Wie gestern.

Wie gestern.

ich bin gerade dabei was am computer machen und höre nebenbei musik. normalerweise, also schon immer, höre ich ein lied in dauer-repeat, bis ich dann nach stunden, tagen, wochen genug davon habe und dann höre ich das nächste bis zur vergasung. gerade hatte ich von meinem aktuellen ohrwurm „somebody that i used to know“ genug und wusste nicht so recht, was ich stattdessen hören sollte, also habe ich das handy einfach auf shuffle gestellt. mach ich sehr selten. und plötzlich lief tina arena mit „show me heaven“. das lied gehört, obwohl es englisch ist, zu meiner französisch-sparte, einfach, weil tina arena zur notre dame de paris clique gehört. ganz selten hat man das mal, dass einen richtig, und ich meine diesmal *richtig* zu hundert prozent, das gefühl überkommt, dass.. man das doch erst gestern noch gehört hat und „gestern“ ist plötzlich zwanzig jahre her. ich meine, dass ich in meinem „kinderzimmer“ saß und links von mir der dunkelblaue cd-player stand, mit diesen silbernen pigmenten in dem blauen plastik der boxen, und genau dieses lied in einer viel zu lauten lautstärke durch den raum geschmettert hat. nur ein wimpernschlag entfernt. und plötzlich bin ich mitte, ende 30, wir leben in einer schon über zwei jahre andauernden pandemie mit krieg in europa.

am samstag habe ich meinen vater im altersheim besucht, meine mutter war auch da und meistens sehen die besuche so aus, dass meine mutter und ich uns unterhalten und mein vater hört zu und sagt ganz selten was. sprechen ist ihm zu anstrengend, einfach, weil er halt sonst relativ schwach ist (bzw. auch faul, sich nur ein bisschen anzustrengen, muss man einfach so sagen) und auch nur noch zwei, drei zähne hat, sodass man sich auch konzentrieren muss, ihn zu verstehen. meine mutter und ich haben uns dann über den krieg unterhalten, und typisch meine mutter hat sie halt höchst emotional auf alles reagiert und mit null logik oder verstand oder .. irgendwie mal ein bisschen nachzudenken. kaum sagt nur einer das wort „dritter weltkrieg“, dann läuten alle alarmglocken und sie macht komplett dicht, selbst wenn derjenige gesagt hat: „einen dritten weltkrieg halten wir für unwahrscheinlich.“ – meine mutter war schon immer so, also .. so ein bisschen… doof? .. keine ahnung. ich will das jetzt auch nicht so an dem krieg bzw. ihrer reaktion da drauf festmachen, sondern… an allem? XD .. ihrem gesamten leben? XD .. mein vater und ich haben uns früher immer nur solche blicke zugeworfen, die mehr als tausend worte sprachen, und trotz dessen, dass er so viel älter geworden ist und auch schwächer und es auch schwieriger für ihn geworden ist sich auszudrücken, hat er mich bei irgendeinem panischen satz meiner mutter nur angeschaut und obwohl er weder mit dem kopf geschüttelt, noch mit den augen gerollt hat, hat sein blick genau das ausgedrückt. ich musste innerlich irgendwie grinsen (vielleicht auch äußerlich), denn trotz dessen, dass mein vater mittlerweile nicht mal mehr zwei komplette sätze hintereinander spricht, hab ich ihn genauso verstanden wie früher, wie immer. der charakter und der geist ist immer noch da. er kann es nur nicht mehr so gut ausdrücken. 

 

es ist trotzdem krass, dass das so nie wieder kommen wird. ich meine, so rumgealber mit meinem vater, wo er irgendeinen witz reißt oder so. wenn ich versuche mir meinen vater so vorzustellen, wie er vor dem schlaganfall war, dann fällt mir immer diese eine gestik ein, wenn er sich vor lachen nicht mehr gekriegt hat und er die tränen vor lachen mit seinem ringfinger weggewischt hat, er hatte da immer so eine bestimmte geste. oder wie wir ihn immer verarscht haben, wenn er umschläge mit briefmarken frankiert hat, er hat die briefmarken immer so sehr auf die umschläge „gewalzt“, da wäre in tausend jahren keine luftblase mehr zwischen marke und briefumschlag gewesen xD

naja, mehr eigentlich auch nicht, war nur so ein gedanke, der mir gerade eingefallen ist.

 

suzaku

3 Gedanken zu „Wie gestern.

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