Ich hab jetzt keine Zeit für einen Burnout.
so, da bin ich wieder. aber nur kurz, nicht allzu lange.
ich habe mich für heute krank gemeldet. ja, ich hab mir mal einen kranktag gegönnt. heute hätte ich eh mal außerordentlich „nur“ um die 8h gearbeitet, also nur knapp ne stunde aufgebaut, da tut mir die verlorene stunde weniger weh als wenn ich zum beispiel am montag krank machen würde, wenn ich plane 10h zu arbeiten.
ich bin gestern nach hause gekommen und habe mich genauso wie ich war aufs sofa gelegt und geheult. tobi hat das dann irgendwann gehört und ich hab ihm erstmal vom tag erzählt. wir hatten ursprünglich vor essen zu gehen oder dass ich noch koche oder zumindest was fürs abendessen besorge, aber tobi meinte gleich, wir bestellen jetzt einfach pizza und relaxen für den rest des abends, was wir dann auch so gemacht haben. ich bin schon ziemlich früh eingeschlafen, eigentlich wäre ich fast beim essen schon eingepennt, weil ich so fix und fertig war. also dieses fix und fertig nach einem mental breakdown und nicht einfach nur dieses „hab schlecht geschlafen, bin bissl müde“, wenn ihr versteht. ich hab dann auf der couch ein paar stunden geschlafen, ich glaub, so halb zehn rum oder so war ich wieder wach, tobi hatte wie immer nebenher einen film geschaut, und weil ich mich komplett unverändert gefühlt hatte, war mir schon klar, dass ich heute nicht zur arbeit gehe. termin mit p., bzw. mich wundert, warum ich diesen namen überhaupt abgekürzt habe, also mit patrick, meinem abteilungsleiter, hin oder her. was ist, wenn die gar keinen termin für heute einstellen? dann bin ich „umsonst“ zur arbeit gegangen.
heute morgen, noch vor sieben, hab ich schnell meinem chef eine nachricht geschrieben, dass ich mich für den heutigen tag krank melde, weil es mir nicht gut gehe, und daraufhin kam folgende nachricht:
guten morgen suza, ich wünsche dir zunächst eine gute besserung und hoffe, dass es dir bald wieder besser geht. auch vielen dank für die zusammenfassung deiner projektstände und die positive rückmeldung, dass diese zunächst liegen bleiben können. aufgrund dem gestrigen thema hoffe ich sehr, dass wir uns hierzu noch austauschen können. sollte hier etwas im argen liegen, lass uns bitte sprechen. gerne auch wie angeboten zusammen mit patrick. ich wünsche dir ein schönes, erholsames wochenende. viele grüße.
komm junge, LASS STECKEN, ECHT. „sollte hier was im argen sein“? echt jetz? … alter. ich finde das so krass, SO KRASS. keiner von diesen leuten, die mit meiner freistellung zu tun hatten, sei es mein chef, dessen chef, irgendjemand von der personalabteilung, der betriebsrat, IRGENDJEMAND, hat sich da offensichtlich jemals auch nur EINE SEKUNDE lang nen gedanken dazu gemacht, was es heißt, zu sagen: „oh, freistellung geht doch nicht. nimmste halt jetzt deinen ganzen urlaub.“
die haben überhaupt keine VORSTELLUNG davon, was es für einen mitarbeiter bedeutet, wenn du zwei komplette jahresurlaube und dein gesamtes gleitzeitkonto leerräumen musst, um sowas abzudecken.
ich starre jeden tag auf meine wochenplanung, die ich mir feinsäuberlich erstellt habe, um zu managen, wann ich möglichst viel wo wie an stunden reinarbeiten kann. bis zu welchen stichtagen, weil da irgendein blödes konzert oder sonstwas geplant ist, ich wie viele stunden aufzubauen habe. dass ich lang geplante arzttermine absage, weil ich es mir nicht leisten kann, eine stunde früher feierabend zu machen, weil ich dann keine stunden aufgebaut habe, oder noch schlimmer, sogar irgendwas abbaue. es gibt KEINE option zu sagen: „oh, mir gehts heute irgendwie schlecht, ich geh ein bisschen früher (oder arbeite nur meine sollzeit)“, und zwar NIE. nicht umsonst sitzt man mit schmerzen im rumpf weiterhin auf der arbeit und fährt direkt danach in die notaufnahme, anstatt wie ein vernünftiger, normaler mensch zu sagen: „leute, mir gehts schlecht, ich geh jetzt zum arzt.“ nee, du bleibst da hocken und starrst auf diese verfickte stechuhr, die deine minuten zählt.
wisst ihr, ich kanns mir nicht mal leisten zu sagen: „leute, ich habn burnout, ich bleib jetzt einfach drei wochen zuhause“, weil ich sogar DEN BURNOUT EINTAKTEN MUSS. UND LEIDER IST DA JETZT KEINE ZEIT FÜR, NÄCHSTE WOCHE VIER SLIMANE KONZERTE IN BRÜSSEL, DANACH FRANKFURT, DANACH DORTMUND. und das hab ich alles gebucht und bezahlt (allein das bsb-wochenende kostet bereits vierstellig), bevor ich neuseeland gebucht hatte, unter den umständen hätte ich neuseeland ja niemals gemacht. also, man sieht: ICH HAB JETZT KEINE ZEIT FÜR EINEN BURNOUT. BURNOUT, DU DARFST GERNE IM APRIL WIEDERKOMMEN, DA HAB ICH ZEIT FÜR DICH. und nach diesen konzerten ist mein gleitzeitkonto wieder leer, da muss ich im oktober direkt anfangen wieder alles reinzuarbeiten, damit ich bis mitte dezember zum abflug nach neuseeland eben genau diese stunden wieder drin habe. ich habe mir schon ausgerechnet, ich muss spätestens am 1. november anfangen jeden – JEDEN – tag 10h zu arbeiten, dann hab ich bis neuseeland mein konto wieder entsprechend voll – so voll wie ich es für den urlaub benötige – und je früher ich damit anfange, desto öfter könnte ich mir mal erlauben nur 9h zu arbeiten oder sogar mal einen tag krank sein zu dürfen.
meinen job zu kündigen steht außer jeglicher diskussion. um mal auf eure nachrichten einzugehen. vielen lieben dank dafür. ich liebe es nachrichten zu kriegen und finde es schade, dass ich mittlerweile so selten welche kriege. aber nun ja, mein tagebuch wird ja nicht bekannter, ich krieg ja nicht mehr leser, bin ich aber auch selber schuld dran, ich mach ja nie „werbung“. aber gut. anderes thema. den job kündige ich nicht. der ist super bezahlt und der macht mir EIGENTLICH auch spaß. eigentlich mag ich alles an diesem job. mein team, die kollegen, mit denen ich zusammenarbeite, sowohl technisch, als auch vertrieblich und kaufmännisch, das gehalt ist super, die lage zur firma ist toll, eigentlich ist ALLES toll. nur mein chef nicht. mein chef ist der, der alles kaputt macht, im übrigen nicht nur für mich, sondern andere sehen das genauso.
abgesehen davon ist die lage bei uns gerade richtig scheiße, also nicht nur in der firma, sondern generell in der gegend hier. wenn ich also kündige, würde ich mir ins eigene fleisch schneiden. und das gehalt krieg ich nie wieder. und ich sehe es überhaupt nicht ein, dass ICH GEHE. NIEMALS. wenn ich gehe, dann nehme ich meinen chef mit, so viel steht fest. den triumph gönne ich niemandem, den gefallen tue ich keinem, dass ich stillschweigend einfach von dannen ziehe und mich – das problem – selbst beseitige. nein. davor breche ich offen in der firma zusammen und mache deutlich unter welchen umständen die die mitarbeiter arbeiten lassen.
ich weiß noch nicht, was ich machen soll. vor slimane mache ich nichts mehr. am montag werde ich keinen termin wahrnehmen. ich lasse mir nicht auch noch slimane versauen. eigentlich will ich keinen termin mit meinem chef und patrick zusammen. eigentlich hätte ich gerne einen termin alleine mit patrick wollen. andererseits stelle ich es mir aber auch gar nicht so schlecht vor, wenn ich mit patrick rede und mein chef dabei ist. ich würde meinen chef genauso wenig eines blickes würdigen wie auch schon gestern beim teammeeting.
hab ich das erzählt – gestern musste ich kurz auch noch projektspezifisch mit meinem chef sprechen. ich weiß nicht, was patrick und er in dem 12:45 termin miteinander gesprochen haben und ich weiß auch nicht, was der betriebsrat patrick weitergegeben hat, aber es muss relativ „dramatisch“ sein (gut, meine nachricht war ja auch entsprechend), denn meinem chef geht, so wie es wirkt, der arsch echt auf grundeis. als ich zu ihm hin bin, war er super nett bzw. super vorsichtig und unsicher und hat mir sofort alles an arbeit abgenommen. also ganz untypisch für ihn. auch seine reaktionen im teammeeting, also als ich so abweisend war und alles, waren super vorsichtig und fast schon ängstlich. das is auch ganz untypisch, normalerweise holt er den boss raus und wird herrisch und unfair.
ich hab gestern auch noch mit einem anderen kollegen gesprochen. es ist mittlerweile auch so, dass ich darauf angesprochen werde. manchmal direkt auf die freistellung, manchmal darauf, dass ich so ungewöhnlich lange und viel arbeite, manchmal auch schlichtweg auf mein aussehen oder mein verhalten, weil ich einfach so fertig bin, dass es anderen auffällt. ein kollege, den ich sehr mag und mit dem ich sehr viel zusammenarbeite, aber nicht in meiner abteilung ist, hat dann auch nachgefragt, was los sei und deshalb hab ich ihm davon erzählt. mein lieblingskonstrukteur ist das. der hat mir erzählt, dass die ganzen chefs gerade über-vorsichtig sind. bei uns hagelt es nämlich gerade einen aufhebungsvertrag nach dem nächsten, weil sie einfach zu viele leute, und vorallem zu viele führungspositionen, eingestellt haben und nun abspecken wollen. dieser lieblingskonstrukteur von mir ist auch jemand, der sich in der firma einen namen gemacht hat, weil der einfach so super kompetent und fähig ist, also das is kein idiot, sondern der kriegt echt sau viel mit. jedenfalls meinte der, dass er und ein paar kollegen vorgeschlagen haben, dass sie gerne in einer alten montagehalle, die gerade leersteht, gerne einen aufenthaltsraum für die mittagspause einrichten und dafür für eine tischtennisplatte zusammenlegen würden. der bereichsleiter hat das daraufhin verboten, weil er nicht wolle, dass diese abteilung oder er irgendwie in irgendeiner weise gerade auffällt – weder positiv, noch negativ, sondern einfach füße still halten, weil alle angst um ihren job haben. je höher die position, desto mehr angst herrscht, aufgrund eben des steigenden einsparpotenzials bzgl. des gehalts. das erklärt auch einmal mehr die angst meines chefs, warum er quasi über meine leiche geht, um seinen fehler zu vertuschen. wenn er doch noch einen funken an gedächtnis oder reflexion hat, müsste ihm auch klar sein, dass er grundsätzlich schon nicht ganz so gut dasteht, wenn man dem glauben darf, was der betriebsrat gesagt hat.
keine ahnung. ich brauchte jedenfalls diesen tag heute. ich habe bis halb zwölf geschlafen, was ich, glaub ich, das letzte mal vor zehn jahren gemacht habe. dadurch, dass ich normalerweise um halb fünf jeden tag aufstehe, bin ich auch am wochenende spätestens um halb acht, acht rum wach. selbst, wenn tobi und ich in den club gehen und erst um halb fünf oder so im bett sind, wache ich nie nach neun auf. als ich heute um halb zwölf – nachdem ich mich morgens ja kurz krank gemeldet hatte – wach wurde, hätte ich mich direkt umdrehen und weiterschlafen können. ich bin auch jetzt noch richtig fertig, weil mir diese psychische komponente noch in den knochen steckt. es fühlt sich an wie nach einer harten therapiestunde damals in der klinik, wo man echt einige tage braucht, um sich von dem gespräch mit dem therapeuten zu erholen.
tatsächlich hab ich übrigens auch schon dran gedacht, zum anwalt zu gehen. aber jetzt habe ich die leise hoffnung, dass irgendetwas passiert. ich muss auch sagen, selbst, wenn sie jetzt sagen: „na dann kriegste doch deine 14 tage unbezahlt frei“, bin ich mittlerweile schon so weit über meine substanz gegangen, dass selbst das keine „erholung“ mehr darstellt. also selbst, wenn die freistellung jetzt doch genehmigt wird, und zwar die abgespeckte variante von 14 werktagen (ich wollte ja eigentlich 6 wochen oder so), dann … gleicht das das nicht mehr aus, was ich schon an substanz verloren habe. ich bin mittlerweile so tief angeknackst, körperlich, psychisch, sonstwas, dass es sich für mich so anfühlt, also bräuchte ich ein, zwei monate auszeit, um mich irgendwie zu erholen.
achso und weil noch die frage kam, seit wann das schon alles läuft. also dieses krasse arbeiten ist so seit .. mai. seit malaysia. und seit märz, april weiß ich von der verpatzten freistellung.
ich werde heute mit georg in den club gehen. ja, ich weiß, krankmeldung und club. aber ich bin ja nicht bettlägerig und ich brauche diese ablenkung einfach.
hannah und tobi kommen nicht mit. hannah hat etwas anderes vor und tobi kennt bis auf georg niemanden von der gästeliste und findet das demnach auch wenig attraktiv mitzugehen. ich bin sehr gespannt. ich muss tatsächlich auch mich jetzt dann in einer halbe stunde anfangen fertig zu machen, weil der club ja so weit weg ist und ich da ne weile hinfahre. ehrlich gesagt würde ich lieber daheim bleiben und weiterschlafen. obwohl ich mindestens zehn oder zwölf stunden geschlafen habe, oder vielleicht sogar noch mehr (ich bin nachts sehr oft aufgewacht, also bis ich mich dann am morgen krank gemeldet habe), fühlt es sich an, als hätte ich nicht eine minute erholung gehabt. ich fühle mich immer noch genauso wie gestern, als ich von der arbeit heim gekommen und aufs sofa gefallen bin. aber ich weiß, dass ich mental jetzt was anderes brauche, sonst steigere ich mich noch mehr in die geschichte rein. und ehrlich gesagt ist es das erste mal, dass georg mich so vermisst. – „ganz egal, hauptsache ich sehe dich 🙁 <3“, meinte er, als wir organisatorisch am planen waren, wer wo wie wohin fährt.
naja. ich ruhe mich jetzt noch ein bisschen aus und dann mach ich mich fertig.
suzaku