Vielleicht mit Mitte sechzig dann.

Vielleicht mit Mitte sechzig dann.

jetzt bin ich gerade an dem moment, den ich gestern beschrieben habe. man könnte irgendwie über alles schreiben, weil einen alles irgendwie „berührt“, kann sich nicht entscheiden und dann kippt die laune und irgendwie findet man sich total .. uninspiriert dann vor, sodass man schlussendlich irgendwie gar nichts mehr im kopf oder viel mehr „im herzen“ hat, über das man tippen könnte.

ich höre gerade slimane mit „des milliers de je t’aime“.

aber nur, weil ich nicht weiß, was ich hören soll. und vor der tour habe ich ja neben patrick fiori auch slimane gesuchtet.

ich sollte wieder mit französisch anfangen. aber irgendwie habe ich keine .. motivation. keine lust. also nicht, weil ich keine lust habe, eigentlich schon, aber.. aus gründen, die ich nicht nennen kann, würde mich das noch mehr vom schwarzen loch wegbringen und irgendwie will ich das nicht. ich kann da einfach nicht loslassen und versuche mich krampfhaft jeden tag gedanklich ins café zurückzuschießen oder zu irgendeinem anderen moment, in dem wir zusammen waren. was total dumm ist, er denkt da sicherlich nicht mehr dran. generell meine ich. denkt er nicht an mich. zumindest ist es das, was ich versuche mir einzureden. immer alles schön schlechtreden, damit man nur positiv überrascht werden kann. mein problem hierbei ist nur, dass ich weiß, dass er auch an mich denkt. dass ich weiß, wie wichtig ich ihm bin. aber trotzdem mal lieber negativ denken. und wenn ich dann doch „positiv“ überrascht werde, indem er doch mal schwach wird und den kontakt sucht, keine ahnung, ist es schlussendlich doch nicht positiv, weil man hinterher wieder noch mehr drinhängt. sieht man ja jetzt.

da kommt doch wieder die altbekannte frage auf, warum ich so diesen.. suchtcharakter habe. wobei ich jetzt nicht bock habe auf psychoanalyse. letzten endes komme ich doch wieder auf dieses elternthema. oder keine ahnung. ads. irgendein dings aus der kindheit, whatever. vielleicht kann man das auch einfach neurologisch erklären, dass irgendwo irgendein .. hormon nicht korrekt ausgeschüttet wird und ich deshalb immer wieder diesen kick suche. ganz sicher sogar, ads und blah. naja.

ist immer noch komisch abends, einfach ins bett zu gehen und nicht mehr frischfutter zu schnippeln und das noch in den käfig zu legen. ist auch komisch, wenn ich das licht in dem raum anmache, dass ich immer noch denke: „ohje, hoffentlich wecke ich tchibo nicht.“ und ist immer noch komisch, dass ich im treppenhaus so viel lärm machen kann wie ich will. komme mir auch total bescheuert vor, wenn ich in der küche bin und auf die stelle schaue, wo ich ihn vergraben habe, ich dann irgendwie das gefühl habe, dass er „da“ wäre. ich weiß, das klingt so sau dämlich, ich kann das trotzdem nicht abstreifen, auch wenn mir viele gesagt haben, dass sie das nachvollziehen können, aber ich kann irgendwie zum ersten mal so dieses feeling verstehen, wenn leute auf den friedhof gehen und irgendwie das gefühl von „nähe“ haben, wenn sie am grab stehen. oder wenn sich leute in ihrer wohnung bilder aufhängen und mit den bildern sprechen oder diese angucken und dann das gefühl haben, derjenige wäre irgendwie genau an diesem ort noch da. keine ahnung. konnte nie irgendwas damit .. verbinden. und ich muss auch sagen, ich kann das auch (noch) nicht bei meinem vater so sehen. liegt aber viel mehr da dran, dass ich seit der beerdigung nicht ein einziges mal am grab war. einfach, weil der friedhof viel zu weit weg von mir ist, ich brauch da ne stunde hin.

der kontakt zu meiner mutter ist mittlerweile, auch durch die bsb tour, wieder auf das maß reduziert, wie es auch vor dem tod meines vaters war. manches ändert sich dann doch nie. sie hat mir auch hier und da ein paar mal geschrieben und ich bin hier und da auch wieder genauso genervt wie es vor dem zwölften juli war. so, wie es aber vom schreiben her klingt, geht es ihr den umständen entsprechend okay. zumindest ist das das gesicht, was sie mir zeigt. keine ahnung, wie es ihr wirklich geht. ich glaube, sie war seit dem tod nicht mehr beim altenheim, obwohl sie eigentlich noch ein paar sachen und unterlagen dort hat. aber sie traut sich nicht, zumindest war das ganz lange so. ich denke auch, sie wird das nie wirklich verarbeiten, weil sie einfach nicht der typ zum verarbeiten ist. das erinnert mich an neulich, als wir über die bsb tour geschrieben haben. da habe ich ihr erzählt, dass ich in antwerpen war. – „bist du da mit dem auto hingefahren?“ – „ja.“ – „oh gott, das würde ich mich niemals trauen.“ mir kam in den sinn, wie ich genau das gleiche vor zehn jahren gesagt hätte. im leeeeeeben wäre ich nicht drauf gekommen, mit dem auto alleine nach belgien zu fahren, um .. egal was zu tun. und wenn ich mir vorstelle, dass sie mitte sechzig ist und – in der sache – immer noch da ist, wo ich vor zehn jahren war. vierzig jahre jünger. ich finde das .. schlimm, wenn man so gar keinen fortschritt macht, also in seiner geistigen, seelischen, psychischen entwicklung. verurteilen tue ich das nicht und ich hoffe, es wirkt auch nicht so, als würde ich von oben auf sie herabsehen, denn herablassend will ich da gar nicht sein. ich will das eher noch mehr als ansporn sehen, selber niemals so zu werden.

hm. mir schießt das schwarze loch in den kopf und ich muss über mich selbst grinsen. vor zehn jahren wäre ich genauso beschissen opfermäßig gewesen, was das thema angeht, wie ich es jetzt auch immer noch bin. tja. so super geistig, seelisch, psychisch entwickle ich mich dann doch nicht weiter. wobei.. vor zehn jahren hätte ich mich vielleicht deshalb noch zu tode gehungert oder hätte jeden abend geheult. ok, sagen wir vor fünfzehn jahren. aber so super cool, ein hairflip und dann kann ich die sache nur noch müde belächeln und mache mit meinem leben weiter, naja.. das kann ich dann doch noch nicht. aber vielleicht mit mitte sechzig dann.

mehr nicht, muss los.

suzaku

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