Vorher.

Vorher.

es ist 14.11, draußen ist es grau in grau und regnerisch, sonntagnachmittag und tobi sitzt im büro und bastelt an einem seiner drohnenvideos. ich höre derweil „suite“ von rachel portman und liege auf der couch mit dem laptop auf dem schoß und einer tasse kamillentee neben mir.

ich liebe rachel portman einfach. den film finde ich ganz okay, ich mag ja julia roberts überhaupt gar nicht und ihre filme noch viel weniger, aber den finde ich ganz okay. liegt vermutlich dran, dass ich die anderen mädels ganz gut finde, generell solche art von geschichten und filme mag ich, darum gehts grad noch, dass julia roberts dabei ist. und die filmmusik, um mal wieder auf das eigentliche thema zurück zu kommen, sorry, aber ist halt einfach rachel portman. die ist eh der hammer, auch wenn ich finde, dass sich fast jedes lied bei der gleich anhört. aber gut. ich liebe auch evanescence und da hört sich auch jedes lied gleich an haha.

und zum alltag, hm. ich könnte jetzt eigentlich von der arbeit anfangen zu reden, aber da habe ich keine lust drauf. das ist auch etwas, was so meinem tagebuch ein bisschen die „würze“ genommen hat, also .. die alltäglichen geschichten. von wegen, jeden tag update, boah, heute war wieder dies und das und blabla, also nicht mal unbedingt von der arbeit, sondern von allem. dadurch eben, dass ich so selten schreibe. aber oft bin ich auch einfach nur des erzählens müde. wobei.. hm. das ist wie bei sex, hab ich ja schon mal gesagt. um mehr lust auf sex zu kriegen, hilft…. sex. und um mehr lust auf erzählen zu kriegen, hilft erzählen. aber gut, ich erzähle ja jetzt auch, nur eben nicht von der arbeit. und zum täglichen schreiben… hm. tobi und ich versuchen jetzt mal wieder was.

und zwar habe ich neulich gemeint, dass ich irgendwie.. keine zeit mehr habe. also so im alltag. gefühlt habe ich einfach null zeit. ich stehe zwar jeden tag um 4:30 oder zumindest 4:45 auf, aber irgendwie fehlt mir einfach die zeit. und zwar mache ich mich morgens immer so 45minuten lang fertig, das heißt, gemütlich schminken etc, aber das ist so mein… start in den tag. ich brauche das. ohne das bin ich morgens so angerotzt und schlecht gelaunt, da gehts eigentlich nur sekundär darum, dass ich dann am ende geschminkt zur arbeit gehe, nein, ich brauche dieses… in ruhe sich alleine hinsetzen, einen kaffee trinken, gemütlich sich zu schminken und nebenbei irgendwas anzusehen. wisst ihr, was ich so gerne da morgens anschaue? .. julia leischik sucht – bitte melde dich xD hab ich ja, glaub ich, schon mal erzählt. alter, ich liebe die alte, echt jetzt. ich weiß, man mag ja von der sendung halten, was man will, aber ich liebs xD … das ist wirklich die einzige sendung, die ich quasi vom otto-normal-fernsehen (zwar auf youtube nach)sehe, aber da könnte ich wirklich stundenlang zuglotzen lol. ich mag die julia einfach, die is so wie.. keine ahnung, für mich ist die wie ein golden retriever XD immer glücklich, immer fröhlich, immer lieb und knuddelig. die möchte man einfach in den arm nehmen und knuddeln lol.

naja, aber zurück.. und zwar finde ich, ich habe einfach keine zeit. ich stehe morgens auf, dann fange ich um 6.00 zu arbeiten an, meistens bin ich dann da so.. hm, je nach auslastung und projekt zwischen 15.00 und 16.30 im schnitt, würde ich mal schätzen, und dann fahr ich heim und koche. und wenn ich gekocht habe, macht tobi gerade feierabend (der arbeitet ja nur noch vom homeoffice aus) und dann essen wir zusammen und sehen den rest des abends fern. und tobi macht meistens so … 17.30 feierabend. und für mich persönlich is das immer die „deadline“, dass ich bis dahin fertig sein muss, also mit .. arbeit, kochen, küche aufräumen. je nachdem auch andere tätigkeiten wie… abschminken, umziehen, duschen. und dann guck ich, dass ich irgendwie da noch das singen reinquetsche, manchmal muss ich noch einkaufen gehen, je nachdem, was eben der kühlschrank und die essensplanung spricht.

und irgendwie kommt es mir so vor, als .. wäre das früher anders gewesen. also schon zu der zeit, als ich schon in der neuen firma gearbeitet habe. als ich noch in der alten firma war, also bevor das mit holger und alles war, da war eh alles anders. da war ja auch noch die alte wohnung mit den schrecklichen nachbarn und blah. aber gerade zu der zeit, als diese ganze holger-geschichte gewesen ist, so .. 2017 und 2018 rum, da .. kommt es mir nicht so vor, als ob ich damals schon so wenig zeit hatte. aber da habe ich auch nie vor 15.30 feierabend gemacht, weil damals noch kernarbeitszeit bis 15.30 war. und gekocht habe ich da auch jeden tag. zwar war ich da noch nicht im gesangsunterricht, jedoch war ich da mindestens vier mal die woche joggen und das hat wesentlich mehr zeit gefressen als die singerei. da war ich ja schon allein ne stunde lang beim joggen unterwegs und dann noch halbe stunde duschen und anziehen und so.

„ja aber wir gucken jetzt mehr fern. und früher warst du null mit deiner arbeit ausgelastet und hast dich noch richtig auf die freizeit gefreut und viel unternommen.“ zitat tobi. stimmt schon. mittlerweile essen wir auch voll früh zu abend, immer so 17.30, spätestens 18.00. und ja, woran man es merkt, dass wir mehr vor der glotze hängen, ist, dass wir es unter der woche schaffen, einen film zu schauen. das haben wir früher nie geschafft. da waren wir höchstens mit ein paar folgen unserer aktuellen serie beschäftigt und fertig.

naja, lange rede, kurzer sinn, tobi und ich versuchen jetzt wieder unseren alltag etwas mehr umzukrempeln, indem wir vereinbart haben, dass wir nun jeden tag erst um 19.30 zu abend essen. und die ein, zwei stunden nach der arbeit dann zeit ist für hobbies. da tobi nämlich seine hobbies auch komplett vernachlässigt hat. aber irgendwie hat sich das so mit.. corona, eigentlich mit corona, eingeschlichen. und ja, die arbeit ist wesentlich belastender als früher. total.

aber es gibt so dinge, die möchte ich unbedingt wieder machen, die ich habe schleifen lassen. eigentlich nur eine sache.

joggen. hätte ich auch nicht gedacht, dass ich das mal sage. aber irgendwie.. ich mochte joggen total und das fehlt mir. eigentlich aber auch schade, weil joggen bringt jetzt nicht so viel, was .. schlank sein angeht xD .. (OAH ICH FÜHLE SHITSTORM INCOMING) .. nee, eigentlich wäre da gewichte heben besser (SHITSTOOOORM), und ich will ja eigentlich schlank sein. aber ich muss mal gucken, wie ich das schlussendlich mache. unter der woche abends joggen gehen ab 17.00 ist halt auch kacke, weil dunkel. aber gut. mal schauen. jedenfalls wird das „experiment: 19.30 abendessen“ mal interessant. ob das das ganze wirklich so ein bisschen.. entzerrt.

 

ja, ich weiß, HÖCHST SPANNEND. i know. aber es gibt ja so kandidaten unter euch, die sagen, meine einträge können nicht lang genug sein. na ob die das immer noch so sehen nach bald zwei jahren corona-tagebuch, ich weiß auch nicht XD

 

im übrigen, das thema wird jetzt leider nicht groß interessanter, aber meine freundinnen, also die bsb mädels, sind gerade wieder alle so ein bisschen am ausrasten, weil sich nick carter für die comic con in dortmund nächsten monat angemeldet hat. die sind jetzt alle kräftig am tickets buchen und hotels reservieren und blah. geht mir hart am arsch vorbei. irgendwie merke ich bei solchen sachen dann voll oft, was für ein innerer… hmm…. nomade ich bin. keine ahnung. das habe ich ja im letzten eintrag schon so ein bisschen geschrieben, aber.. ich teste alles so ein bisschen an, bzw. genau genommen baller ich in irgendwas volle granate rein und dann interessierts mich nicht mehr und ich merke, wie alle anderen aber darauf hängen bleiben und ich kehre dem ganzen so den rücken zu. wobei das natürlich in dem fall, weiß ich selber, nicht ganz richtig ist, da es hier ja um nick geht. ich würde auch abspinnen, wenn sich jetzt kevin für die comic con angemeldet hat. aber die anderen mädels sind auch keine nick-girls und die gehen auch alle hin.

 

ich wollte eigentlich noch über ein anderes thema schreiben, das war eigentlich der hauptgrund, weshalb ich mir für heute die zeit für einen tagebucheintrag nehmen wollte, jedoch bin ich jetzt mittlerweile gar nicht mehr so richtig in der „mood“ für dieses thema. freitag wäre das gewesen, maximal gestern noch. aber je mehr tage vergehen, desto mehr verblasst immer die laune zu etwas bestimmten, bis man gar nicht mehr reinfindet. und heute hatte der tag schon einen ungünstigen verlauf genommen, da alles so grau in grau und ungemütlich war und ich dadurch mords die kopfschmerzen hatte.

manchmal, wenn man so zurückblickt in seinem leben, also ich meine nicht langfristig, sondern nur die letzten paar wochen, monate oder so reflektiert oder ein bestimmtes ereignis, oder sagen wir, eine bestimmte phase, dann denkt man manchmal: „oh man ey, dass ich dies und das so und so gemacht habe.“ also .. ich weiß nicht, ob ich das verständlich rüberbringen kann, aber oft reflektiert man und man wird sich der position des „nachhers“ bewusst. ich weiß jetzt schon, wie das alles mit holger zum beispiel damals ausgegangen ist, was ich damals noch nicht wusste. ich weiß jetzt schon, wie es ist, für diese firma zu arbeiten. konnte ich mir damals, als ich noch in der anderen firma war, nicht so recht vorstellen. im nachhinein kann man zurückblicken und quasi vom nachher ins vorher gucken. aber selbstverständlich geht diese tür nur in eine richtung auf. ich kann nicht vom vorher ins nachher blicken. keine ahnung, wie bestimmte sachen sich am ende entpuppen oder entwickeln werden.

ich behaupte, bzw. ich kann logischerweise nur von mir ausgehen, aber ich behaupte, meistens ist man sich des nachhers gar nicht so sehr bewusst. also dass man es sich so richtig vor augen führt, dass bestimmte dinge jetzt schon gelöst, offenbart, bekannt, überwunden sind und vor einer weile stand man da noch ratlos da und dachte sich: „puh, keine ahnung.“ meistens denkt man nur oberflächlich mit einem leichten lächeln: „oh ach ja, das wusste ich da ja noch gar nicht.“ – sprich, die tür von jetzt ins gestern… fühlt man nur manchmal ein bisschen, indirekt.

die tür von heute ins morgen, die.. merkt man ganz dolle. also zumindest, dass sie verschlossen ist. aber tatsächlich nimmt man die, glaube ich, noch viel weniger war. man merkt gar nicht, dass man sich jetzt gerade im „vorher“ befindet, man empfindet das ganze nur als gegenwart, als normaler ist-zustand. erst irgendwann, wenn etwas passiert ist, merkt man, dass das das „vorher“ war. zumindest geht es mir so.

und ganz selten, ganz ganz selten, da spürt man eindeutig, dass man gerade im „vorher“ steckt. da schaut man in die zukunft und weiß einfach noch gar nicht, wie alles ausgeht und wie sich manches entwickelt und man spürt, dass nicht einfach nur das ganze gerade gegenwart ist, sondern der zustand, bevor sich irgendetwas…. verändert? .. vielleicht nicht unbedingt maßgeblich für immer dein leben verändert, aber.. die diese phase gerade beenden wird.

vermutlich können viele zwar verstehen, was ich meine, aber richtig nachempfinden werden es vielleicht irgendwie nicht viele können, glaube ich. ich glaube, das können nur die, die genauso wie ich auch von phase zu phase in ihrem leben springen.

und wie ich neulich schon schrieb, so .. empfinde ich, dass ich gerade so ein bisschen in.. aufbruchstimmung stecke. ich würde nicht sagen, die ruhe vor dem sturm, denn ich weiß gar nicht, ob es in einem sturm enden wird, das ist es ja eben, die verschlossene tür nach vorn, aber.. enden, das wird es irgendwie. muss es irgendwie. wird es auch. irgendwann kehre ich auch dem den rücken zu.

aber auch diese geschichte verlangt mir einiges ab. macht mir auch irgendwie angst. das sind jetzt die gedanken in dem vorher. wisst ihr, was ich ganz lustig finde? .. manchmal, da stellt man sich eben etwas vor, wie etwas sein wird und man ist so überzeugt von seiner vorstellung, dass sich das in dem moment einfach so anfühlt von wegen: „ja, das wird so sein.“ zum beispiel, wie .. das konzert in indonesien sein wird. da alleine hinzufliegen, die backstreet boys in den hotels von jakarta zu suchen, wie es wohl in jakarta aussieht und alles. und dann passiert es tatsächlich und man vergisst eigentlich total, wie man sich das zuvor vorgestellt hat, weil man so damit beschäftigt ist, das echte, tatsächliche zu erleben, statt es mit der vorher-vorstellung zu vergleichen. und nachdem man etwas erlebt hatte, im nachhinein, da weiß man oft gar nicht mehr, wie man sich vorher das nachher eigentlich vorgestellt hatte. ich weiß heute gar nicht mehr, wie ich mir vorgestellt habe, wie es in jakarta sein würde. ich weiß nur noch, wie es tatsächlich war.

und so geht es mir gerade. ich stelle mir vor, wie manches sein wird. und diese vorstellung, die werde ich wohl nachher vergessen haben. ich bin fest davon überzeugt, dass ich so auf die schnauze fliegen werde. ich bin fest davon überzeugt, dass es in diesem… unerträglichen, unangenehmen gefühl enden wird, wie ich es eigentlich nur von… zwei situationen her kenne.

die eine situation war, als ich damals mit meiner mutter nach london fahren wollte. meine mutter hatte ja nicht nach ihrem visum für london geschaut, da sie ja keine deutsche ist, sondern nur eine permanente aufenthaltsgenehmigung hat. und wir sind ja dann, weil ich unbedingt nach london in das musical wollte und ich sie zu dieser fünf tägigen busreise eingeladen habe, mit dem bus nach calais gefahren und ihr wurde dann während der busreise bewusst, dass sie kein visum beantragt hat und sie ja auch keine ahnung hatte, ob sie überhaupt eines brauchen würde. sie hat mich die ganze busreise über angezickt und gedisst, dass sie auf den scheiß sowieso keinen bock hat und blah, das war halt wieder so ein… oh man. ganz ehrlich, das ist auch so eine sache, wo ich im nachhinein, wollen wir mal beim thema bleiben, mir denke: „alter, the fuck.“ und zwar wollte ich da ja unbedingt hin und ich habe gesagt, ich organisiere die ganze reise und lade sie auch dazu ein, zahle alles, aber sie muss nach ihrem visum gucken, weil ich kann das ja sowieso nicht für sie beantragen und alles. und damals war ja auch noch mein vater .. ich sag mal „ganz normal im kopf“, also das war ja vor dem schlaganfall, als ich die reise gebucht habe. und erst monate später hatte mein vater den schlaganfall und sie somit quasi keine unterstützung mehr in sachen visum blah. ich hatte die reise irgendwann im januar gebucht für juni und im mai hatte mein vater erst den schlaganfall und ab da wars dann so stressig mit .. pflege etc pp. das heißt, vier monate zeit, sich über ein eventuelles visum schlau zu machen.

na jedenfalls saßen wir da in dieser schier unendlichen fahrt in dem bus und meine mutter hat gekocht vor wut, weil es natürlich meine schuld sei, dass wir eventuell dann in calais wegen ihrem fehlenden visum, falls sie eins bräuchte, probleme kriegen würden, da ich überhaupt auf die schnapsidee dieser reise kam. sie hat mich mit zischendem ton immer wieder dumm von der seite angemacht, während der ganzen reise nach calais, und ich… hatte so .. angst? .. das ist genau diese psycho-angst, die man nur kennt, wenn man in solchen verhältnissen aufwächst. diese innere panik, dieses unbeschreiblich schlimme gefühl der wertloseste, dümmste dreck auf der erde zu sein, weil ich mir tatsächlich weisgemacht habe, ICH könnte eine reise organisieren. ich kann gar nix. ich bin zu dumm für alles. und lol, ich eine reise nach london. unmöglich. NATÜRLICH musste es nicht klappen. hat ja auch nicht geklappt. denn in calais wurden die einreisebestimmungen kontrolliert und siehe da, meine mutter durfte nicht einreisen, was bedeutete, dass wir vom bus rausgeworfen wurden und dann an der fähre in calais standen und gucken mussten, wie wir nun wieder heimfahren können. ich hätte selbstverständlich alleine nach london gehen können, schließlich durfte ich als deutscher bundesbürger ja einreisen, aber wooouuu, stellt euch vor, wie das gewesen wäre, hätte ich gesagt: „jo mama, tschau, guckste halt, wie du wieder heimkommst“ und ich fahr weiter nach london.

heute, im nachher, denke ich: krass, wie du dich so schlecht fühlen konntest. krass, wie du angst hattest vor deiner mutter. genau genommen hätte ich den spieß umdrehen müssen/können und sagen sollen: „alter, ich hab hunderte euro für die reise und für die musicaltickets ausgegeben, habe dich zum urlaub eingeladen und weil DUUUUUUUUUU zu dumm bist, dein scheiß visum zu organisieren, SITZEN WIR JETZT HIER IN CALAIS!?“ .. stattdessen hatte ich tierische panik und einfach nur gehofft, meine mutter würde nicht ausrasten und nicht noch mehr mich damit konfrontieren, dass ich ja diese reise machen wollte. weil, dass die reise niemals klappen wird, weil ich ja zu dumm für alles bin, das war ja von vornherein schon klar.

 

das war das eine mal, als ich dieses unerträgliche gefühl hatte. dieses ganz schlimme von.. ganz furchtbarer scham. ich glaube, scham ist noch viel schlimmer als angst. nee, ist so, das glaube ich nicht nur, ist so. für mich zumindest.

ich glaube, mit dem hintergrund kann man ein bisschen nachvollziehen, wie krass es also für mich ist, dass ich zum beispiel alleine in warschau war. oder alleine in indonesien. the fuck. ich bin also doch nicht zu dumm, eine reise alleine irgendwohin zu organisieren. (gut, lassen wir das mal so stehen, nachher plane ich wieder irgendwann mal eine reise irgendwo alleine hin und dann bleib ich irgendwo in timbuktu stecken 8D) aber… das war das krasseste. der moment in warschau, als ich mit dem taxi zu dem bsb hotel gefahren bin. der blick nach draußen, dieses: „oh man, ich bin tatsächlich alleine in warschau, wie krass.“ der moment, in dem man realisiert, dass dinge tatsächlich passieren können. dass nicht nur alles immer am arsch ist, dass nicht immer alles nur in einem: „SIEHST, WUSST ICHS DOCH!“ endet. gleiches gefühl, als ich von indonesien nach frankfurt in singapur umsteigen musste. als ich in dieser bahn saß und auf diesen einen… „botanischen garten“ geguckt habe, auf dem weg zu meinem flieger nach frankfurt. dieses wissen, diese neue erfahrung: dinge können auch mal funktionieren.

ich muss sagen, für mich fühlen sich dinge, die glücken, immer noch so .. neu an. es ist einfach tief im innern eingebrannt, durch die ersten 27 jahre meines lebens, dass .. dinge dazu da sind, zu scheitern. eigentlich ist es nicht so, denn als kind war ich zum beispiel auch auf dem patrick fiori konzert irgendwo in der französischsprachigen schweiz, wo ich NIEMALS dachte, dass ich da JEMALS hinkomme, oder als ich den sanitäter vom o-town konzert damals gefunden habe, aber.. trotzdem sind all die dinge, in denen man versagt hat, .. einprägsamer gewesen als alles andere.

 

das andere mal, als ich mich so absolut furchtbar schlecht gefühlt und geschämt habe, war, als ich das erste mal bei daniel war. also mein ex, zocker-daniel, in den ich bis dato schon monatelang verknallt war, der mich provoziert hatte, dass ich ihn doch bitte besuchen soll. es waren nur scherze mit einem fünkchen wahrheit und ich sagte, wenn er jetzt noch einmal sagt, ich solle ihn besuchen, dann mach ich das. keine ahnung, wie viele kilometer das damals waren, vierhundert, fünfhundert? .. und ich habe es gemacht. und spontan bin ich bei ihm aufgekreuzt. ich wusste damals nicht, in was für schlimmen verhältnissen er zuhause gelebt hatte, daher war mein spontanes aufkreuzen nicht so… toll. ich habe trotzdem eine nacht bei ihm verbracht und ich habe mich, außer auf dem weg nach calais, je so unwohl gefühlt. ich wusste, er stand auf mich, konnte es aber viel zu gut unterdrücken, weil ich damals die ex seiner besten kumpelini war, schlimmer noch, ich habe mit ihr schlussgemacht wegen ihm. somit war ich tabu. und plötzlich sitze ich nachts bei ihm zuhause und wir schauen, alleine, zusammen fern. keiner hatte ein wort gesagt und er hatte die unangenehme situation versucht mit lockeren sprüchen und auch schweigen zu … irgendwie einfach zu ertragen. gott, war das eine schlimme nacht. heute wäre ich einfach wieder gegangen. schon allein in dem moment, als er so total überfordert reagiert hatte, als er mich sah, wäre ich heute sofort umgedreht und hätte gesagt: „ooooooook, bin wieder weg. tschö.“ genauso, wie ich heute in calais meine mutter zurückangeschrien hätte, als mich von ihr psychisch fertigmachen zu lassen.

 

und irgendwie fühlt es sich an, dass ich .. ich sag mal mit dem ende des schwarzen lochs wieder vor so einem moment stehe. in dem ich mich unsäglich bescheuert fühlen werde. ein moment, von dem ich mir irgendwann mal – im nachher – denken werde: „oh gott, was haste denn da gemacht?“, einfach nur deshalb, weil ich schon vergessen habe, wie sich der status „vorher“ angefühlt hatte. vorher, also jetzt, da waren so viele fragen, da waren so viele.. ungeklärte dinge, so viel… verschlossene tür ins nachher, dass .. ich einfach deshalb so gehandelt habe, wie ich wohl handeln werde. nur deshalb bereue ich eigentlich gar nichts in meinem leben. denn zu dem damaligen zeitpunkt, als ich so gehandelt habe, wie ich es eben tat, da hatte ich eben auch bestimmte beweggründe. natürlich können die sich auch irgendwann als nichtig rausstellen, aber das wusste ich ja damals noch nicht. man muss auch lernen, sich selbst zu verzeihen, wenn man mal etwas vermeintlich dummes gemacht hat. und nur der mut, dummes zu tun, kann einen auch dazu bringen, dass man vielleicht die besten zeiten seines lebens erlebt, an die man sich auch noch in hundert jahren erinnert. ich glaube, nur aufgrund meines .. „psychischen knacks“ oder eben der art, wie ich groß geworden bin, hat dieses.. „vermeintlich dumme handeln“ noch so ein krasses gewicht, wie es das überhaupt noch hat. ich meine, dass ich mir im nachhinein manchmal extrem doof vorkomme, wenn ich irgendwas gemacht habe, was vielleicht sich als nicht ganz schlau oder sagen wir eher als nicht ganz erfolgreich rausstellt. wäre ich nicht über 30 jahre mit dem inneren glaubenssatz „ich bin dumm“ groß geworden, würde ich mir womöglich gar nie solche vorwürfe machen, wie gesagt, kann man ja vorher nie wissen, wie etwas endet.

ich muss aber auch sagen, dass .. selbst die fails, selbst die calais und die daniel-nächte, selbst die.. irgendwie krass waren. also.. löschen möchte ich die erlebnisse trotz allem auch nicht aus meinem gedächtnis, denn selbst, wenn sie nur schlechtes gebracht haben oder hätten, so haben sie mir zum beispiel zumindest geholfen, diese eintrag hier zu schreiben. und bestimmt auch sonst noch eine menge mehr als nur das.

ich fühle mich trotzdem so, als würde ich einem großen fail hinterherrennen. aber ich bin jetzt auch noch im vorher. wer weiß, wie ich einmal hierauf zurückblicken werde.

 

suzaku

6 Gedanken zu „Vorher.

  1. Ich musste den Eintrag zweimal lesen, weil ich ihn sehr philosophisch finde. Und mir war nie klar, dass ich auch häufig über das Vorher und Nachher nachdenke. Danke für die Metapher? Analogie?
    Und danke fürs Inspirieren, den Tag mal anders zu strukturieren, das werde ich wohl auch versuchen

  2. Pro Joggen! ^^
    Ja du hast recht es bringt nichts fuers Abnehmen.
    ABERT: Du koenntest dir auch eine Trainerin anlachen, die dir ein Sportprogramm zurechtschneidert. Derzeit laufe ich zweimal pro Woche (ca. 40 Minuten je Lauf) und mache dreimal Krafttraining (ca. 30 Minuten pro Einheit). Dann hab ich noch einen optionalen laengeren Lauf am Wochenende. Da muss ich sagen, das Programm ist voll machbar fuer eigentlich jedes Zeitbudget.
    Mal abgesehen von den koerperlichen Vorteilen finde ich die positiven Effekte auf die mentale Gesundheit noch gravierender. Man ist irgendwie ausgeglichen und viel besser fuer die Rueckschlaege des Alltags gewappnet.
    Genug Werbung! xD
    Liebe Gruesse aus Kanada.

    1. Jaaaaa ich weiß es ja xD und jaaaaaa, ich mach ja schon xD also ich will keine Trainerin oder sowas, aber wir haben daheim einen ganzen Fitnessraum, wo auch ein gerät für krafttraining steht, womit man den ganzen Körper trainieren kann. (und Hanteln und blah) Is eigentlich von tobi, aber ich will mir das teil auch mal erklären lassen. Aber ja, ich denke, ich werde auf jeden Fall versuchen einen Teil der wieder gewonnenen Zeit auch in Sport zu investieren 🙂 viele Grüße! 🙂

  3. Das hast Du sehr schön beschrieben – kanns gut nachvollziehen, aber ich kann mich nie so gut ausdrücken wie Du. Dafür lieb ich Dich.

    Verrückt, ich denke ab und an dran, was ich früher so gelesen habe, bei Leuten, die mir irgendwie ans Herz gewachsen sind („kenne“ Dich ja jetzt auch schon ca 20 Jahre) und da hab ich auch an die Daniel-Zeit gedacht und was Du alles erreicht, erlebt und verändert hast seitdem. Schade, dass die ganzen Einträge dazu fort sind.

    Ich hoffe, Du kannst die Abendstunden gut für Dich nutzen =)

    1. Oh danke dir <3 ja ich "kenne" dich eigentlich immer noch unter deinem alten folnamen als tabris' coole freundin. Wobei du, glaub ich, gar nicht soooo eng mit ihr befreundet warst, aber für mich is das immer die eine coole freundin mit dem coolen namen und die is richtig dicke mit tabris xD

      Um ehrlich zu sein, bin ich ganz froh, dass die Einträge alle weg sind. Also sie sind ja de facto nicht weg, nur eben nicht online für jeden zugänglich. Ich muss eigentlich gar nicht mehr alles online haben, wobei ich aber zugeben muss, dass ich früher wesentlich öfter in alten Einträgen gestöbert habe als mittlerweile [das hat aber nur bedingt etwas mit der Zugänglichkeit zu tun, weil ich die Einträge mit einem Klick genauso aufrufen kann wie früher (ich habe mir nämlich die ganze mytb Seite gezogen und sie auf einen privaten Server gestellt, sodass ich immer noch genauso drin rumklicken kann, wie als ob die Seite noch existieren würde)]. Grüße! 🙂

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