten, aber auch das ist mir gerade egal. ich mag einfach nicht, also mach ichs nicht. genau das gleiche mit meinen eltern. ich mag einfach nicht da hinfahren und den anstandsbesuch über mich ergehen lassen, also mach ichs nicht.

 

halb acht und ich fühle mich müde und ausgelaugt. ich fühle mich nicht emotional genug, damit meine ich, ich vermisse es eine leidenschaft zu haben, wenn das auch überhaupt nicht passt, da ich genau genommen sehr leidenschaftlich und emotional die letzten monate bin, nur mit dem falschen ventil. mir fehlt eine sucht, die ich ausleben kann. ich kann emotionen und alltag nicht ohne süchte aushalten. ich brauch etwas, in das ich mich reinsteigern kann und hpa ist wie .. eine eiswand, die ich versuche hinaufzuklettern, aber immer wieder abrutsche.

 

ich schrieb neulich, dass ich manche themen gar nicht anschneiden will, weil ich befürchte, dazu eine message zu bekommen, und all das, was ich bisher schrieb, daher dann unbeachtet bliebe. so geht es mir mit dem nächsten thema.
vor jahren hatte ich mich mal lange mit rückführungen beschäftigt. seit ich in der klinik war und seit ich vieles über mich kennengelernt habe, ist diese große neugier und das bedürfnis eine solche rückführung zu machen sehr stark gesunken. aber irgendwie musste ich erst neulich daran denken und ich frage mich, ob ich nicht jetzt darauf .. lust hätte. ja, ich weiß, man sollte sowas nicht zu einer, ich sag mal, „instabilen“ zeit machen, genauso sollte man sowas machen, wenn man etwas älter ist, aber.. das ist wie so vieles, was ich vor mir herschiebe, nie mache und mit einem schlag, da mach ich es dann doch. wie zehn kilometer zu joggen. öfter mal was neues, schrieb ich erst neulich.

wisst ihr, worauf ich im zuge dessen auch schon lange bock hätte? einen vlog zu machen. allerdings wüsste ich nicht mal über was, und das thema „einfach nur ich selbst“ ist mir dann doch zu.. wenig. auch wenn ich hier in einem tagebuch schon mehr als genug nur mit „ich selbst“ ausfüllen kann, wie man sieht, seit jahren hinweg auch noch. jedoch würde ich in einem vlog dann doch etwas paranoider sein und gerade über meinen chef nichts sagen können, was ja derzeit 99% meines themas ist.

 

ach, eine kleine anekdote muss ich zum heutigen tag dann doch noch bringen, ist auch nicht über hpa, versprochen. nachdem hpa heute vom mittagessen früher aufstand und ich noch sitzen blieb, setzte sich dann neben mich einer der geschäftsführer, genauer gesagt, der chef von souvlaki, welcher auf der anderen seite neben mir hockte. mir gegenüber war dann ein platz frei, auf den sich dann der andere geschäftsführer, mit dem ich vor einem jahr ja auf geschäftsreise war, setzte. keiner der beiden geschäftsführer, mit denen ich sonst groß zu tun habe. zum schluss hockte sich dann diagonal mir gegenüber noch der beste-anschreiben-der-welt-geschäftsführer hin und so war das regime, die höchsten der höchsten, an meinem tisch vereint, noch witziger, da sich einmal mehr wieder alle zu mir setzten und nicht umgekehrt. ich redete trotzdem weiter mit souvlaki und mischte mich wenig in das gespräch der geschäftsleitung ein, souvlaki stand irgendwann auf, was ich ihm gleichtat, und als ich den stuhl an den tisch rückte – ich nahm etwas schwung und schob die lehne an den tisch – spürte ich am stuhl einen widerstand. der geschäftsführer mir gegenüber sagte: „aua!“ und schaute mich an, daraufhin brach es direkt aus mir raus, ich lachte: „oh, sorry!“, der geschäftsführer lächelte verblüfft und der beste-anschreiben-geschäftsführer grinste über beide ohren, absolut schwärmi, und lachte ebenso. ich musste so lachen und ich glaube, der beste-anschreiben-geschäftsführer fand mich in dem moment total süß, zumindest hat er entsprechend geguckt. einfach typisch ich mal wieder xD alle anderen direkt abmahnung, aber nö, ich, frau s., ich darf das, die geschäftsleitung verletzen lol. ich glaub, allen anderen wäre das hunderttausendmal peinlich gewesen und hätten sich auf knien rutschend entschuldigt, während ich noch gelacht hab über meine eigene schusseligkeit, unter der ausgerechnet auch noch die geschäftsleitung leiden muss.

 

am anfang war es mir egal. es war mir egal, wenn ich in der mittagspause saß und sich chefs zu mir setzten und sich mit mir unterhalten haben. mensch ist mensch. mir egal, ob putzfrau oder seniorchef. am anfang war es mir egal, wenn ich bei hpa saß und seine chefkollegen hockten sich zu uns. es war mir egal, wenn die geschäftsleitung bei uns aß und wir uns alle unterhalten haben.

seit ich weiß, dass die wände ohren haben und augen überall sind, seitdem… finde ich es geil. es tut mir leid, aber ich finde es einfach nur geil.  ich muss mich beim mittagessen nur irgendwo an einen leeren tisch hocken und nur ein paar minuten später sitzen gruppenleiter, abteilungsleiter, geschäftsleiter um mich herum. und das spricht einfach meine aller niedrigsten und untersten triebe an. es ist das gleiche verhältnis wie mit hpa. er schmückt sich mit mir jungen hüpfer, ich schmücke mich mit ihm chef. defizite, die sich gegenseitig prima ergänzen. „das checkt der auch, dass ihn alle anstarren, weil du mit ihm abhängst. der ist doch ned blöd, ich merke das doch auch, wenn ich mit dir wo rumstehe, wie mich gleich alle angrinsen, so von wegen: ‚jaja, haste dir die abgecheckt?'“, meinte der witzbold mal zu mir, „ist doch klar, dass er das geil findet, vorallem der mit seinem ego.“

 

und ich weiß gar nicht, wie ich so plötzlich in dieses oberflächliche denken hineingeraten bin. ich gebe auch zu, dass ich es ganz .. merkwürdig finde, wenn ich so an den beste-anschreiben-der-welt-geschäftsführer denke. ich meine, ich stehe null auf den, um himmels willen, aber.. es ist schon so, dass mich das irgendwie anspricht. irgendwie spricht es mich dann doch an. mittlerweile schaue ich auch hin und wieder in sein outlook, um zu checken, ob er gebucht ist, nur um zu erahnen, ob ich ihm vielleicht in der mittagspause begegnen könnte. ich merke einfach ganz deutlich, dass ich sehr offen für… aufmerksamkeit und zuneigung „von oben“ bin, ich merke erst jetzt das große, emotionale loch, das durch meine beschissenen eltern in meine seele gerissen wurde. ich merke, dass er eine ablenkung für hpa darstellt. wenn hpa nicht bei mir sitzt, mich nicht anlächelt, dann ist er eine gelungene aufheiterung in meinem hamsterrad. wie der witzbold, bloß der wieder auf ganz andere art und weise.

 

einerseits ist es schon irgendwie.. dumm und stupide, dieser kleinkosmos. ich meine, der lästert über die, die lästert über den, oh die frau s., hängt sie schon wieder mit den chefs ab, und oh, der launische hpa, ist er mal wieder ausgerastet. richtig stupider, dämlicher kleinkosmos. das ist mir schon klar. trotzdem befinde ich mich jeden tag stundenlang in diesem kosmos. und zum einen merke ich, wie dumm und sinnlos ich das ganze finde, wie ein kuhkaff voller bauern, die sonst nichts in ihrem leben haben, und lieber von hecke zu hecke über die nachbarn tratschen, als über den tellerrand hinauszuschauen. dann aber bin ich selber einer dieser bauern und tratsche über die hecke hinüber, wohlwissend darum, dass ich so bin und denke mir: „tja, trotzdem wohne ich hier in diesem kaff, kann mich dem ganzen dann doch nicht entziehen.“ und, wie ich es schon sagte, es spricht auch irgendwo meine ganz untersten triebe an. ich meine.. was ist ein hpa schon außerhalb dieser firma? was ist eine frau s. schon außerhalb dieser firma? nichts. nicht mal innerhalb so viel, nur ein bisschen huihui und das wars. aber trotzdem, wenn man den neuesten klatsch und tratsch hört – und der ist zufällig auch noch über einen selber – dann kommt man sich schon ein bissl fame vor. total dumm. richtig dumm.

 

suzaku

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