Urvertrauen.

Urvertrauen.

ich mache mir zur zeit viele gedanken um meine umwelt, mein erscheinungsbild und allgemein um mich. wie immer, wenn man etwas hat, das einen .. irgendwie deprimiert und daher zum nachdenken anregt.

gerade jetzt in dem moment frage ich mich, woran ich früher gedacht habe, womit ich mich früher so im tagebuch beschäftigt habe. ich meine jetzt nicht hobbymäßig, sondern.. als ich noch in meiner alten firma gearbeitet habe. ich weiß noch, ich habe mich früher immer über dieses monobraue-pullitante-dreieck aufgeregt. aber mehr.. weiß ich da jetzt gar nicht mehr. ach doch, ich weiß es noch. viel sozialphobie, viele ängste.

wie dem auch sei, ich denke derzeit viel über mich nach und über mein erscheinen und den eindruck, den ich bei menschen um mich herum hinterlasse.

angefangen hat das dadurch, dass mir der witzbold erzählte, was so über mich geredet wird. ihr wisst schon, dieses, dass es peinlich sei, dass ich so mit holly abhänge. an seinem frühstückstisch sitze und all sowas.

als nächstes dann, als er mir erzählte, wie unser kollege doch neulich erstaunt ihn fragte: „is die immer so?“, nachdem ich den witzbold beim vorbeilaufen doch so kumpelhaft von der seite angemacht habe.

gestern hat ein wildfremder in der kantine mich mit vornamen angesprochen, ganz selbstverständlich, als er hinter mir vorbei wollte und ich mit meinem stuhl näher an den tisch rückte.

 

okay, kurz timeout. kennt ihr das, ihr schreibt an einem tagebucheintrag und alles, was ihr tippt, fühlt sich nicht richtig an und man löscht es dann wieder? .. so gehts mir gerade. ich sitze nun seit über einer halben stunde an diesem eintrag und es fließt mal so richtig null heute.

 

nächste woche jährt sich mein eintritt in die firma. ein jahr lang bin ich nun dort und so langsam wird mir bewusst, dass die zeit des ersten eindrucks vorbei ist. die leute haben bereits ihre meinung gebildet. und wenn ich so auf dieses jahr zurückschaue, dann .. glaube ich, dass der großteil mich nicht leiden kann. klingt witzig, wo ich doch jeden tag in der kantine zur mittagspause sitze und mein tisch meistens gerammelt voll ist und alle um mich herum lachen und fröhlich sind. doch gerade wegen dieser handvoll an leuten, die da jeden tag bei mir sitzen und fröhlich sind, mögen mich die meisten nicht. zumindest das, was ich so dann von hintenrum mitbekomme.

mein problem ist eigentlich, dass ich alles tue, was mir gefällt und worauf ich bock hab. das war schon immer so. schon immer war ich aufgrunddessen, was ich gerne tat und tue, die unbeliebte. in sämtlichen schulklassen, bei meiner mutter, keine ahnung.

in der realschule mochten mich die meisten nicht, weil ich mit dem meisten scheiß nix anfangen konnte. ich war ein anime-fan. damals war anime mega unbeliebt, weil.. haha, zeichentrick, das is was für kinder. die große anime-welle kam erst später. und im gymi war ich unbeliebt, weil ich war die komische gothic-braut, dazu noch mit einer lesbischen beziehung. oh man. und hier bin ich unbeliebt, weil ich bei chefs schleime, weil ich tussig bin und arrogant.

aber im grunde genommen mache ich einfach nur das, worauf ich bock habe. und ich umgebe mich mit leuten, auf die ich lust habe. wenn leute zu mir nett sind, bin ich auch nett zu denen und es is mir scheißegal, ob derjenige arm, reich, beliebt oder unbeliebt ist. in der regel tendiere ich sogar eher zu den unbeliebten menschen, weil die mir interessanter erscheinen und weil ich einen hang zu opfern habe, wie mein therapeut ja so schön sagte. ich hatte es ja schon mal geschrieben, aber wenn man sich zum beispiel jeden tag (achtung, arrogantness incoming xD) perfekt schminkt (öhöööööö xD), okay, halt .. mehr zeit, geld und arbeit reinsteckt, als so die meisten frauen, dann biste gleich die oberflächliche, arrogante, die sich für die geilste hält. holly war nett zu mir, sehr nett, von anfang an. ich mochte ihn. deshalb habe ich zeit mit ihm verbracht. ich meine.. dass es für andere aussieht, als wäre ich die chefschleimerin, kann ich denen nicht mal verübeln. aber irgendwie.. muss ich sagen.. ich bin immer verwundert – und ich glaube, das ist das, was mich an dieser ganzen sache eigentlich so krass beschäftigt – wie sehr.. ich andere beschäftige. nein. nicht mal ich. wie viele leute so viel aufmerksamkeit anderen schenken. vielleicht bin ich so arrogant und zu ich-bezogen, mag ja sein (ÖHÖHÖHÖ WEIL DIESER EINTRAG JA MAL GAR NICHT ICH-BEZOGEN IST XD UND ÜBERHAUPT EIN ONLINE-TAGEBUCH ZU HABEN, IST AUCH ÜBERHAUPT NICHT ICH-BEZOGEN), aber ich weiß von den meisten leuten auf arbeit nicht mal, wie sie heißen oder was sie arbeiten oder so.

vorher auf der toilette bin ich einer begegnet beim händewaschen, die treffe ich öfter dort und eben auf dem gang und so. ich habe noch nie mit der geredet, es hat sich halt nicht ergeben. als wir dann so die hände gewaschen haben, fragte ich so lächelnd: „sag mal, blöde frage, aber in welcher abteilung arbeitest du eigentlich? wir sind uns jetzt schon so oft begegnet und ich hab eigentlich keine ahnung, was du hier machst.. da dacht ich, ich frag mal.“ sie hat gleich gelächelt – und ich dachte, die fände mich blöd, weil die mich immer so finster anschaut (das ist ein sehr großer punkt, auf den sicherlich einige leser bis hierhin eingegangen wären: teilweise fehleinschätzung meinerseits, was ich nicht verleugne) – und hat erzählt, in welcher gruppe sie ist und auch gleich bei mir nachgefragt: „und du arbeitest für herrn hpa, ne?“ .. „naja, eigentlich bin ich beim gruppenleiter x, hpa ist der abteilungsleiter.“ .. einerseits hatte mich nicht gewundert, dass sie gleich wusste, dass ich etwas mit holly zu tun haben muss, andererseits aber umso mehr. vorallem weil die viel jünger ist als ich, und wie ich durch das gespräch erfahren habe, auch erst ein jahr da, daher für mich nicht die typische tratsch-kategorie, so auf anhieb. wir haben uns dann so ein bisschen unterhalten, sie fragte mich, was ich überhaupt arbeiten würde, sie wusste nur, dass ich halt bei hpa bin, ich erzählte ein bisschen vom aufbau meiner zukünftigen gruppe, also zumindest, was so der plan ist, wir redeten ein bisschen über unseren jeweiligen werdegang und sie war eigentlich.. doch recht.. kontaktfreudig. nett. klar. die wird das gleiche von mir gedacht haben wie ich von ihr. das ist auch der grund, weshalb ich eigentlich oft auch auf menschen zugehe, weil irgendwer muss ja das eis brechen – und selten ist es (halt bei mir) der andere, hab ich die erfahrung gemacht.

 

keine ahnung, was ich mit diesem eintrag überhaupt ausdrücken will. ich hab fetzen dieses eintrags eigentlich schon seit tagen im kopf, aber jetzt, wo ich endlich dazu komme, darüber zu schreiben, will es nicht so recht was werden. ich komme mir vor wie ein netflix-film. einfach mal irgendwas zeigen, irgendwas labern, son richtigen sinn ergibts nicht und am ende fragt man sich: „was ist jetzt mit den anderthalb stunden meines lebens passiert?“ XD

 

holly quält mich mit seiner komischen distanz. distanz, die dann doch keine ist, bzw., nein, das ist sie schon, aber… er kommuniziert es nicht. er zeigt es mir unterbewusst oder unbewusst, oder sehr deutlich und bewusst, aber nicht so, dass er es aussprechen muss, quasi die feige version jemanden abzuschieben. irgendwas davon. jedenfalls macht es mich wahnsinnig und fertig. ich wünschte mir so hardcore, jeden tag sieben stunden, dass er einfach zu mir käme und sagen würde: „suzaku, ich will unseren kontakt runterschrauben. ich habe mir alles nochmal überlegt und das ganze ging mir zu weit.“ – und das wäre okay. ich habe so ein dringendes, so ein .. durchbohrendes, zerreißendes bedürfnis, jeden tag, stundenlang, zu ihm ins büro zu gehen und zu sagen: „jetzt sag halt einfach, dass du mich abschiebst. sag einfach, du hast keinen bock mehr auf mich und ich ziehe mich zurück. denn das, was du gerade machst, das ist einfach unfair und meiner nicht würdig. denkst du, ich merke das nicht? ich merke das. und tu nicht so, wenn ich drauf anspreche, als wäre nichts, denn es ist nicht nichts.“ das würde ich am liebsten sagen. jeden tag. jeden verdammten kacktag, wenn er mir wieder mit seiner ignoranten art weh getan hat. lieber direkt das messer in den rücken, komplett durchbohrend, als jeden tag so ein bisschen tiefer.

und heute habe ich mich einfach mal gefragt, warum. was hätte ich denn da davon, wenn ich das zu ihm sagen würde? kaputt und vorbei ist das verhältnis doch sowieso schon. was hätte ich davon, wenn er auf genau das antworten würde mit: „ja, du hast recht. du hast mit allem recht. ich will den kontakt nicht mehr. bitte lass mich in frieden.“ – und dann ist es mir, einmal mehr, wie schuppen von den augen gefallen.

ich will beweisen, dass ich nicht dumm bin. ich will ihm sagen: „hör zu, ich bin kein depp, ich habe es geblickt.“

ich will die erwachsene, die schlaue sein, die es direkt anspricht, die ausspricht, was sich andere nicht zu sagen trauen. ich will die vernünftige sein, die starke, die toughe, die coole, aber allem voran die intelligente.

ich will nicht so tun, als wäre nix. ich will nicht so tun, als wäre ich immer noch hihihi fröhliche suza. ich will aber auch nicht die verstoßene sein, die auf mitleid pocht (und es eh nie kriegen würde). nein, einmal mehr läuft alles, aber auch verdammt nochmal alles, drauf hinaus, dass ich mal wieder beweisen will, dass ich nicht dumm bin. keine ahnung wieso, aber dabei kommen mir die tränen. nicht wegen holly oder sowas.. sondern weil ich mal wieder spüre, wie tief das geht.

das spiel mit holly, das ist das gleiche wie bei meiner mutter. ich eifere hinterher, ich will anerkennung und zuneigung und vorallem will ich eins: ich will beweisen, dass ich kein solcher depp bin wie sie mich behandeln oder für den sie mich halten. es ist ein ständiges hinterherrennen und verzweifelt immer wieder irgendwas beweisen wollen.

und wisst ihr was das beste ist? .. ich kann denen meine „intelligenz“ nicht beweisen, weil beide selber zu dumm sind, um sie zu erkennen. man braucht selber eine gewisse intelligenz, um eben solche zu erkennen, und das haben beide nicht. emotional schon gleich gar nicht, ebenfalls beide nicht.

 

ich weiß jetzt schon, dass es wieder so schlauberger gibt, die mir schreiben: blah, irgendwann ist auch die zeit gekommen, erwachsen zu werden und das mit seiner mutter zu überwinden blabla. oh man, wie mich solche sprüche nerven. also bitte, jeder, der mir sowas schreiben will – lasst es. weil hallo, zig mal gelesen, zig mal gewusst und es hilft trotzdem nicht weiter. das is wie nem depressiven zu sagen: „jetzt lass den kopf nicht hängen“, öhöööööö voll guter tipp. saved my life.

 

und immer, wenn mir sowas passiert, wenn ich daran denke, wie alles so gelaufen ist, mit meiner mutter und meinen eltern, dann bin ich unter den vielen tränen einfach nur unendlich wütend. ich bin wütend darüber, dass sie mir diesen dreck mitgegeben hat, diesen inneren leitsatz, an dem ich wohl mein leben lang nagen werde (HÖHÖHÖ WERD ERWACHSEN 8D), nämlich, dass ich nicht ausreiche. dass ich ihr zu dumm bin, zu schräg, zu schrill, zu „ach suza…“, zu „sag mal, weißt du das nicht!?!!!“, zu sehr nicht mein bruder. zu sehr „also ich kann nicht verstehen, warum DU keine kinder willst, du hast dich doch niemals um kleine geschwister kümmern müssen!!“, zu „also die jennifer, die würde ich gerne adoptieren, die arme, die braucht eine richtige mutter“, zu „sophia ist so ein hübsches mädchen, ich sehe die so gerne an“, zu „der tobi ist so ein toller, du hast echt glück, dass der mit dir zusammen ist. verkacks dir ja nicht mit dem!“

witzig, wie so ein hirn funktioniert. ich frage mich, ob das mit holly so gelaufen wäre, wäre meine kindheit anders verlaufen. ICH GLAUBE NICHT, TIM.

 

keine ahnung, was ich darüber noch sagen soll. ich hoffe ja, dass mir diese erkenntnis in sachen hpa vielleicht weiterhilft. keine ahnung. und selbst wenn nicht.. kleine stiche in den rücken bringen einen auch irgendwann um, dauert dann halt nur länger.

 

suzaku

8 Gedanken zu „Urvertrauen.

  1. Ein Elefant, der Ameisen von seiner Größe überzeugen will, ist plem-plem. Von der Ameise aus gesehen ist der Elefant kein Elefant, sondern: eine Nicht-Ameise oder eine Un-Ameise. Manchmal vergesse ich das. Dann bin ich ein Esel. / Daß das s o nicht n u r stimmt, ist klar, der Dschungel ist unübersichtlicher, mir aber hilft es, wenn es mir helfen soll, du dumme Kuh 🙂

  2. Nach meiner Erfahrung ist es sehr hilfreich ein breites Netzwerk zu haben. Besonders in einer großen Firma. Das du das kannst, sieht man an der Begebenheit mit dem Mädel, welches du beim Händewaschen angesprochen hast. Oder die Kontakte, die du mal rasch in Las Vegas geknüpft hast. Die Arbeit macht auch mehr Spass, wenn man mehr Leute kennt. Es wird nicht nur einen Witzbold, Souflaki oder Masterstudentin dort geben. Letztere ist ja leider bald weg. Deswegen, groß erscheint mir dein Kreis nicht. Es ist kein Wunder, du hattest fast all deine Kraft und Aufmerksamkeit hpa gewidmet. Sei lieb gegrüßt.

    1. Ich kenne schon noch mehr Leute auf Arbeit, mit denen ich ab und zu auch privates rede, schon allein durch die Messe. Die erwähne ich halt auch nicht unbedingt im Tagebuch, weil sie irrelevant für die „Story“ sind. Aber die, mit denen ich immer so essen gehe, sind halt ein Kreis von so sieben Leuten und das sind auch immer die gleichen. wobei ich sagen muss, dass ich das gar nichr anders kenne, also nicht mal nur von mir, sondern auch von allen Leuten im mich herum, auch in anderen Firmen. Da hatte jeder nur seinen stammkreis. Hatte schon sogar drei mal (oh wow xD) versucht, mit wem ganz anders Mittagessen zu gehen, hat sogar zwei mal davon geklappt, wovon aber einmal ganz beschissen war xD (das war da, als ich beim tittenglotzer sitzen musste xD) aber ja, ich versuche derzeit meinen Kreis etwas zu erweitern, gestern wieder einer mehr hinzu gekommen xD danke dir, grüß dich!

    1. Du bist eine 🙂 Und: du mußt den Kommentar schon bis zum Ende lesen, „Dschungel“ und mit dem Eintrag teilweise verknüpfen. Was zukünftig nicht mehr erforderlich ist. Ich werde hier nicht mehr lesen.

      1. Doch, ich hab zu Ende gelesen und es so verstanden, dass es differenzierter zu betrachten ist und nicht ganz so platt. Selbstverständlich habe ich auch verknüpft. 🙂
        Soll jetzt nicht mal provokant sein, die Frage: Hältst du dich für einen „Elefanten“?

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